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Kräuter für Pferde: Was belegt ist und wann Vorsicht nötig ist
Wie du Kräuter für Pferde einordnest: was als Futtermittel erlaubt ist, wie dünn die Studienlage bei Teufelskralle, Mariendistel, Mönchspfeffer, Hagebutte und Brennnessel ist und warum Kräuter im Turniersport heikel sind.

Die kurze Antwort
Kräuter für Pferde sind Futtermittel, keine Arzneimittel, und dürfen keine Heilwirkung versprechen 1. Für die meisten Kräuter fehlen kontrollierte Studien am Pferd. Im deutschen Turniersport sind Phytotherapeutika allgemein verboten, Teufelskralle wird ausdrücklich genannt 2. Wähle Kräuter deshalb gezielt, rechne sie in die Ration ein und prüfe vor Turnieren jede Zutat in der ADMR-Datenbank 3.
Futtermittel, keine Arznei
Kräuter, die du deinem Pferd fütterst, sind rechtlich Futtermittel. Für Futtermittel gelten eigene Regeln zu Kennzeichnung und Werbeaussagen; sie dürfen nicht damit beworben werden, Krankheiten zu verhüten, zu behandeln oder zu heilen 1.
Für dich heißt das: Ein Kräuterprodukt ist keine Behandlung. Bei Lahmheit, Husten, Leber- oder Hormonproblemen gehört die Ursache in tierärztliche Hand.
Was über gängige Kräuter bekannt ist
Für die meisten Kräuter gibt es am Pferd keine kontrollierten Studien zu Beschwerden. Die vorhandenen Arbeiten messen oft nur, ob und wie lange ein Inhaltsstoff im Blut auftaucht.
- Teufelskralle: Eine Studie mit sechs Pferden fand Harpagosid bis neun Stunden im Plasma, Wirksamkeit wurde nicht untersucht 4.
- Mariendistel: Silibinin wurde aus dem Futter nur zu 0,6 Prozent aufgenommen 5.
- Mönchspfeffer: Die BEVA-Leitlinie sieht keinen Effekt auf ACTH und keinen Nutzen zusätzlich zu Pergolid 6.
- Hagebutte: Pferde bilden Vitamin C selbst in der Leber 7.
- Brennnessel: Die Blätter enthalten viel Calcium, Kalium und Kieselsäure 8.
| Kraut | Beleglage beim Pferd |
|---|---|
| Teufelskralle | nur Blutspiegel, im Turnier verboten |
| Mariendistel | kaum aufgenommen, keine Studie bei Leberkranken |
| Mönchspfeffer | laut Leitlinie kein Effekt auf ACTH |
| Hagebutte | Vitamin C, das Pferde selbst bilden |
| Brennnessel | mineralstoffreich, keine Pferdestudie |
Kurzüberblick über die Beleglage beim Pferd; Details in den einzelnen Artikeln.
Kräuter im Turniersport
Die Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln der FN führen Teufelskralle ausdrücklich als unerlaubte Medikation und verbieten darüber hinaus Phytotherapeutika allgemein im Wettkampf 2. Auch die FEI-Liste erfasst Stoffe, die nicht namentlich genannt sind, aber eine ähnliche Struktur oder Wirkung haben 9.
Laut einem FN-Tierarzt gilt bei vielen Kräutern in Futtermitteln ein Grenzwert von 0,5 Prozent je Kraut 10. Das ist eine Aussage aus einem Interview; verbindlich ist die ADMR-Datenbank 3.
Natürlich heißt nicht unbedenklich
Natürliche Herkunft schützt nicht vor unerwünschten Pflanzenstoffen. Die EU-Kommission empfiehlt seit Juni 2026, Pyrrolizidinalkaloide in Futtermitteln zu überwachen, ausdrücklich auch in Kräutern, Kräuterextrakten und Mischfuttern mit Kräutern 11. Diese Stoffe stecken unter anderem im Jakobskreuzkraut.
Frage bei Kräutermischungen nach Herkunft und Qualitätskontrolle. Ein Versprechen wie „garantiert frei von Giftstoffen“ kann es dabei nicht geben, wohl aber eine dokumentierte Prüfung.
Das kannst du mitnehmen
- Futtermittel dürfen nicht mit der Behandlung oder Verhütung von Krankheiten beworben werden 1.
- Bei den gängigen Kräutern gibt es am Pferd meist nur Blutspiegel- oder Verträglichkeitsdaten 45.
- Im Turniersport haftet die Person, die das Pferd vorstellt, auch bei verunreinigten Zusatzfuttern 2.
- Kräuter und Kräutermischungen gehören zu den Futtermitteln, die die EU auf Pyrrolizidinalkaloide überwachen lässt 11.
Häufige Fragen
Welche Kräuter sind gut für Pferde?
Eine belegte Heilwirkung hat keines der gängigen Futterkräuter. Was sie an Nährstoffen liefern, lässt sich wie bei jedem Futter einrechnen, etwa die Mineralstoffe der Brennnessel 8. Bei Beschwerden klärt die Tierarztpraxis die Ursache, bevor du ein Kraut auswählst.
Sind Kräuter für Pferde Doping?
Sie können es sein. Die FN-Regeln verbieten Phytotherapeutika im Wettkampf allgemein 2. Laut FN-Tierarzt sind viele Kräuter in Futtermitteln nur bis 0,5 Prozent je Kraut ADMR-konform 10. Maßgeblich ist die ADMR-Datenbank 3.
Was muss ich bei Kräutermischungen beachten?
Lies die vollständige Zusammensetzung und prüfe jede Zutat vor einem Turnier. Achte außerdem auf Qualität: Die EU empfiehlt seit 2026, Kräuter und kräuterhaltige Mischfutter auf Pyrrolizidinalkaloide zu überwachen 11.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (11)
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln für den Pferdesport (ADMR) mit Verbotsliste Anhang I–IIIRegelwerk mit eigener FN-Verbotsliste (Art. 4.1). Anhang II (unerlaubte Medikation, im Wettkampf verboten) nennt unter dem Muskel-Skelett-System ausdrücklich „Harpagophytum Procumbens (Teufelskralle)“ und listet unter „Darüber hinaus sind verboten“ allgemein „Phytotherapeutika, wie z.B. Arnika, Ingwer“. Auffangklausel für Stoffe mit ähnlicher Struktur oder Wirkung. Verantwortliche haften persönlich für alles, was dem Pferd verabreicht wird (Art. 2.1.1), auch bei verunreinigten Futterergänzungsmitteln (Kommentar zu Art. 10.4). Das Dokument trägt kein Stand-Datum
- FN – Anti-Doping und Medikation (ADMR-Suchmaschine)Offizielle Datenbank der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu Substanzen und Karenzzeiten im Turniersport
- Axmann S, Hummel K, Nöbauer K, Razzazi-Fazeli E, Zitterl-Eglseer K (2019): Pharmacokinetics of harpagoside in horses after intragastric administration of a Devil's claw (Harpagophytum procumbens) extract. Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics 42(1):37–446 Pferde im Crossover, Harpagophytum-Extrakt intragastral in 5 bzw. 10 mg Harpagosid je kg Körpergewicht; Nachweis im Plasma bis 9 Stunden. Reine Pharmakokinetik – keine Wirksamkeitsdaten
- Hackett ES, Mama KR, Twedt DC, Gustafson DL (2013): Pharmacokinetics and safety of silibinin in horses. American Journal of Veterinary Research 74(10):13279 gesunde Pferde: 6,5 mg Silibinin je kg Körpergewicht intravenös, oral im Futter und per Nasenschlundsonde. Anschließend 5 Pferde mit 6,5, 13 und 26 mg/kg zweimal täglich über je 7 Tage. Orale Bioverfügbarkeit 0,6 % im Futter und 2,9 % per Sonde, keine Anreicherung, keine dosislimitierende Toxizität. GGT bei 3 von 5 Pferden in hohen Dosen leicht über dem Referenzbereich. Gesunde Pferde – keine Wirksamkeitsdaten bei Lebererkrankung
- Menzies-Gow NJ, Banse HE, Duff A, Hart N, Ireland JL, Knowles EJ, McFarlane D, Rendle D (2023): BEVA primary care clinical guidelines: Diagnosis and management of equine pituitary pars intermedia dysfunction. Equine Veterinary Journal, doi:10.1111/evj.14009Tierärztliche Leitlinie der British Equine Veterinary Association mit GRADE-Bewertung. Abschnitt 3.6.6 und Tabelle 10: Mönchspfeffer kann einzelne klinische Zeichen verbessern, hat aber keinen nachgewiesenen Effekt auf ACTH. Kein Nutzen als Zusatz zu Pergolid. Evidenz „Low“, Empfehlung „Weak“. Die Studien sind klein, ohne unbehandelte Kontrollgruppe und mit Besitzerbewertung; in einer dritten Studie verschlechterten sich 13 von 14 mit Vitex behandelten Pferden
- Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
- European Medicines Agency, HMPC (2010): Assessment report on Urtica dioica L., Urtica urens L., folium. EMA/HMPC/508013/2007Bewertungsbericht vom 14.01.2010, Abschnitt 2.1.1: Brennnesselblätter enthalten Mineralstoffe (Asche ca. 17,9 %; Calcium als CaO ca. 5,9 %; Silikate 1–4 % SiO2; hoher Kaliumanteil) sowie in den Brennhaaren geringe Mengen Acetylcholin, Serotonin, Ameisensäure und Leukotriene. Kontakt mit den Brennhaaren der frischen Pflanze kann Juckreiz, Dermatitis und Nesselsucht auslösen (3.3.2). Zubereitungen gelten als gut verträglich. Humanarzneilicher Kontext; neuere Revisionen ggf. prüfen
- FEI (2024): 2025 Equine Prohibited Substances List. Fédération Équestre Internationale, Lausanne, Stand 25.11.2024Geprüfte Fassung 2025 (Fassung 2026 war am 18.10.2026 nicht abrufbar). Harpagosid ist als CONTROLLED (Analgetikum) geführt, Valerensäure als CONTROLLED, Capsaicin als BANNED. Silibinin/Silymarin, Vitex-Inhaltsstoffe (Agnusid, Casticin), Brennnessel, Hagebutte und Ascorbinsäure sind nicht namentlich gelistet. Auffangklausel: Verboten sind auch Stoffe mit ähnlicher chemischer Struktur oder ähnlicher biologischer Wirkung. Die Liste wird jährlich überarbeitet; maßgeblich ist immer die tagesaktuelle Fassung
- Joschko L (2023): Fairer Sport – Risiko unbewusstes Doping. Pferd und Mensch (FN-Magazin) 04/2023FN-Mitgliedermagazin mit Interview von Dr. Michael Mäule: Teufelskralle ist „grundlegend nicht ADMR-konform“ und hat „eine Karenzzeit von vier Tagen“. Auch Kräuter mit Wirkung auf Verdauung oder Atemwege (Beispiele Fenchel, Spitzwegerich, Kamille) sind häufig ADMR-relevant. In Futtermitteln gilt oft ein Grenzwert von 0,5 % je Kraut. Sekundärquelle (Interview); maßgeblich ist die ADMR-Datenbank
- Empfehlung (EU) 2026/1210 der Kommission vom 9. Juni 2026 zur Überwachung des Vorkommens von Pyrrolizidinalkaloiden in Futtermitteln. ABl. L 2026/1210 vom 10.06.2026Erwägungsgründe: Alle Tierarten sind für akute und chronische PA-Vergiftung empfindlich; Pferde und Kaninchen sind wegen hoher Luzerneaufnahme möglicherweise stärker exponiert; das Risiko gilt in der EU allgemein als gering. Die Mitgliedstaaten sollen u. a. Grassilage, Heu, Trockengrün (Luzerne, Esparsette), Kräuter und Kräuterextrakte aus PA-haltigen Pflanzen sowie Mischfutter mit Kräutern überwachen; 27 PA einschließlich Senecionin; Bestimmungsgrenze 10 µg/kg; Ergebnisse an die EFSA bis 30.06.2028. Inhalt über die BOE-Kopie des Amtsblatts (spanische Fassung) geprüft