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Futtermittel oder Arzneimittel?
Die Grenze zwischen Ergänzungsfutter und Tierarzneimittel ist rechtlich scharf gezogen. Warum Heilversprechen unzulässig sind – am Beispiel eines Gerichtsurteils.

Produkte zur oralen Gabe an Pferde unterliegen im EU-Raum einem strikten Regelwerk. Basis ist die Verordnung (EG) Nr. 767/2009, ergänzt durch die Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 über Zusatzstoffe 12.
Wann ein Produkt zum Arzneimittel wird
Sobald ein Produkt eine nachweisbare pharmakologische, immunologische oder metabolische Wirkung entfaltet, die über die reine Nährstoffversorgung hinausgeht, gilt es rechtlich als Tierarzneimittel – mit Zulassungs- und Apothekenpflicht 1.
Deshalb dürfen Futtermittel keine krankheitsbezogenen Heil- oder Linderungsversprechen tragen. Solche „Borderline-Produkte“ sind ein häufiger Grund für Beanstandungen.
- Keine Aussagen wie „heilt“, „gegen EMS“, „lindert Arthrose“.
- Im Online-Handel müssen analytische Bestandteile und Zusatzstoffe vor dem Kauf einsehbar sein 1.
- Ergänzungsfutter deckt den Bedarf nur zusammen mit der Grundration.
Beispiel aus der Rechtsprechung
Wie streng die Herstellungskette reguliert ist, zeigt ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (2022): Am Beispiel von Zinkoxid wurde der „Vormischzwang“ bestätigt – sensible Zusatzstoffe dürfen nicht in Reinform eingemischt, sondern müssen über zertifizierte Vormischungen verarbeitet werden 3.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (4)
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
- Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
- Bayerischer Verwaltungsgerichtshof (2022): Zinkoxid und VormischzwangBestätigt den Vormischzwang nach DVO (EU) 2016/1095: sensible Zusatzstoffe nur über zertifizierte Vormischungen
- Deutscher Verband Tiernahrung e.V.Orientierung zu Futtermittelrecht und Branchenpraxis