Inhaltsstoffe & Evidenz

Jeder Stoff aus den 7 Nährstoffgruppen, mit denen wir arbeiten – und wie gut er beim Pferd tatsächlich belegt ist. Denn eine Zutatenliste ist erst dann eine Aussage, wenn dabei steht, was sie wert ist.

Hier steht die fachliche Einordnung samt Bedarfsgrößenordnung. Was am Ende tatsächlich je Kilogramm Produkt drinsteht, hängt an der Ration des einzelnen Pferdes und steht in der Deklaration seiner Individualmischung.

Wie wir Evidenz einstufen

Wir bewerten jeden Inhaltsstoff nach der Datenlage beim Pferd – nicht nach der Datenlage bei Mensch, Hund oder Ratte und nicht nach der Verbreitung im Markt.

Solide
Solide belegt – Kontrollierte Studien am Pferd oder ein anerkannter, tabellierter Nährstoffbedarf.
Moderat
Moderat belegt – Einzelne kontrollierte Studien am Pferd oder eine gut begründete, unstrittige physiologische Funktion.
Begrenzt
Begrenzt belegt – Die Datenlage am Pferd ist dünn, uneinheitlich oder aus anderen Tierarten übertragen. Wir sagen das offen dazu.

Von 11 Inhaltsstoffen stufen wir 9 als solide, 2 als moderat und 0 als begrenzt belegt ein. Dass die dritte Zahl null ist, liegt nicht an einer großzügigen Bewertung, sondern am Zuschnitt: Wir ergänzen ausschließlich Nährstoffe mit tabelliertem Bedarf. Alles, was interessant klingt, aber beim Pferd dünn belegt ist, steht weiter unten unter „Was wir bewusst weglassen“.

Raufutter-Basis

Schließt die Lücke bei Calcium, Phosphor und Magnesium, wenn die Raufutterration diese Mengenmineralstoffe rechnerisch nicht deckt.

Aussage: Ergänzt Calcium, Phosphor und Magnesium in Raufutterrationen.

Bewusst ohne Selen, Jod, Eisen und fettlösliche Vitamine – ein Basismodul, das alles mitliefert, dosiert diese Stoffe zwangsläufig blind mit.

  • Calcium

    Calciumcarbonat

    Solide

    Mengenelement für Knochensubstanz, Muskelkontraktion und Nervenleitung; im Heu je nach Bestand und Schnitt stark schwankend.

    Evidenz: Der Bedarf ist tabelliert und über Bilanzversuche abgesichert. Eine Meta-Analyse zum quantitativen Ca-, P- und Mg-Stoffwechsel bestätigt die Größenordnungen und zeigt zugleich, dass die Calciumverluste über den Schweiß gering ausfallen.

    Bedarf & Referenzwerte: Im Referenzmodell liegt der Erhaltungsbedarf eines 500-kg-Pferdes bei rund 17 g Calcium pro Tag. Mindestens ebenso wichtig ist das Ca:P-Verhältnis der Gesamtration – es soll 1:1 nicht unterschreiten.

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  • Phosphor

    Monocalciumphosphat

    Solide

    Partner des Calciums im Knochenstoffwechsel und Baustein des Energiestoffwechsels.

    Evidenz: Bedarf tabelliert. Grasheu ist häufig knapp an Phosphor, während Calcium reichlich vorhanden ist – deshalb ist Phosphor in einer reinen Heuration öfter der limitierende Teil als Calcium. Eine Ergänzung ohne Analyse verschiebt das Verhältnis allerdings genauso leicht in die falsche Richtung.

    Bedarf & Referenzwerte: Erhaltungsbedarf rund 35 mg je kg Körpermasse und Tag, also etwa 17 g bei 500 kg. Ca:P der Gesamtration üblicherweise im Bereich 1,5:1 bis 2:1.

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  • Magnesium

    Magnesiumoxid

    Moderat

    Cofaktor in hunderten Enzymreaktionen sowie an der neuromuskulären Erregungsübertragung beteiligt.

    Evidenz: Die physiologische Funktion ist unstrittig, die Bedarfszahl ist es nicht: Die Meta-Analyse von 2024 ermittelt für Pferde einen höheren, für Ponys einen niedrigeren Bedarf als frühere Schätzungen. Wir rechnen deshalb ab 300 kg mit erhöhtem Referenzwert, darunter unverändert, und weisen die Unsicherheit aus. Ebenfalls ehrlich dazugesagt: Für den populären Einsatz „gegen Nervosität“ gibt es keine belastbare Grundlage, und einen arbeitsbedingten Zuschlag gibt es nach aktueller Datenlage nicht.

    Bedarf & Referenzwerte: Referenzansatz nach GfE, ab 300 kg Körpermasse um den Faktor 1,85 erhöht (etwa 10,4 g pro Tag bei 500 kg, 3,6 g bei 280 kg).

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Träger- und Hilfsstoffe: getrocknete Bierhefe, Leinkuchen (als Pelletierhilfe) – ohne eigene Wirkaussage.

Zink-Kupfer-Ausgleich

Ergänzt Zink und Kupfer gemeinsam und in festem Verhältnis – die beiden Spurenelemente, bei denen deutsches Raufutter am häufigsten rechnerisch zu knapp liegt.

Aussage: Ergänzt Zink und Kupfer im ausgewogenen Verhältnis – für Haut, Fell und Hufhorn.

Zink und Kupfer stammen aus zertifizierter Vormischung – für sensible Spurenelemente gilt der Vormischzwang. Beide liegen ausschließlich in diesem Modul, damit sich Gehalte nicht über mehrere Packs aufaddieren.

  • Zink

    Zinkoxid · EU-Zusatzstoff 3b603

    Solide

    Essenziell für Keratinbildung, Hautbarriere und zahlreiche Enzymsysteme; ein Defizit zeigt sich häufig zuerst an Horn und Fell.

    Evidenz: Bedarf tabelliert. Zink wirkt aber nicht isoliert: Ohne passendes Kupfer-Verhältnis verpufft eine reine Zink-Aufsättigung, weil sich beide Elemente die Aufnahmewege teilen. Deshalb gibt es bei uns kein Zink-Solo-Produkt.

    Bedarf & Referenzwerte: Bedarf rund 50 mg je kg Trockensubstanz-Aufnahme (etwa 500 mg pro Tag bei 500 kg Körpermasse). Gesetzlicher Gesamt-Höchstgehalt: 120 mg Zink je kg Alleinfutter (88 % TS) über alle Quellen.

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  • Kupfer

    Kupfer(II)-sulfat-Pentahydrat · EU-Zusatzstoff 3b405

    Solide

    Beteiligt an der Quervernetzung von Keratin und Kollagen, an der Pigmentbildung und am Eisenstoffwechsel.

    Evidenz: Bedarf tabelliert. Die Kunst liegt im Verhältnis zu Zink, Eisen und Mangan, nicht in der absoluten Menge – eisenreiche Rationen und hohe Zinkgaben drücken die Kupferaufnahme. Wir dosieren Kupfer im Modul deshalb relativ großzügig, damit das Zn:Cu-Verhältnis der Gesamtration in den Zielbereich läuft.

    Bedarf & Referenzwerte: Bedarf rund 10 mg je kg Trockensubstanz-Aufnahme (etwa 100 mg pro Tag bei 500 kg). Zn:Cu der Gesamtration üblicherweise 3:1 bis 5:1; gesetzlicher Gesamt-Höchstgehalt 25 mg Kupfer je kg Alleinfutter.

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Träger- und Hilfsstoffe: Weizengrießkleie (Trägerstoff), Leinkuchen (als Pelletierhilfe) – ohne eigene Wirkaussage.

Vitamin E

Deckt Vitamin E dort ab, wo es systematisch fehlt: in Rationen, die überwiegend aus konserviertem Raufutter statt aus frischem Grün bestehen.

Aussage: Ergänzt Vitamin E in Rationen mit überwiegend konserviertem Raufutter.

Bewusst ohne Selenzusatz. Die marktübliche Vitamin-E-Selen-Kombination koppelt zwei Stoffe aneinander, die getrennt zu dosieren sind – Selen führen wir nur als eigenes, laborpflichtiges Modul.

  • Vitamin E

    all-rac-alpha-Tocopherylacetat · EU-Zusatzstoff 3a700

    Solide

    Fettlösliches Vitamin mit Funktion im Schutz der Zellmembranen vor oxidativer Belastung; als Acetat stabilisiert, damit es die Lagerung übersteht.

    Evidenz: Der Bedarf ist tabelliert, und der Grund für die Ergänzung ist gut dokumentiert: Frisches Grünfutter ist reich an Vitamin E, in Heu sinkt der Gehalt mit Trocknung und Lagerdauer deutlich. Eine reine Heu- und Strohration liegt damit strukturell niedrig. Nicht belegt ist der Umkehrschluss – eine Dosis weit über dem Bedarf bringt keinen Zusatznutzen, und Vitamin E wird als fettlösliches Vitamin gespeichert.

    Bedarf & Referenzwerte: Erhaltungsbedarf rund 1 I.E. je kg Körpermasse und Tag (etwa 500 I.E. bei 500 kg); bei intensiver Arbeit etwa das Doppelte.

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Träger- und Hilfsstoffe: Weizengrießkleie (Trägerstoff) – ohne eigene Wirkaussage.

Aminosäuren (Lysin, Methionin+Cystin, Threonin)

Hebt verdauliches Rohprotein sowie Lysin, Methionin+Cystin und Threonin an, wenn die Ration rechnerische Lücken zeigt.

Aussage: Ergänzt verdauliches Rohprotein und die drei bedarfsgeführten Aminosäuren bei rechnerischen Lücken.

  • L-Lysin

    L-Lysin-monohydrochlorid · EU-Zusatzstoff 3c322

    Solide

    Aminosäure für die Proteinversorgung. Das Kompendium ordnet Threonin als erstlimitierend ein; Lysin ist dabei am besten abgesichert.

    Evidenz: Das Kompendium beziffert für die Erhaltung Lysin mit 4,1 %, Methionin+Cystin mit 2,7 % und Threonin mit 5,2 % des dvRP. Threonin liegt damit über Lysin und ist der höchste Bedarfstreiber.

    Bedarf & Referenzwerte: Unser Referenzmodell koppelt die Aminosäurenbedarfe an das verdauliche Rohprotein: Lys 4,1 %, Met+Cys 2,7 % und Thr 5,2 % in Erhaltung.

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  • Sojaproteinkonzentrat

    Einzelfuttermittel nach DLG-Positivliste

    Moderat

    Proteinträger mit hohem Gehalt an verdaulichem Rohprotein und günstigem Aminosäuremuster – liefert den Rest des Proteins, das reines Lysin nicht ersetzen kann.

    Evidenz: Zusammensetzung und Proteinqualität sind gut charakterisiert. Der Nutzen hängt aber vollständig davon ab, dass die Ration proteinseitig tatsächlich knapp ist: Bei ausreichend versorgtem Heu bringt zusätzliches Protein keinen Vorteil, sondern nur eine höhere Stickstoffausscheidung. Deshalb kommt dieses Modul nur bei rechnerischer Lücke ins Pack.

    Bedarf & Referenzwerte: Erhaltungsbedarf an verdaulichem Rohprotein rund 3 g je kg metabolischer Körpermasse (etwa 320 g pro Tag bei 500 kg).

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Salz (Natrium & Chlorid)

Ergänzt Natrium und Chlorid anhand der Grundversorgung und des zusätzlichen Leistungsbedarfs.

Aussage: Ergänzt Natrium und Chlorid passend zur berechneten Rationslücke.

Ohne Kaliumzusatz: Raufutter ist regelmäßig reich an Kalium, ein pauschaler Zusatz löst kein Problem, das vorher bestanden hätte.

  • Natrium & Chlorid

    Natriumchlorid (Speisesalz)

    Solide

    Halten Flüssigkeitshaushalt und osmotischen Druck aufrecht; beide gehen beim Schwitzen in erheblicher Menge verloren und stehen im Raufutter kaum zur Verfügung.

    Evidenz: Die Versorgungsempfehlung und der zusätzliche Leistungsbedarf sind bei Coenen/Vervuert tabelliert. Eine Meta-Analyse zum Na-, K- und Cl-Stoffwechsel bestätigt außerdem, dass Natrium und Chlorid schweißrelevante Elektrolyte sind und gemeinsam betrachtet werden müssen.

    Bedarf & Referenzwerte: Die Grundversorgung erwachsener Pferde folgt der Versorgungsempfehlung nach Coenen/Vervuert. Der zusätzliche Leistungsbedarf wird anhand der Schweißmenge addiert; die konkrete Ergänzungsmenge ergibt sich ausschließlich aus der Gesamtration. Frisches Wasser muss immer verfügbar sein.

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Jod

Nur mit Laborwert

Schließt eine rechnerische Jodlücke – ausschließlich dann, wenn ein belastbarer Laborwert vorliegt.

Aussage: Ergänzt Jod bei nachgewiesener rechnerischer Unterversorgung.

Laborpflichtig: Ohne Jodwert aus der Analyse empfiehlt die Rationsberechnung dieses Modul nicht – auch dann nicht, wenn rechnerisch eine Lücke entsteht.

  • Jod

    Calciumjodat, wasserfrei · EU-Zusatzstoff 3b202

    Solide

    Baustein der Schilddrüsenhormone und damit an der Steuerung des Grundumsatzes beteiligt.

    Evidenz: Der Bedarf ist tabelliert – das ist nicht das Problem. Jod hat ein enges Fenster in beide Richtungen: Sowohl Unter- als auch Überversorgung stören die Schilddrüsenhormon-Synthese, und Jodquellen wie Seealgen oder jodierte Leckmassen sind in der Praxis schlecht quantifizierbar. Deshalb ist dieses Modul an einen Laborwert gebunden statt an eine Schätzung.

    Bedarf & Referenzwerte: Referenzansatz rund 0,15 mg je kg Trockensubstanz-Aufnahme (etwa 1,5 mg pro Tag bei 500 kg). Gesetzlicher Höchstgehalt für Equiden: 4 mg Jod je kg Alleinfutter (12 % Feuchte), empfohlen 3 mg/kg.

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Träger- und Hilfsstoffe: Weizengrießkleie (Trägerstoff) – ohne eigene Wirkaussage.

Selen

Nur mit Laborwert

Schließt eine rechnerische Selenlücke – ausschließlich dann, wenn ein belastbarer Laborwert vorliegt.

Aussage: Ergänzt Selen bei nachgewiesener rechnerischer Unterversorgung.

Laborpflichtig: Ohne Selenwert aus der Analyse empfiehlt die Rationsberechnung dieses Modul nicht – auch dann nicht, wenn rechnerisch eine Lücke entsteht.

  • Selen

    Natriumselenit · EU-Zusatzstoff 3b801

    Solide

    Bestandteil selenabhängiger Enzyme, die an antioxidativen Prozessen im Muskelstoffwechsel beteiligt sind.

    Evidenz: Selen hat die engste Sicherheitsspanne im gesamten Pferdefutter: Zwischen Bedarfsdeckung und Überversorgung liegt wenig Raum. Das reale Risiko ist selten die Einzeldosis, sondern die Doppelversorgung aus Mineralfutter, Müsli und Leckmasse – der gesetzliche Höchstgehalt gilt ausdrücklich über alle Quellen zusammen. Genau deshalb geben wir Selen nicht auf Verdacht.

    Bedarf & Referenzwerte: Referenzansatz rund 0,15 mg je kg Trockensubstanz-Aufnahme (etwa 1,5 mg pro Tag bei 500 kg). Gesetzlicher Gesamt-Höchstgehalt: 0,5 mg Selen je kg Alleinfutter (12 % Feuchte) über alle Quellen.

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Träger- und Hilfsstoffe: Weizengrießkleie (Trägerstoff) – ohne eigene Wirkaussage.

Was wir bewusst weglassen

Eine Zutatenliste sagt wenig aus, solange nicht klar ist, was man abgelehnt hat – und warum. Das gilt besonders für die Stoffe, die in fast jedem Regalprodukt stehen.

  • Selen und Jod ohne Laborwert

    Beide Stoffe haben das engste Sicherheitsfenster im Pferdefutter, und bei beiden gilt der gesetzliche Höchstgehalt über alle Quellen zusammen. Wer sie in ein Basismodul mischt, dosiert sie zwangsläufig blind mit – ohne zu wissen, was Heu, Müsli und Leckmasse schon liefern. Wir führen sie deshalb als eigene Module, die erst freigeschaltet werden, wenn ein Analysewert vorliegt: Ohne Labor gelangt weder Selen noch Jod in ein automatisch zusammengestelltes Pack.

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  • Eisen

    Ein Eisenmangel ist beim erwachsenen Pferd selten – Raufutter und Bodenanhaftungen liefern praktisch immer reichlich. Zusätzliches Eisen konkurriert dagegen mit Kupfer und Zink um die Aufnahme, und der Körper kann es kaum aktiv ausscheiden. In unserer Rationsprüfung ist für Eisen kein gesetzlicher Höchstgehalt als Grenze hinterlegt, und wir ergänzen es nie automatisch.

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  • Vitamin A und Vitamin D3

    Beide sind fettlöslich und werden gespeichert, eine Überversorgung baut sich also über Wochen auf statt sich auszuscheiden. Weide und Sonnenlicht decken den Bedarf bei den meisten Pferden ohnehin. Vitamin E ist unser einziges fettlösliches Vitamin – nicht aus Vollständigkeitsdenken, sondern weil sein Gehalt in konserviertem Raufutter systematisch und vorhersehbar sinkt.

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  • Methionin und Threonin bedarfsgeführt

    Das Kompendium führt Methionin+Cystin und Threonin als Bedarfsgrößen. Das Modul ergänzt sie nur, wenn die Rationsbilanz eine Lücke zeigt. Bei Met+Cys wird die Deckung häufig unterschätzt, weil die Zufuhr oft nur Methionin deklariert; aus den Aminosäuren werden keine Huf-, Fell- oder Heilversprechen abgeleitet.

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  • Kalium in der Elektrolytmischung

    Kalium steht traditionell in jedem Elektrolytpulver. Raufutter ist aber regelmäßig kaliumreich, und der arbeitsbedingte Mehrbedarf steigt deutlich langsamer als der von Natrium und Chlorid. Ein pauschaler Kaliumzusatz löst damit ein Problem, das vorher meist nicht bestand.

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  • Omega-3-Fettsäuren im Pulver-Sachet

    Hier scheitert es nicht an der Evidenz, sondern am Format – und das sagen wir lieber, als eine Alibi-Menge zu deklarieren. Eine sinnvolle Tagesmenge liegt im Bereich mehrerer Esslöffel Öl; als Pulver verkapselt wäre allein das Öl umfangreicher als das gesamte Sachet. Dazu kommt, dass Leinöl ALA liefert, während sich die Evidenz auf EPA/DHA stützt – und das Pferd wandelt ALA nur begrenzt um. Fischöl wiederum oxidiert im Pulver und wird schlecht angenommen. Wer Omega-3 ergänzen will, tut das über ein Öl, nicht über ein Sachet.

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  • Kobalt (über den Spurenelement-Bedarf hinaus)

    Wird als Hypoxie-Mimetikum eingesetzt, um die körpereigene EPO-Ausschüttung zu stimulieren – mit gravierenden kardiovaskulären Risiken bei Überdosierung und klarer Doping-Relevanz. Für uns ausgeschlossen, unabhängig davon, ob ein Pferd im Turniersport läuft.

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  • Multi-Stamm-Probiotika mit humanen Milchsäurebakterien

    Stämme aus dem Humanbereich sind nicht auf den Pferdedarm angepasst, und belastbare equine Wirksamkeitsdaten fehlen. Ein langer Stammname auf dem Etikett ersetzt keine Evidenz.

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  • Aggressive pH-Puffer-Kombinationen

    Sie zielen faktisch auf die Behandlung einer Azidose ab. Das ist der Bereich einer Therapie und gehört in tierärztliche Hand, nicht in ein Tagesfutter.

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  • Hochdosierte Kräutermischungen

    Widersprüchliche Studienlage bei gleichzeitig realem Risiko: Pflanzliche Wirkstoffe können pharmakologisch wirken und im Turniersport zu positiven Befunden führen. Wirksam genug für einen Dopingbefund, aber zu schwach belegt für ein Versprechen – das ist die schlechteste Kombination.

    Hintergrund lesen
  • „Detox“- und Entgiftungs-Konzepte

    „Entgiftung“ ist kein futtermittelrechtlich zulässiger Ernährungszweck und physiologisch nicht definiert. Leber und Niere erledigen das ohne Pulver.

    Hintergrund lesen
  • Hochdosis-Antioxidantien

    Über den Bedarf hinaus ist kein Zusatznutzen belegt. Bei fettlöslichen Vitaminen und Selen verschlechtert eine Hochdosis das Sicherheitsprofil, statt es zu verbessern.

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Warum hier Bedarfswerte stehen und keine Produktmengen

Die genannten Zahlen sind Bedarfsgrößen aus Referenzwerken, Werte aus Studien oder gesetzliche Höchstgehalte – keine Produktdeklaration. Wie viel ein einzelnes Pferd tatsächlich braucht, hängt von seiner Ration ab: Heu schwankt von Charge zu Charge, und was bereits über das Grundfutter kommt, muss nicht ergänzt werden. Deshalb ergeben sich unsere Gehalte aus Bedarfsrechnung und Analyse – nicht aus einer runden Marketing-Zahl.

Quellen

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (19)
  1. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  2. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  3. Maier I, Kienzle E (2024): A Meta-Analysis on Quantitative Calcium, Phosphorus and Magnesium Metabolism in Horses and Ponies. Animals 14(19):2765 (LMU München)Meta-Analyse: Schweißverluste von Ca, P und Mg sind so gering, dass kein zusätzlicher arbeitsbedingter Bedarf angesetzt wird. Zum Mg rechnet sie den Ersatz endogener Kotverluste und trennt nach Gewicht (Pferde > 300 kg: 37, Ponys < 300 kg: 11 mg/kg metabolische Körpermasse; ein zeitweise schwereres Pony blieb der Ponygruppe zugeordnet); die Vergleichsfaktoren (Pferde rund 1,9×, Ponys rund ½) beziehen sich auf Kienzle & Burger (20 mg/kg), nicht auf die GfE
  4. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1095Zulassung von Zinkacetat, Zinkchlorid, Zinkoxid, Zinksulfat und Zink-Chelaten (3b601 ff.); Gesamt-Höchstgehalt Zink 120 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) für „Andere Arten und Kategorien“, in denen Pferde nicht gesondert genannt sind. Konsolidierung 25.09.2022 (einschließlich DVO (EU) 2022/1458); Zulassungsende laut Anhang 27.07.2026; Erneuerungsverfahren laufen bei der EFSA. Laut EU-Register der Futtermittelzusatzstoffe (Stand 15.10.2026) ist ein Erneuerungsantrag nach Art. 14 VO (EG) 1831/2003 gestellt (geprüft für Zinkacetat-Dihydrat, 3b601); die Zulassung gilt fort. Ergänzend DVO (EU) 2024/265 (Zink(II)-Betain-Komplex, 120 für andere Arten).
  5. Durchführungsverordnung (EU) 2018/1039Zulassung von Kupfer-Verbindungen (3b401 ff.); Gesamt-Höchstgehalt Kupfer 25 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) in der Kategorie „Sonstige Tiere“, in der Pferde nicht gesondert genannt sind. Konsolidierung 21.09.2022 (einschließlich DVO (EU) 2022/1445); Zulassungsende laut Anhang 13.08.2028. Ergänzend DVO (EU) 2025/2513 (Kupfer(II)-Betain-Komplex, ebenfalls 25 für sonstige Tierarten).
  6. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  7. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  8. Mok CH, Urschel KL (2020): Amino acid requirements in horses (Invited Review). Asian-Australasian Journal of Animal Sciences 33(5):679–695Übersicht zum Aminosäurebedarf: quantitativ etabliert ist beim Pferd im Wesentlichen nur Lysin; für Methionin/Threonin liegen keine belastbaren Bedarfszahlen vor
  9. Kienzle, Pankratz & Zeyner (2023) – Kompendium zur Rationsberechnung für PferdeAutorengemeinschaft Pferdewissen (Kienzle/Pankratz, LMU München; Zeyner, Univ. Halle-Wittenberg); Eigenverlag Oberschleißheim, ISBN 978-3-00-075668-9. Kein Link – Eigenverlag, nicht frei zugänglich.
  10. DLG Positivliste für EinzelfuttermittelPraxisstandard für Einzelfuttermittel in Deutschland
  11. Maier I, Kienzle E (2025): A Meta-Analysis on Quantitative Sodium, Potassium and Chloride Metabolism in Horses and Ponies. Animals 15(2):191Meta-Analyse zu Na-, K- und Cl-Stoffwechsel; Natrium und Chlorid sind die schweißrelevanten Elektrolyte und werden gemeinsam betrachtet. Chlorid wird nahezu vollständig absorbiert (Median 94 % bei Pferden, 98 % bei Ponys); die publizierten Natrium-Erhaltungsempfehlungen für ein 500-kg-Pferd spannen sich über 3 bis 13 g pro Tag
  12. Durchführungsverordnung (EU) 2015/861Zulassung von Kaliumiodid, wasserfreiem Calciumiodat und umhülltem Calciumiodat-Granulat (Kennnummern 3b201 bis 3b203); Gesamt-Höchstgehalt Jod für Equiden 4 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte). Der Anhang nennt unter den sonstigen Bestimmungen zusätzlich einen empfohlenen Höchstgehalt von 3 mg/kg (nicht der verbindliche Wert). Zulassungsende laut Anhang 24.06.2025; Erneuerungsverfahren siehe EFSA-Gutachten. Laut EU-Register der Futtermittelzusatzstoffe (Stand 15.10.2026) ist ein Erneuerungsantrag nach Art. 14 VO (EG) 1831/2003 gestellt; die Zulassung gilt fort.
  13. Durchführungsverordnung (EU) 2020/2117Verlängerung der Zulassung von Selenhefe aus Saccharomyces cerevisiae CNCM I-3399 (Kennnummer 3b812) für alle Tierarten; Gesamt-Höchstgehalt Selen 0,50 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) und höchstens 0,2 mg/kg Zusatz an organischem Selen. Zulassungsende laut Anhang 06.01.2031. Weitere Selenquellen mit gleichem Gesamtwert: DVO (EU) 2019/49, 2019/804 und 2024/3168.
  14. Merck Veterinary Manual: Nutritional Diseases of Horses (Eisen)Eisenmangel ist bei erwachsenen Pferden selten; Raufutter liefert praktisch immer reichlich Eisen, eine Ergänzung ist nur bei konkreter Indikation angezeigt
  15. Towards the elimination of excessive cobalt supplementation in racing horses: A pharmacological reviewKobalt als Hypoxie-Mimetikum (HIF-1α-Stabilisierung, EPO-Ausschüttung); gravierende kardiovaskuläre Nebenwirkungen bei Überdosierung
  16. FEI Equine Prohibited Substances List (EPSL)Internationale Liste verbotener und kontrollierter Substanzen im Pferdesport (Banned Substances & Controlled Medication)
  17. Verordnung (EU) 2020/354Besondere Ernährungszwecke bei Diätfuttermitteln
  18. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  19. Prof. Dr. Ingrid Vervuert – Institut für Tierernährung, Universität LeipzigForschung zu Stärkeverdauung, glykämischen/insulinämischen Reaktionen und Phytotherapeutika beim Pferd