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Mineralfutter beim Pferd: Bedarf und Auswahl prüfen

Wie du den Ergänzungsbedarf deiner Ration ermittelst, Deklarationen auf die Tagesmenge umrechnest und ein Mineralfutter mit den übrigen Futtermitteln abgleichst.

Heu, eine Futterschaufel und drei Schalen mit Mineralgranulaten vor einem unbeschrifteten Deklarationsblatt.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Ein Mineralfutter passt, wenn sein Beitrag zusammen mit Grundfutter und anderen Ergänzungen zur Versorgung des Pferdes passt. Vergleiche deshalb nicht nur Konzentrationen je Kilogramm, sondern die tatsächliche Tageszufuhr und den Bedarf der Gesamtration 1. Die Deklaration liefert dafür Zusammensetzung, analytische Bestandteile, Zusatzstoffe und Verwendungshinweise 2.

Welche Aufgabe soll dein Mineralfutter erfüllen?

Mineralfutter kann helfen, die Ration mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen zu ergänzen. Rechtlich ist es ein Ergänzungsfuttermittel mit einem Rohaschegehalt von mindestens 40 % 2. Die enthaltenen Zusatzstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn sie EU-autorisiert sind; die geltenden Höchstgehalte beziehen sich auf die Gesamtration, nicht auf das einzelne Produkt 3.

Genau daraus folgt die eigentliche Auswahlfrage. Ein Mineralfutter soll die Lücken deiner Ration schließen – welche das sind, hängt von deinem Heu, deiner Weide und dem ab, was dein Pferd sonst noch bekommt 45.

Zuerst: Was kommt schon aus anderen Quellen?

Werden bereits mineralisiertes Müsli, Leckmassen oder andere Ergänzungen gefüttert, kann eine zusätzliche Mineralmischung zu einer Doppelversorgung führen. Die Zufuhr aller Quellen zusammen entscheidet 65.

  • Mineralisiertes Kraftfutter oder Müsli
  • Leckmassen und Lecksteine
  • Weitere Ergänzungsfutter oder Kräutermischungen
  • Das Grundfutter selbst – Heu und Weide liefern bereits Mineralstoffe

Welche Beiträge gehören in die Bilanz?

Was bei einer Überversorgung dieser Stoffe konkret passiert, steht ausführlich im Artikel „Wenn Spurenelemente zu viel werden“.

  • Welche Beiträge kommen bereits aus der Grundration?
  • Wo ist der Bedarf gedeckt, wo bleibt eine rechnerische Lücke?
  • Welche Werte sind Messwerte, welche nur Tabellenannahmen?
  • Welche Zusätze laufen parallel und müssen zusammengezählt werden?

Woran du ein passendes Produkt erkennst

  • Die Konzentrationen und die tatsächlich gefütterte Tagesmenge lassen sich gemeinsam nachvollziehen.
  • Die Deklaration der Zusatzstoffe ist vollständig und lässt sich mit anderen Produkten abgleichen 2.
  • Es passt zu deinem Raufutter statt zu einem Durchschnittspferd – im Zweifel gegen eine Heuanalyse geprüft.
  • Es verspricht keine Wirkung über die Nährstoffversorgung hinaus.
  • Es wirbt nicht mit möglichst hohen Gehalten. Mehr ist bei Spurenelementen nicht besser.

Wie rechnest du Konzentrationen auf deine Tagesmenge um?

Ein frei gewähltes Beispiel, keine Produktdeklaration oder Dosierung: 2.000 mg Zink je kg Produkt bei 40 g täglich ergeben 0,04 kg × 2.000 mg/kg = 80 mg pro Tag. Bei einer anderen Futtermenge ändert sich der Beitrag. Übernimm für deine Rechnung die Einheiten exakt aus der Deklaration und addiere die übrigen Rationskomponenten 21.

  • Tagesmenge abwiegen und Gramm in Kilogramm umrechnen.
  • Den Produktgehalt mit dieser Menge multiplizieren.
  • Andere Produktbeiträge in derselben Einheit ergänzen.
  • Grundfutterwerte und Bedarf auf einer passenden Bezugsbasis vergleichen.

Wie gehst du mit fehlenden Heuwerten um?

Eine Rechnung mit Tabellenwerten bleibt eine Schätzung der Grundfutterversorgung. Für eine belastbarere Einordnung brauchst du Werte der tatsächlich gefütterten Charge. Dokumentiere bei einem Wechsel die neue Charge und prüfe, ob die bisherige Ergänzung noch passt 1.

Das kannst du mitnehmen

  • Grundfutter und bereits mineralisierte Produkte gehören gemeinsam in die Rechnung 1.
  • Produktkonzentration und Tageszufuhr sind verschiedene Angaben; die gefütterte Menge gehört dazu 2.
  • Eine pauschale zusätzliche Mineralmischung kann zu Doppelversorgung führen 65.

Häufige Fragen

Braucht jedes Pferd Mineralfutter?

Ob eine Ergänzung gebraucht wird, entscheidet die gesamte Versorgung. Heu, Weide, Kraftfutter und andere Zusätze liefern bereits Nährstoffe. Prüfe die Bilanz, statt eine zusätzliche Mischung allein nach Pferdetyp auszuwählen 1.

Wie vergleiche ich zwei Mineralfutter?

Rechne die deklarierten Konzentrationen mit der jeweils tatsächlich gefütterten Tagesmenge um. Vergleiche dann Beiträge und übrige Versorgung. Ein hoher Gehalt je Kilogramm oder ein niedriger Packungspreis allein beantwortet die Bedarfsfrage nicht 21.

Reicht ein Mineral-Leckstein?

Das ist eine eigene Vergleichsfrage: Gehalte und tatsächliche Aufnahme müssen bekannt sein. Der Artikel zu Leckstein und Mineralfutter erläutert diese Unterschiede; dieser Ratgeber führt danach durch Bedarfsprüfung und Produktauswahl 1.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (6)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  2. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  3. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  4. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  5. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  6. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)