Dieser Artikel ist fachlich noch nicht freigegeben. Die Angaben beruhen auf den unten aufgeführten Quellen.
Standard-Mineralfutter oder Lückenausgleich?
Ein Standard-Mineralfutter muss raten, was in deiner Ration fehlt. Wir rechnen stattdessen – und geben Selen und Jod erst frei, wenn ein Laborwert vorliegt.

Mineralfutter ist die meistverkaufte Kategorie im Ergänzungsfutter-Regal – und die, bei der ein Standardprodukt am wenigsten leisten kann. Ein Universalmineralfutter führen wir deshalb nicht. Das ist keine Lücke im Sortiment, sondern eine Entscheidung, für die wir uns rechtfertigen wollen.
Der Grund ist einfach: Ein Mineralfutter soll die Lücken einer Ration schließen. Wer die Ration nicht kennt, kennt die Lücken nicht – und ergänzt dann nicht nach Bedarf, sondern nach Durchschnitt. Heu schwankt aber von Charge zu Charge erheblich, und was ein Pferd über Müsli, Leckmasse oder Weide schon aufnimmt, steht auf keiner Packung 12.
Der Unterschied ist also nicht, dass wir keine Mineralstoffe ergänzen würden. Der Unterschied ist, dass jeder einzelne Stoff bei uns erst dann in die Mischung kommt, wenn die Rechnung ihn verlangt – und die kritischen erst dann, wenn eine Messung sie belegt.
Was ein ehrliches Mineralfutter voraussetzt
Die Bedarfswerte für Mengen- und Spurenelemente sind gut untersucht und tabelliert 134. Das Problem liegt nicht auf der Bedarfsseite, sondern auf der Zufuhrseite: Ohne Heuanalyse ist die zweite Hälfte der Rechnung unbekannt.
Ein Standard-Mineralfutter löst das, indem es einen typischen Durchschnitt unterstellt. Für viele Pferde liegt es damit ungefähr richtig. Für die, bei denen es daneben liegt, merkt es niemand – weder Über- noch Unterversorgung tut kurzfristig weh.
Die vier Stoffe, an denen sich das entscheidet
An vier Stoffen entscheidet sich, ob ein Ergänzungsfutter mit oder ohne Rationskenntnis auskommt. Was bei ihrer Überversorgung konkret passiert, steht ausführlich im Artikel „Wenn Spurenelemente zu viel werden“.
| Stoff | Warum er ohne Rationskenntnis heikel ist | Wie wir es lösen |
|---|---|---|
| Selen | Die engste Sicherheitsspanne im Pferdefutter: Zwischen Erhaltungsbedarf und Toxizität liegt wenig, und der gesetzliche Gesamt-Höchstgehalt von 0,5 mg/kg Alleinfutter gilt über alle Quellen zusammen 15. | Eigenes Modul, das erst nach einem belastbaren Selen-Laborwert freigeschaltet wird. Ohne Analyse kommt kein Selen ins automatisch zusammengestellte Pack. |
| Jod | Enges Fenster in beide Richtungen – zu wenig und zu viel stören die Schilddrüsenhormon-Synthese. Für Equiden gilt ein Höchstgehalt von 4 mg/kg Alleinfutter, empfohlen werden 3 mg/kg 136. | Ebenfalls ein eigenes, laborpflichtiges Modul – gleiche Logik wie bei Selen. |
| Eisen | Ein Mangel ist beim erwachsenen Pferd selten, Grundrationen liefern meist reichlich. Zusätzliches Eisen konkurriert mit Kupfer und Zink um die Aufnahme und ist kaum ausscheidbar 73. In unserer Rationsprüfung ist für Eisen kein gesetzlicher Höchstgehalt als Grenze hinterlegt, und Eisen wird nie automatisch ergänzt. | Kommt in keinem unserer Module vor. |
| Vitamin A und D3 | Fettlöslich, werden gespeichert. Eine Hochdosis bringt keinen Zusatznutzen, verschlechtert aber das Sicherheitsprofil 31. | Ebenfalls nicht enthalten. Vitamin E führen wir dagegen als eigenes Modul – sein Gehalt sinkt in konserviertem Raufutter vorhersehbar, das ist eine kalkulierbare Lücke. |
Was ein Standard-Mineralfutter blind mitliefert – und wie wir es stattdessen handhaben.
Was das für unsere Module heißt
Statt eines Universalprodukts entsteht eine Rezeptur für genau ein Pferd, in die jeder Stoff nur bei rechnerischer Lücke aufgenommen wird: Calcium, Phosphor und Magnesium, Zink und Kupfer im ausgewogenen Verhältnis, Vitamin E, Natrium und Chlorid – und Selen und Jod nur hinter dem Laborgate.
Zwei Konstruktionsprinzipien halten das sicher. Erstens kommt jedes Spurenelement in genau einem Modul vor, sodass keine Modul-Kombination die Verhältnisse verschiebt – Zink und Kupfer sind bewusst im selben Baustein, weil sie sich die Aufnahmewege teilen. Zweitens hat der Katalog gar keinen Weg, Selen oder Jod ohne Analyse auszuliefern: Fehlt der Laborwert, fällt das Modul aus der Empfehlung heraus, auch wenn die Rechnung eine Lücke zeigt.
Es bleibt genau eine Frage offen – ob dein Pferd bereits ein Mineralfutter bekommt. Die stellen wir im Rationsplan, statt sie zu ignorieren.
Wenn du dich für ein Standardprodukt entscheidest
Diese Entscheidung ist legitim – sie ist der pragmatische Weg, solange keine Heuanalyse vorliegt. Dann kommt es darauf an, das Produkt bewusst auszuwählen und die Zufuhr aus allen Quellen gegenzurechnen. Worauf dabei zu achten ist, steht im Artikel „Mineralfutter passend zur Gesamtration auswählen“.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (8)
- GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
- Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
- NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- Durchführungsverordnung (EU) 2020/2117Verlängerung der Zulassung von Selenhefe aus Saccharomyces cerevisiae CNCM I-3399 (Kennnummer 3b812) für alle Tierarten; Gesamt-Höchstgehalt Selen 0,50 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) und höchstens 0,2 mg/kg Zusatz an organischem Selen. Zulassungsende laut Anhang 06.01.2031. Weitere Selenquellen mit gleichem Gesamtwert: DVO (EU) 2019/49, 2019/804 und 2024/3168.
- Durchführungsverordnung (EU) 2015/861Zulassung von Kaliumiodid, wasserfreiem Calciumiodat und umhülltem Calciumiodat-Granulat (Kennnummern 3b201 bis 3b203); Gesamt-Höchstgehalt Jod für Equiden 4 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte). Der Anhang nennt unter den sonstigen Bestimmungen zusätzlich einen empfohlenen Höchstgehalt von 3 mg/kg (nicht der verbindliche Wert). Zulassungsende laut Anhang 24.06.2025; Erneuerungsverfahren siehe EFSA-Gutachten. Laut EU-Register der Futtermittelzusatzstoffe (Stand 15.10.2026) ist ein Erneuerungsantrag nach Art. 14 VO (EG) 1831/2003 gestellt; die Zulassung gilt fort.
- Merck Veterinary Manual: Nutritional Diseases of Horses (Eisen)Eisenmangel ist bei erwachsenen Pferden selten; Raufutter liefert praktisch immer reichlich Eisen, eine Ergänzung ist nur bei konkreter Indikation angezeigt
- Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).