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Wenn Spurenelemente zu viel werden

Nicht nur Mangel ist ein Problem: Selen, Kobalt, Jod oder Eisen im Überschuss können ernsthaft schaden. Selen zeigt exemplarisch, wie eng das Fenster ist.

Mehrere geschlossene Futterbehälter mit getrennten Probenschalen, Heu und einem Blatt zur Gesamtration.
Erklärende Illustration · Equivora

Werden Mineralfutter, Müsli und Spezialzusätze unkontrolliert kombiniert, drohen nicht Mängel, sondern Überversorgungen. Gerade Spurenelemente haben teils sehr enge Sicherheitsspannen 12.

Erhaltungsbedarf etwa 0,1NRC Toleranzgrenze 2,000,10,5122,5mg Selen je kg Trockensubstanz
Erhaltungsbedarf etwa 0,1 mg/kg TSNRC Toleranzgrenze ab 2 mg/kg TS
Selen hat die engste Sicherheitsspanne im Pferdefutter. Vier Bezugsgrößen, die nicht vermischt werden dürfen: Erhaltungsbedarf ~0,1 mg/kg TS (≈1,0–1,2 mg/Tag) 2, gesetzlicher Gesamt-Höchstgehalt 0,5 mg/kg Alleinfutter über alle Quellen 3, tolerierbare Obergrenze 2 mg/kg TS 1 und eine historische Schätzung der minimalen letalen oralen Einzeldosis von etwa 3,3 mg elementarem Selen je kg Körpermasse als Natriumselenit 4.

Selen: das enge Fenster

Selen besitzt eine extrem enge therapeutische Breite. Bei chronischem Überschuss ersetzt Selen aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Schwefel dessen Rolle im Keratin – das destabilisiert verhorntes Gewebe („Alkali-Krankheit“ mit Hufkapsel- und Fellschäden) 2.

Weitere kritische Überschüsse

ElementFolge bei Überversorgung
JodKann die Schilddrüsenhormon-Synthese blockieren (Kropfbildung) 2
EisenKaum ausscheidbar – lagert sich chronisch in der Leber ein 1
Calcium/PhosphorGestörtes Verhältnis belastet Knochenstoffwechsel, fördert Harn-/Darmsteine 2
KobaltAls Hypoxie-Mimetikum missbräuchlich; hohe Dosen kardiovaskulär toxisch 5

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (7)
  1. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  2. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  3. Durchführungsverordnung (EU) 2020/2117Verlängerung der Zulassung von Selenhefe aus Saccharomyces cerevisiae CNCM I-3399 (Kennnummer 3b812) für alle Tierarten; Gesamt-Höchstgehalt Selen 0,50 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) und höchstens 0,2 mg/kg Zusatz an organischem Selen. Zulassungsende laut Anhang 06.01.2031. Weitere Selenquellen mit gleichem Gesamtwert: DVO (EU) 2019/49, 2019/804 und 2024/3168.
  4. Miller WT, Williams KT (1940): Minimum lethal dose of selenium, as sodium selenite, for horses, mules, cattle, and swine. Journal of Agricultural Research 60(3):163–173Primärstudie zur akuten oralen Natriumselenit-Toxizität: Bei fünf Pferden und drei Maultieren schätzten die Autoren die minimale letale Einzeldosis auf etwa 1,5 mg elementares Selen je lb Körpergewicht, entsprechend rund 3,3 mg elementarem Selen je kg Körpergewicht. Historische kleine Stichprobe; keine LD50 und nicht auf andere Selenverbindungen oder Applikationswege übertragbar.
  5. Towards the elimination of excessive cobalt supplementation in racing horses: A pharmacological reviewKobalt als Hypoxie-Mimetikum (HIF-1α-Stabilisierung, EPO-Ausschüttung); gravierende kardiovaskuläre Nebenwirkungen bei Überdosierung
  6. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  7. Merck Veterinary Manual: Selenium Toxicosis in AnimalsTierärztliches Standardnachschlagewerk (Toxikologie): chronische Selenose/Alkali-Krankheit mit Haarausfall und -bruch an Mähne, Schweif und Nacken sowie Kronsaumschwellung, Ablösung der Hufwand und quer verlaufenden Hufrissen; Hinweis, dass die historisch dem Selen zugeschriebene neurologische Erkrankung „blind staggers“ eher eine Polioenzephalomalazie bei hoher Schwefelaufnahme ist. Die pferdespezifische akute Einzeldosis ist über die Primärstudie Miller und Williams (1940) belegt.