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Zink und Kupfer beim Pferd: Bedarf, Heu und Verhältnis
Zwei Spurenelemente, die im Grundfutter oft knapp sind – Kupfer fast immer. Was GfE und NRC an Bedarf nennen, wie viel Heu realistisch liefert, warum das Verhältnis der beiden weniger geheimnisvoll ist als sein Ruf und was du bei Huf und Fell erwarten darfst.

Zink und Kupfer gehören zu den Spurenelementen, die eine Ration am ehesten nicht von allein deckt. Zink ist Baustein der Keratinbildung in Haut und Hufhorn und an zahlreichen Enzymen beteiligt; ein echter Mangel zeigt sich beim Fohlen als verminderte Zunahme, schuppige Hautveränderungen an den unteren Gliedmaßen und Haarausfall 1.
Kupfer ist Bestandteil von Enzymen des Bindegewebs-, Eisen- und Pigmentstoffwechsels. Die dokumentierten Mangelbilder betreffen vor allem Fohlen, bei denen Kupfermangel mit Knorpel- und Skelettbefunden in Verbindung gebracht wird 1. Das sind genau die Gruppen, für die wir keine automatische Empfehlung geben – Fohlen, Jungpferde in der Aufzucht und tragende oder laktierende Stuten gehören in die tierärztliche und züchterische Beratung.
Wie viel braucht das Pferd?
Hier lohnt der Blick auf beide Referenzwerke, weil sie unterschiedlich rechnen. Die GfE bezieht den Bedarf auf das metabolische Körpergewicht und nennt für die Erhaltung 4 mg Zink und 1 mg Kupfer je kg KM^0,75 und Tag 2. Für ein 500-kg-Pferd sind das rund 423 mg Zink und 106 mg Kupfer täglich. Die Gruber Tabelle nach GfE bestätigt das: für ein 600-kg-Warmblut 505 mg Zink und 120 mg Kupfer 3.
Das NRC rechnet linear pro Kilogramm Körpergewicht und formuliert den Bedarf vor allem als Konzentration in der Ration: 40 mg Zink und 10 mg Kupfer je kg Trockensubstanz 4. Für dasselbe 500-kg-Pferd ergibt das 400 mg Zink und 100 mg Kupfer – praktisch dieselbe Zahl.
Auseinander laufen die beiden erst an den Rändern. Für ein 200-kg-Pony kommt die GfE auf rund 213 mg Zink, das NRC auf 160 mg – ein Drittel Unterschied. Wir nennen deshalb beide Werte, statt einen auszuwählen.
Was das Grundfutter liefert
Deutsches Wiesenheu enthält der Größenordnung nach rund 20–35 mg Zink und 4–6 mg Kupfer je kg Trockensubstanz, mit erheblicher Streuung nach Standort, Boden, Vegetationsstadium und Witterung 5.
Rechnet man das für ein 500-kg-Pferd mit 10 kg Heu-Trockensubstanz durch, ergibt sich ein aufschlussreiches Bild: Bei mittlerem Heu sind rund zwei Drittel des Zinkbedarfs und knapp die Hälfte des Kupferbedarfs gedeckt. Bei schwachem Heu sind es gut ein Drittel bzw. gut ein Viertel, bei sehr gutem Heu kann Zink rechnerisch überschritten sein – Kupfer erreicht auch dann selten die Bedarfsmarke.
Das Zink-Kupfer-Verhältnis – entzaubert
In der Ration wird ein Zink-Kupfer-Verhältnis von etwa 3:1 bis 4:1 empfohlen; ein deutlicher Zinküberschuss kann die Kupferaufnahme beeinträchtigen 1.
Woher dieser Zielwert kommt, ist weniger geheimnisvoll, als es oft klingt: Er ist schlicht das Verhältnis der beiden Bedarfszahlen zueinander – 4 mg Zink zu 1 mg Kupfer bei der GfE, 400 zu 100 mg beim NRC. Wer beide Bedarfe deckt, landet automatisch dort. Als eigenständig hergeleiteter physiologischer Optimalwert ist die Relation beim Pferd nicht belegt.
Dass ein Zinküberschuss die Kupferaufnahme stört, ist dagegen real – aber auf einem Niveau, das mit Fütterung nichts zu tun hat. Der klassische Beleg stammt aus der Umgebung einer Zinkhütte, wo Pferde generalisierte Osteochondrose und Nephrokalzinose entwickelten 6. Die dabei genannten Futtergehalte liegen um ein Vielfaches über allem, was eine Ergänzung erreicht.
Wie viel ist zu viel?
Hier ist nicht die Toxikologie das Nadelöhr, sondern das Futtermittelrecht. Die gesetzlichen Höchstgehalte gelten für die Gesamtration über alle Quellen: 120 mg Zink 8 und 25 mg Kupfer je kg Alleinfutter 9. Was im Heu schon steckt, zählt mit.
Zum Vergleich: Die wissenschaftlich abgeleitete Toleranzschwelle liegt bei 500 mg Zink und 250 mg Kupfer je kg Trockensubstanz 4. Zwischen Bedarf und biologischer Toleranz liegt also ungefähr ein Faktor 12 bis 24 – zwischen Bedarf und rechtlicher Obergrenze nur etwa Faktor 2,4 bis 2,8.
Der typische Überversorgungsfall ist deshalb auch kein zu hoch dosiertes Produkt, sondern die Summe: mineralisiertes Müsli plus Mineralfutter plus Spezialpräparat. Erst die Ration entrümpeln, dann ergänzen.
Huf, Fell und Haut – was du erwarten darfst
Hufhorn wächst langsam. Wenn dir jemand nach vier Wochen einen besseren Huf verspricht, rechnet er nicht mit Biologie: Die Referenzstudien an der Spanischen Hofreitschule liefen 19 Monate 1011.
Der am besten belegte Einzelbaustein für das Hufhorn ist dabei nicht Zink, sondern Biotin. Klinische Pionierarbeiten empfahlen 10–30 mg täglich über mindestens 6–9 Monate 12. Und nicht jeder Defekt spricht darauf an: Oberflächliche Defekte reagieren, tiefere Störungen der inneren Keratinschichten brauchen zusätzlich bioverfügbares Calcium 13.
Für Zink selbst ist die Evidenz am Huf dünn. Die einzige kontrollierte Untersuchung umfasst sieben Pferde und zeigt nach sechs Monaten Zink-Methionin ein dichteres Hornmaterial, aber keine klinischen Endpunkte 14. Der ehrliche Satz lautet: Eine Unterversorgung auszugleichen ist sinnvoll; eine bereits gute Versorgung weiter aufzustocken bringt nach heutigem Stand nichts.
Warum Blut- und Fellwerte hier wenig helfen
Die Haaranalyse trägt für Spurenelemente nicht: In 62 gepaarten Haar- und Leberproben bestand für Zink keine signifikante Korrelation, für Kupfer nur eine zu schwache, um klinisch nützlich zu sein 15. Auch im Blut ist es schwierig – Plasmazink war kein Indikator für den Zinkgehalt der Leber, und zwischen Plasma- und Leberkupfer besteht kein einfacher Zusammenhang 16.
Was du dagegen zuverlässig bestimmen kannst, ist die Zufuhr – und genau die steuerst du auch. Dafür braucht es eine Futteranalyse, keine Blutprobe.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (17)
- Merck Veterinary Manual: Nutritional Diseases of Horses (Eisen)Eisenmangel ist bei erwachsenen Pferden selten; Raufutter liefert praktisch immer reichlich Eisen, eine Ergänzung ist nur bei konkreter Indikation angezeigt
- GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
- LUFA Nord-West, Institut für Futtermittel (2025): Statistik Heu 2025Laborstatistik deutscher Heuproben: Kupfer im Mittel rund 4,5–5,3 mg/kg TS, Zink im Mittel rund 24–33 mg/kg TS, mit erheblicher Streuung je Auswertungsperiode. Analysenstatistik, keine peer-reviewte Studie – Mittelwert und Spanne gelten nur für den jeweils angegebenen Auswertungszeitraum
- Gunson DE, Kowalczyk DF, Shoop CR, Ramberg CF (1982): Environmental zinc and cadmium pollution associated with generalized osteochondrosis, osteoporosis, and nephrocalcinosis in horses. Journal of the American Veterinary Medical Association 180(3):295–299Feldbeleg für Zinkintoxikation: Pferde im Umfeld einer Zinkhütte mit generalisierter Osteochondrose und Nephrokalzinose, stark erhöhte Zink- und Cadmiumgehalte in Leber, Niere und Pankreas. Expositionsniveau weit oberhalb jeder Fütterungspraxis
- Neustädter LT, Kamphues J, Ratert C (2018): Influences of different dietary contents of macrominerals on the availability of trace elements in horses. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 102(2):e633–e640Bilanzversuch an drei adulten Ponys in Erhaltung: unterschiedliche Mengenelementgehalte veränderten scheinbare Verdaulichkeit, Retention und Serumspiegel von Kupfer, Zink und Selen nicht signifikant. Kleine Tierzahl – als einzelner Beleg schwach
- Durchführungsverordnung (EU) 2016/1095Zulassung von Zinkacetat, Zinkchlorid, Zinkoxid, Zinksulfat und Zink-Chelaten (3b601 ff.); Gesamt-Höchstgehalt Zink 120 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) für „Andere Arten und Kategorien“, in denen Pferde nicht gesondert genannt sind. Konsolidierung 25.09.2022 (einschließlich DVO (EU) 2022/1458); Zulassungsende laut Anhang 27.07.2026; Erneuerungsverfahren laufen bei der EFSA. Laut EU-Register der Futtermittelzusatzstoffe (Stand 15.10.2026) ist ein Erneuerungsantrag nach Art. 14 VO (EG) 1831/2003 gestellt (geprüft für Zinkacetat-Dihydrat, 3b601); die Zulassung gilt fort. Ergänzend DVO (EU) 2024/265 (Zink(II)-Betain-Komplex, 120 für andere Arten).
- Durchführungsverordnung (EU) 2018/1039Zulassung von Kupfer-Verbindungen (3b401 ff.); Gesamt-Höchstgehalt Kupfer 25 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) in der Kategorie „Sonstige Tiere“, in der Pferde nicht gesondert genannt sind. Konsolidierung 21.09.2022 (einschließlich DVO (EU) 2022/1445); Zulassungsende laut Anhang 13.08.2028. Ergänzend DVO (EU) 2025/2513 (Kupfer(II)-Betain-Komplex, ebenfalls 25 für sonstige Tierarten).
- Josseck H, Zenker W, Geyer H (1995): Hoof horn abnormalities in Lipizzaner horses and the effect of dietary biotin on macroscopic aspects of hoof horn quality. Equine Veterinary Journal 27(3):175–182Kontrollierte Doppelblindstudie über 19 Monate an Lipizzanern der Spanischen Hofreitschule; Schwesterarbeit zu Zenker et al. (1995), bewertet die makroskopische Hufhornqualität
- Zenker W, Josseck H, Geyer H (1995): Histological and physical assessment of poor hoof horn quality in Lipizzaner horses and a therapeutic trial with biotin and a placebo. Equine Veterinary Journal 27(3):183–191Doppelblinde, placebokontrollierte Langzeitstudie (19 Monate) an 42 Lipizzaner-Hengsten der Spanischen Hofreitschule
- Comben N, Clark RJ, Sutherland DJB (1984): Clinical observations on the response of equine hoof defects to dietary supplementation with biotin. Veterinary Record 115:642–645Klinische Pionierstudie an 40 Pferden zur Biotin-Supplementierung des Hufhorns
- Kempson SA (1987): Scanning electron microscope observations of hoof horn from horses with brittle feet. Veterinary Record 120:568–570 (Royal Dick Vet School)Differenzierung: oberflächliche Defekte sprechen auf Biotin an, innere Keratinschichten benötigen zusätzlich bioverfügbares Calcium
- Neri Basurto R, et al. (2008): Effect of zinc methionine on the equine hoof – an evaluation by environmental scanning electron microscopy. Veterinaria México 39(3):247–2537 Pferde, 5,4 g Zink-Methionin täglich über 6 Monate: dichteres Röhrchen- und Zwischenröhrchenhorn, mehr Zink und Schwefel im Horn. Sehr kleine Tierzahl, keine klinischen Endpunkte – schwache Evidenz
- van der Merwe D, van den Wollenberg L, van Hees-Valkenborg J, de Haan T, van der Drift S, Vandendriessche V (2022): Evaluation of hair analysis for determination of trace mineral status and exposure to toxic heavy metals in horses in the Netherlands. Journal of Veterinary Diagnostic Investigation 34(6):1000–100562 gepaarte Haar- und Leberproben: keine signifikante Korrelation für Zink (r = −0,048; p = 0,71), für Kupfer nur schwach (r = 0,265; p = 0,037). Die Autoren sehen die Haaranalyse zur Bestimmung des Mineralstatus beim Pferd im Feld nicht gestützt
- Cymbaluk NF, Christensen DA (1986): Copper, Zinc and Manganese Concentrations in Equine Liver, Kidney and Plasma. Canadian Veterinary Journal 27(5):206–210Plasmazink war kein Indikator für den Lebergehalt; zwischen Plasma- und Leberkupfer besteht kein einfacher mathematischer Zusammenhang (125 Lebern, 81 Nieren)
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).