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Biotin beim Pferd: Was die Hufstudien wirklich zeigen

Was Studien zu Biotin und Hufhorn tatsächlich gemessen haben, warum ein Effekt frühestens nach Monaten sichtbar wird und weshalb Eiweiß, Spurenelemente und Hufbearbeitung mit in die Rechnung gehören.

Ein gesunder, unbeschlagener Pferdehuf auf festem Boden, daneben ein Hufkratzer, eine kleine Schale mit Futterkörnchen, Wiesengras und am Rand ein Heubündel.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Biotin ist ein B-Vitamin, das als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten zugelassen ist 1. In einer placebokontrollierten Studie war das Hufhorn unter 20 mg täglich nach neun Monaten besser beurteilt 2; eine weitere Studie fand über zehn Monate mehr Wachstum und Härte, mit 15 mg stärker als mit 7,5 mg 3. Die Hufwand braucht rund elf Monate, um einmal nachzuwachsen 2. Ein schneller oder sicherer Effekt bei jedem Pferd ist damit nicht belegt.

Was ist Biotin und warum wird es fürs Hufhorn gefüttert?

Biotin gehört zu den B-Vitaminen 4. Futtermittelrechtlich ist es ein ernährungsphysiologischer Zusatzstoff aus der Gruppe der Vitamine; die Zulassung für alle Tierarten wurde 2025 erneuert 1. Die EFSA bewertet es unter den zugelassenen Verwendungsbedingungen als sicher 5.

Für das Hufhorn nennt die tierärztliche Referenz schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin und Biotin als unverzichtbar für ein gesundes Hornwachstum. Nach derselben Referenz ist dokumentiert, dass 15–25 mg Biotin täglich die Hufqualität bei Pferden mit weichen Hufwänden verbesserten, vor allem nach größeren Rationswechseln oder schweren Verdauungsstörungen 6.

Was zeigen die Studien zu Biotin und Hufhorn?

Die meistzitierten Arbeiten sind klein und stammen überwiegend aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Sie messen unterschiedliche Dinge: Hornqualität nach Augenschein, Gewebestruktur, Härte oder Wachstum. Die Übersicht zeigt, was jeweils untersucht wurde.

  • Die feingewebliche Untersuchung derselben Lipizzaner zeigte nach 19 Monaten eine kleine, aber signifikante Verbesserung der Hornstruktur 7.
  • Nicht jeder Defekt sprach an: Unter dem Rasterelektronenmikroskop besserte sich ein oberflächlicher Defekt unter Biotin, ein zweiter erst nach zusätzlichem Futterkalk 8.
StudienartTiereMenge und DauerErgebnisGrenze
Fallserieüber 40 Fälle mit schwachem Horn10–30 mg/Tag, mind. 6–9 Monate empfohlenUnterschiedlich starke Verbesserung in allen Fällen beschrieben 4Fallbeobachtungen ohne Kontrollgruppe
Reitpferde, zwei Dosen24 Reitpferde7,5 oder 15 mg/Tag, 10 MonateMehr Wachstum und Härte, mit 15 mg stärker 3Kleine Gruppe, keine klinischen Hufbefunde
Langzeitbeobachtung97 Pferde mit brüchigem Horn, 11 Kontrollen5 mg je 100–150 kg, 1–6 JahreBesserung nach 8–15 Monaten 9Kleine, ungleiche Kontrollgruppe
Doppelblindstudie42 Lipizzanerhengste20 mg/Tag, doppelblindNach 9 Monaten besser als Placebo 2Eine Rasse, ein Standort
Ponys, Paarvergleich8 Ponys0,12 mg je kg, 5 MonateRund 15 % mehr Hornwachstum 10Sehr kleine Tierzahl

Ausgewählte Biotinstudien am Pferd. Dosis und Dauer beschreiben die Studien, keine Empfehlung.

Wie lange dauert es, bis Biotin am Huf sichtbar wird?

Hufhorn wächst langsam. In der Lipizzanerstudie wuchs die Hufwand rund 7 mm in 28 Tagen; eine vollständig neue Hufwand brauchte damit etwa elf Monate 2. Eine Verbesserung war nach neun Monaten statistisch nachweisbar und nahm in den folgenden Monaten weiter zu 2.

In der Langzeitbeobachtung besserte sich das Horn nach 8–15 Monaten. Wurde Biotin danach reduziert oder abgesetzt, verschlechterte sich der Zustand bei 7 von 10 Pferden wieder 9. Wer nach vier Wochen Biotin einen neuen Huf erwartet, rechnet nicht mit dem Hornwachstum.

Macht Biotin das Horn schneller wachsen?

Die Befunde widersprechen sich. In zwei Studien wuchs das Horn unter Biotin schneller 310. In der Lipizzanerstudie und in der Langzeitbeobachtung war die Wachstumsrate mit und ohne Biotin gleich; verbessert hatte sich dort die Qualität des Horns 29.

Ehrlich zusammengefasst: Bei Pferden mit schlechter Hornqualität gibt es wiederholt Hinweise auf eine Besserung über viele Monate. Die Studien sind jedoch klein und teils ohne Kontrollgruppe 49. Ob Pferde mit unauffälligem Horn einen praktischen Nutzen haben, zeigen sie nicht: Die Studien an nicht nach Hufbefund ausgewählten Tieren maßen Wachstum und Härte, keine Hufprobleme 310.

Welche Rolle spielen Eiweiß, Zink und die übrige Ration?

Biotin ist nur ein Baustein. Eine Übersichtsarbeit nennt schlechtes Haar- und Hufwachstum als mögliche Folge einer zu niedrigen Proteinaufnahme 11. Prüfe deshalb zuerst, ob die Ration genug verwertbares Eiweiß liefert, bevor du auf ein Einzelvitamin setzt.

Für Zink am Huf ist die Evidenz dünn: Eine Untersuchung mit sieben Pferden fand dichteres Hornmaterial, aber keine klinischen Endpunkte 12. Und Hufprobleme können auch aus einem Zuviel entstehen. Eine chronische Selenvergiftung zeigt sich unter anderem mit Ablösung der Hufwand und quer verlaufenden Hufrissen 13. Prüfe deshalb, was mehrere parallel gefütterte Produkte zusammen liefern.

Wie liest du die Biotinmenge auf einem Produkt?

Die Zusatzstoffe eines Ergänzungsfutters und ihre Mengen findest du in der Deklaration 14. Ein frei gewähltes Beispiel, keine Produktdeklaration oder Dosierung: 1.000 mg Biotin je kg Produkt bei 20 g täglich ergeben 0,02 kg × 1.000 mg/kg = 20 mg Biotin pro Tag.

Enthält das Produkt zusätzlich Zink, Kupfer, Selen oder Aminosäuren, gehören diese Beiträge in die Gesamtration. Die Höchstgehalte für Spurenelemente beziehen sich auf die gesamte Ration, nicht auf das einzelne Produkt 15.

  • Biotingehalt und Tagesmenge aus der Deklaration notieren.
  • Weitere Zusatzstoffe des Produkts erfassen.
  • Mit Mineralfutter und anderen Ergänzungen zusammenrechnen.
  • Startdatum notieren und den Huf erst nach Monaten vergleichen, am besten mit Fotos.

Wann gehört ein Hufproblem zu Hufbearbeiter und Tierarzt?

Brüchiges Horn, Risse oder ausbrechende Tragränder lassen sich nicht allein über das Futter beurteilen. Besprich Veränderungen mit deiner Hufbearbeiterin oder deinem Hufbearbeiter, bevor du ein Produkt kaufst, und dokumentiere den Zustand mit Fotos.

Das kannst du mitnehmen

  • Die Studien sind klein und alt; ein Teil untersuchte gezielt Pferde mit auffällig schlechtem Horn 29.
  • Ergebnisse zeigten sich nach Monaten, nicht nach Wochen; nach dem Absetzen verschlechterte sich das Horn bei vielen Pferden wieder 9.
  • Eiweiß, Spurenelemente und Überversorgung gehören mit auf den Prüfstand 1113.

Häufige Fragen

Wie viel Biotin braucht ein Pferd am Tag?

Ein fester Tagesbedarf ist in den hier geprüften Quellen nicht angegeben. Untersucht wurden meist 15–20 mg täglich bei erwachsenen Pferden 23; die tierärztliche Referenz nennt 15–25 mg für Pferde mit weichen Hufwänden 6. Das sind Studienmengen, keine Dosierempfehlung für dein Pferd.

Wie lange muss man Biotin füttern, bis man etwas sieht?

In den Studien zeigten sich Unterschiede nach etwa 8–15 Monaten 29. Das passt zum Hornwachstum: rund 7 mm in 28 Tagen, rund elf Monate für eine neue Hufwand 2. Nach Reduktion oder Absetzen verschlechterte sich das Horn bei 7 von 10 Pferden wieder 9.

Kann man Biotin beim Pferd überdosieren?

Die EFSA bewertet Biotin unter den zugelassenen Verwendungsbedingungen als sicher für alle Tierarten 5. Ein Nutzen höherer Mengen ist damit nicht belegt. Enthält ein Produkt zusätzlich Spurenelemente, zählen diese zur Gesamtration 15.

Was ist zu Biotin bei Fell und Haut bekannt?

Die hier geprüften Pferdestudien haben Hufhorn untersucht, nicht Fell oder Haut 23. Für Fellglanz oder Hautprobleme liefern sie keinen Beleg. Hautveränderungen und Haarausfall gehören tierärztlich abgeklärt.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (15)
  1. Durchführungsverordnung (EU) 2025/1424 der Kommission vom 17. Juli 2025Erneuerung der Zulassung von Biotin und zwei Biotin-Zubereitungen als Futtermittelzusatzstoffe für alle Tierarten (Kennnummer 3a880, ernährungsphysiologischer Zusatzstoff, Funktionsgruppe Vitamine); hebt die Durchführungsverordnung (EU) 2015/723 auf.
  2. Josseck H, Zenker W, Geyer H (1995): Hoof horn abnormalities in Lipizzaner horses and the effect of dietary biotin on macroscopic aspects of hoof horn quality. Equine Veterinary Journal 27(3):175–182Kontrollierte Doppelblindstudie über 19 Monate an Lipizzanern der Spanischen Hofreitschule; Schwesterarbeit zu Zenker et al. (1995), bewertet die makroskopische Hufhornqualität
  3. Buffa EA, Van Den Berg SS, Verstraete FJ, Swart NG (1992): Effect of dietary biotin supplement on equine hoof horn growth rate and hardness. Equine Veterinary Journal 24(6):472–47424 zufällig ausgewählte Reitpferde, 10 Monate, unterschiedliche Biotinmengen: signifikant höhere Hornwachstumsrate und Härte unter Biotin, mit 15 mg täglich stärker als mit 7,5 mg. Kleine Studie, Endpunkte Wachstum und Härte, keine klinischen Hufbefunde (PMID 1459062).
  4. Comben N, Clark RJ, Sutherland DJB (1984): Clinical observations on the response of equine hoof defects to dietary supplementation with biotin. Veterinary Record 115:642–645Klinische Pionierstudie an 40 Pferden zur Biotin-Supplementierung des Hufhorns
  5. EFSA FEEDAP Panel (2025): Assessment of the feed additive consisting of biotin for all animal species for the renewal of its authorisation. EFSA Journal 23(2):e9250Wissenschaftliche Stellungnahme zur Zulassungserneuerung: Biotin bleibt unter den zugelassenen Verwendungsbedingungen sicher für alle Tierarten, Verbraucher und Umwelt; eine erneute Wirksamkeitsbewertung war für die Erneuerung nicht erforderlich.
  6. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
  7. Zenker W, Josseck H, Geyer H (1995): Histological and physical assessment of poor hoof horn quality in Lipizzaner horses and a therapeutic trial with biotin and a placebo. Equine Veterinary Journal 27(3):183–191Doppelblinde, placebokontrollierte Langzeitstudie (19 Monate) an 42 Lipizzaner-Hengsten der Spanischen Hofreitschule
  8. Kempson SA (1987): Scanning electron microscope observations of hoof horn from horses with brittle feet. Veterinary Record 120:568–570 (Royal Dick Vet School)Differenzierung: oberflächliche Defekte sprechen auf Biotin an, innere Keratinschichten benötigen zusätzlich bioverfügbares Calcium
  9. Geyer H, Schulze J (1994): The long-term influence of biotin supplementation on hoof horn quality in horses. Schweizer Archiv für Tierheilkunde 136(4):137–149Langzeitbeobachtung über 1–6 Jahre: 97 Pferde mit brüchigem Hufhorn erhielten 5 mg Biotin je 100–150 kg Körpergewicht, 11 Pferde ohne Biotin als Kontrolle. Besserung der Hornqualität nach 8–15 Monaten, gleiche Wachstumsrate des Kronhorns in beiden Gruppen, Verschlechterung bei 7 von 10 Pferden nach Reduktion oder Absetzen (PMID 8202678).
  10. Reilly JD, Cottrell DF, Martin RJ, Cuddeford DJ (1998): Effect of supplementary dietary biotin on hoof growth and hoof growth rate in ponies: a controlled trial. Equine Veterinary Journal Supplement 26:51–57Kontrollierter Fütterungsversuch mit 8 paarweise zugeordneten Ponys, 0,12 mg Biotin je kg Körpergewicht: nach 5 Monaten rund 15 % mehr Hornwachstum und höhere Wachstumsrate als in der Kontrollgruppe. Sehr kleine Tierzahl (PMID 9932094).
  11. Mok CH, Urschel KL (2020): Amino acid requirements in horses (Invited Review). Asian-Australasian Journal of Animal Sciences 33(5):679–695Übersicht zum Aminosäurebedarf: quantitativ etabliert ist beim Pferd im Wesentlichen nur Lysin; für Methionin/Threonin liegen keine belastbaren Bedarfszahlen vor
  12. Neri Basurto R, et al. (2008): Effect of zinc methionine on the equine hoof – an evaluation by environmental scanning electron microscopy. Veterinaria México 39(3):247–2537 Pferde, 5,4 g Zink-Methionin täglich über 6 Monate: dichteres Röhrchen- und Zwischenröhrchenhorn, mehr Zink und Schwefel im Horn. Sehr kleine Tierzahl, keine klinischen Endpunkte – schwache Evidenz
  13. Merck Veterinary Manual: Selenium Toxicosis in AnimalsTierärztliches Standardnachschlagewerk (Toxikologie): chronische Selenose/Alkali-Krankheit mit Haarausfall und -bruch an Mähne, Schweif und Nacken sowie Kronsaumschwellung, Ablösung der Hufwand und quer verlaufenden Hufrissen; Hinweis, dass die historisch dem Selen zugeschriebene neurologische Erkrankung „blind staggers“ eher eine Polioenzephalomalazie bei hoher Schwefelaufnahme ist. Die pferdespezifische akute Einzeldosis ist über die Primärstudie Miller und Williams (1940) belegt.
  14. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  15. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).