Raufutter & Heuanalyse6 Min. Lesezeit
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Raufutter – die Basis

Pferde sind auf kontinuierliche Faseraufnahme ausgelegt. Kauen erzeugt Speichel – den wichtigsten Magenpuffer. Gutes Heu ist oft wichtiger als jedes Zusatzprodukt.

Ein Pferd frisst Wiesenheu aus einer Holzraufe; im Vordergrund liegen ein Heuballen und Grashalme.
Erklärende Illustration · Equivora

Pferde sind Dauerfresser: Ihr Verdauungssystem ist auf die nahezu kontinuierliche Aufnahme faserreichen Futters ausgelegt. Raufutter wie Heu, Gras oder Heulage bildet die Basis der Ration 1.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern die Kautätigkeit: Speichel enthält Bikarbonat und ist der wichtigste körpereigene Magenpuffer. Er wird nur beim Kauen gebildet – und Heu erfordert deutlich mehr Kauschläge als Kraftfutter 12.

Heu2.644 Kauschläge · 33 Min.
Ergänzungsfutter: Müsli (10 % Rohfaser)1.136 Kauschläge · 12 Min.
Ergänzungsfutter: Strukturmüsli (12 % Rohfaser)1.155 Kauschläge · 12 Min.
Ergänzungsfutter: Müsli (14,5 % Rohfaser)1.472 Kauschläge · 16 Min.
Ergänzungsfutter: Pellet (18 % Rohfaser)1.399 Kauschläge · 14 Min.

Kauschläge und Kauzeit je kg Futter. Die Werte stammen aus einer Studie mit acht Haflingern.

In einer Studie mit acht Haflingern: Für 1 kg Heu wurden im Mittel 2.644 Kauschläge und 33 Minuten Fresszeit gemessen. Die vier getesteten Ergänzungsfutter lagen bei 1.136–1.472 Kauschlägen und 11,6–15,8 Minuten je kg Futter 2.

Warum lange Fresspausen problematisch sind

Sinkt der Raufutteranteil unter die empfohlene Mindestmenge, fehlt strukturierte Rohfaser. Die Speichelsekretion bricht ein, die kontinuierlich gebildete Magensäure wird schlechter neutralisiert – das fördert Magenulzera und Verhaltensstereotypien 1.

  • Gutes Heu ist oft wichtiger als jedes Ergänzungsprodukt.
  • Raufuttermenge und -qualität beeinflussen Gewicht, Verdauung und Mineralversorgung.
  • Bei Übergewicht reicht „weniger füttern“ nicht: Fresszeiten, Energiegehalt und Weidezugang gemeinsam betrachten.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (4)
  1. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  2. Agroscope (2017): Was leisten Ergänzungsfuttermittel für die Kautätigkeit von Pferden? Agrarforschung SchweizVergleich der Kauschläge und Kauzeit von Heu gegenüber Ergänzungs- und Kraftfutter
  3. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  4. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)