Raufutter & Heuanalyse4 Min. Lesezeit
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Zucker und Fruktan im Heu

Warum der Zuckergehalt für leichtfuttrige und stoffwechselempfindliche Pferde zählt – und was Wässern und Bedampfen bewirken.

Ein Heuballen mit Grashalmen, eine abgepackte Heuprobe und ein unbeschriftetes Laborblatt.
Erklärende Illustration · Equivora

Der Zuckergehalt von Heu schwankt stark – je nach Gräsern, Schnittzeitpunkt, Wetter und Standort. Für viele Pferde ist das unkritisch. Für leichtfuttrige, übergewichtige oder stoffwechselempfindliche Pferde ist ein niedriger Zucker- und Stärkegehalt dagegen ein wichtiges Fütterungsziel 1.

  • Wasserlösliche Kohlenhydrate (WSC) umfassen Zucker und Fruktane.
  • Fruktane sind pflanzeneigene Speicherkohlenhydrate der Gräser.
  • Der Gehalt ist in der Analyse ablesbar und lässt sich nicht am Aussehen erkennen 2.

Wässern und Bedampfen

Wässern (Einweichen) senkt wasserlösliche Kohlenhydrate im Mittel um rund 27 % (Studien-Bandbreite 6–54 %, je nach Dauer und Wassertemperatur, bei bis zu 16 Stunden Wässerzeit) 3. Gleichzeitig werden Mineralstoffe ausgewaschen: Kalium und Phosphor am stärksten, Magnesium etwas weniger – und deutlich mehr bei langer (mehrstündiger) als bei kurzer Wässerung (bis ca. 1 Stunde) 4.

Bedampfen wirkt dagegen laut Studienlage im Wesentlichen hygienisch: weniger Staub, Keime und Pilzsporen, aber ohne nennenswerte Veränderung von Zucker- oder Mineralstoffgehalten 5.

Nutzbares Protein bleibt bei beiden Verfahren nach der bisherigen Studienlage weitgehend unverändert – ein pauschaler Proteinverlust durchs Wässern oder Bedampfen ist unabhängig belegt nicht nachweisbar 3. Wer regelmäßig wässert, sollte trotzdem vor allem die Kalium-, Phosphor- und Magnesiumversorgung im Blick behalten, nicht das Protein.

In der Rationsanalyse fragen wir deshalb ab, ob und wie lange gewässert wird, und rechnen die Mineralstoff-Korrektur automatisch in die Bedarfsdeckung ein.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (7)
  1. Prof. Dr. Ingrid Vervuert – Institut für Tierernährung, Universität LeipzigForschung zu Stärkeverdauung, glykämischen/insulinämischen Reaktionen und Phytotherapeutika beim Pferd
  2. Weender Futtermittelanalyse (Weender Analysensystem)Standardverfahren zur Bestimmung von Rohnährstoffen (Rohprotein, Rohfaser, Rohfett, Rohasche) als Basis von Futter- und Heuanalysen
  3. Longland AC, Ince J, Harris PA (2011): Effects of soaking on the water-soluble carbohydrate and crude protein content of hay. Veterinary Record 168(23):618Wässern (bis 16 Std., ~8 °C) senkt wasserlösliche Kohlenhydrate im Mittel um 27 % (Bandbreite 6–54 %, Fruktan ~24 %), Rohprotein bleibt statistisch unverändert
  4. Martinson K, Jung H, Hathaway M, Sheaffer C (2012): The effect of soaking on protein and mineral loss in Orchardgrass and Alfalfa hay. Journal of Equine Veterinary Science 32(12):776–782Wässern (15–60 Min. bzw. 12 Std.) reduziert Kalium (bis 80 %), Phosphor (bis 65 %) und Magnesium (bis 45 %) je nach Dauer/Temperatur; Rohprotein-Effekt uneinheitlich/gering
  5. Moore-Colyer MJS, Lumbis K, Longland A, Harris P (2014): The Effect of Five Different Wetting Treatments on the Nutrient Content and Microbial Concentration in Hay for Horses. PLOS ONE 9(11):e114079Bedampfen verändert Zucker-, Stickstoff- und Mineralstoffgehalte (u. a. Na, Ca, Mg, P, K) nicht signifikant – Effekt ist im Wesentlichen hygienisch (Staub, Keime)
  6. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  7. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)