Raufutter & Heuanalyse7 Min. Lesezeit
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Heulage beim Pferd: Vorteile, Risiken und richtige Menge

Wie sich Heulage von Heu und Silage unterscheidet, worauf du bei Hygiene und angeschnittenen Ballen achtest und wie du die Menge über die Trockenmasse in deine Ration umrechnest.

Ein teilweise geöffneter, weiß in Folie gewickelter Rundballen mit feuchter, grünbrauner Heulage neben einem trockenen Heuballen, davor eine Heugabel, im Hintergrund eine Holzwand.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Heulage ist angewelktes, luftdicht in Folie gewickeltes Gras mit etwa 50–70 % Trockenmasse und liegt damit zwischen Heu und Silage. Sie ist sehr staubarm 1. Entscheidend ist die Hygiene: Schimmel, Erde, Kadaverreste oder eine schlechte Gärung machen Heulage riskant, bis hin zu Botulismus 234. Weil Heulage mehr Wasser enthält, rechnest du die Menge über die Trockenmasse um.

Was unterscheidet Heu, Heulage und Silage?

Der wichtigste Unterschied ist der Wassergehalt. Die LfL nennt als Orientierung rund 860 g Trockenmasse je kg für Heu, 500–700 g für Heulage und 300–400 g für Grassilage. Heulage wird angewelkt und luftdicht konserviert; die geringe Feuchte bremst die Gärung 12. Deshalb darf ihr pH-Wert höher liegen als bei Silage 1.

In der Fachliteratur sind die Grenzen etwas anders gezogen: Dort gilt Futter unter 500 g Trockenmasse je kg als Silage, darüber bis 840 g als Heulage. Silage enthält mehr Gärprodukte wie Milchsäure und ist saurer 2. Grassilage sollte laut LfL nicht das alleinige Grobfutter für Pferde sein 1.

RaufutterTrockenmasse je kgpH-OrientierungKonservierung
Heuca. 860 g–Trocknung
Heulage500–700 gunter 5,0angewelkt, gewickelt, schwache Gärung
Grassilage300–400 g4,0–4,8stärkere Milchsäuregärung

Orientierungswerte der LfL (Gruber Tabelle). Einzelne Partien können deutlich abweichen.

Welche Vorteile hat Heulage?

Der meistgenannte Vorteil ist der geringe Staub. Die LfL beschreibt Heulage als sehr staubarm und nennt sie deshalb als staubarme Alternative 1. In einer in einer Doktorarbeit zusammengefassten Studie enthielt selbst augenscheinlich gutes Heu mehr lungengängige Partikel als Heulage oder Silage 3. Ob und wie ein Pferd mit Husten gefüttert werden soll, klärst du mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.

Für die Verdauung gesunder Pferde fand die Forschung bisher keinen grundsätzlichen Unterschied: Heu, Heulage und Silage vom selben Aufwuchs führten im Versuch zu einer ähnlichen mikrobiellen und chemischen Zusammensetzung im Dickdarm und Kot 32. Entscheidend sind also eher Aufwuchs, Schnittzeitpunkt und Hygiene als die Konservierungsart.

Welche Hygienerisiken musst du kennen?

Bei Heulage ist die Hygiene der Knackpunkt. Schimmelsporen können die Atemwege belasten, Mykotoxine Vergiftungen auslösen, und Clostridium botulinum kann über sein Toxin tödlich sein 2. Das Bakterium kann über Erde oder Tierkadaver ins Futter gelangen 4.

Wie groß das Botulismusrisiko ist, wird unterschiedlich bewertet. Eine US-Fachübersicht rät von sehr feuchten Heulagen und Silagen mit 50 % Feuchte oder mehr generell ab 5. Eine schwedische Doktorarbeit fand dagegen keinen klaren Zusammenhang mit Silage an sich; die beschriebenen Fälle betrafen schlecht vergorenes Futter mit hohem pH-Wert oder Kadaverreste 3. Einig sind sich beide: Verdorbenes Futter gehört nicht in die Raufe.

Buttersäure ist ein Hinweis auf schlechte Gärung und Clostridienaktivität. Die LfL rät, stark buttersäurehaltige Silagen nicht zu verfüttern 1.

  • Ballen mehrlagig wickeln lassen; die LfL nennt 8-fache Wicklung 1.
  • Löcher in der Folie sofort abkleben; Ballen im Freien mit Netzen gegen Vögel schützen 1.
  • Rundballen auf der Stirnseite und höchstens zweistöckig lagern 1.
  • Futter mit Erde, Kadaverresten, Schimmel oder fauligem Geruch nicht verfüttern.

Wie gehst du mit einem angeschnittenen Ballen um?

Sobald Luft an die Heulage kommt, können Hefen und Schimmel wachsen. Heulage kann sich nach dem Öffnen schnell erwärmen 3. Besonders in kleinen Ställen wird ein großer Ballen oft zu langsam verbraucht; belastbare Studien zur Haltbarkeit geöffneter Ballen gibt es kaum 2.

Die LfL rät, geöffnete Ballen zügig zu verbrauchen. Heulage mit über 60 % Trockenmasse sollte vor dem Füttern aufgeschüttelt und nicht mit Folie abgedeckt werden, Futter mit etwa 50 % Trockenmasse besser kompakt bleiben. Angeschimmelte Ballen sind komplett zu verwerfen 1. Eine Schweizer Beratungsstelle nennt als Orientierung 2 Tage nach dem Anschnitt, im Winter höchstens 5 Tage 4.

  • Ballengröße passend zur Zahl der Pferde und zur Tagesmenge wählen.
  • Anschnittdatum auf dem Ballen notieren.
  • Vor jeder Fütterung riechen und fühlen: warm, muffig oder sichtbar schimmelig heißt nicht verfüttern.

Wie rechnest du Heulage in die Ration um?

Nährstoffe und Mengen vergleichst du auf Trockenmasse-Basis. Ein frei gewähltes Rechenbeispiel, keine Fütterungsempfehlung: 10 kg Heu mit 86 % Trockenmasse liefern 8,6 kg Trockenmasse. Für dieselbe Trockenmasse aus Heulage mit 60 % Trockenmasse brauchst du 8,6 ÷ 0,6 = rund 14,3 kg Frischmasse. Wer einfach 10 kg Heu durch 10 kg Heulage ersetzt, füttert weniger Futter 1.

Der Trockenmassegehalt schwankt stark. In einer schwedisch-norwegischen Studie lagen die gefütterten Folienballen zwischen 179 und 951 g Trockenmasse je kg 7. Ein Tabellenwert ersetzt deshalb keinen Messwert deiner Partie. Rechne auch Nährstoffe wie Energie, Protein und Mineralstoffe nur mit Werten auf derselben Bezugsbasis 1.

Wie stellst du auf Heulage um – und was ist mit Kotwasser?

Eine Umstellung braucht Zeit. Die LfL empfiehlt, Futtermittel zu verschneiden und neue Futtermittel über etwa ein bis zwei Wochen einzuführen 1. Eine Schweizer Beratungsstelle rät, die Heulagemenge über mehrere Wochen langsam zu steigern 4. Auch ein neuer Ballen aus einer anderen Partie kann anders zusammengesetzt sein, etwa durch einen anderen Schnittzeitpunkt 7.

Zum Kotwasser: In einer Umfrage berichteten 58 % der Halter betroffener Pferde weniger Kotwasser nach dem Wechsel von Folienballen auf Heu. Das sind Halterangaben ohne Kontrollgruppe 8. In einer Fall-Kontroll-Studie fraßen betroffene und nicht betroffene Pferde dieselbe Heulage; die Forscherin hält Folienballen daher nicht für eine allgemeine Ursache 7.

  • Heu und Heulage anfangs mischen und den Heulageanteil schrittweise erhöhen.
  • Mengen während der Umstellung als Frischmasse und Trockenmasse notieren.
  • Kot, Fressverhalten und Futterreste beobachten und mit Datum festhalten.

Was zeigt eine Heulage-Analyse?

Das Inhaltsstoffpaket Heulage der LUFA Nord-West umfasst unter anderem Trockensubstanz, umsetzbare Energie, Rohprotein, praecaecal verdauliches Rohprotein, Faserfraktionen, Zucker, Fruktan und den pH-Wert. Die Gärqualität mit Milch-, Essig- und Buttersäure ist eine eigene Zusatzuntersuchung. Keimzahlen und Clostridien, einschließlich eines Nachweises von Clostridium botulinum, werden ebenfalls getrennt beauftragt. Eine Hygieneprobe ist erst nach 10–12 Wochen Lagerung sinnvoll 9.

Für die Probe gilt wie beim Heu: mehrere Ballen und Schichten beproben, nicht nur Material vom Rand. Heulage wird in einem Kunststoffbeutel verschickt, aus dem du die Luft herausdrückst 910. Zusätzlich hilft eine Sinnenprüfung: Gute Heulage ist laut LfL hellgrün bis grün und riecht aromatisch, leicht säuerlich und brotartig 1.

Das kannst du mitnehmen

  • Vergleiche Heu und Heulage auf Trockenmasse-Basis: Dieselbe Frischmenge ist nicht dieselbe Futtermenge 1.
  • Hygiene entscheidet: intakte Folie, keine Erde, kein Schimmel und ein zügiger Verbrauch nach dem Öffnen 12.
  • Eine Analyse mit Trockenmasse und bei Bedarf Gärqualität und Keimzahlen ersetzt die Schätzung durch Messwerte deiner Partie 9.

Häufige Fragen

Wie viel Heulage statt Heu?

So viel, dass die Trockenmasse gleich bleibt. Ein frei gewähltes Rechenbeispiel: 10 kg Heu mit 86 % Trockenmasse liefern 8,6 kg Trockenmasse. Bei Heulage mit 60 % Trockenmasse brauchst du dafür rund 14,3 kg Frischmasse. Nimm für deine Rechnung den gemessenen Wert deiner Partie, denn die Trockenmasse von Heulage schwankt stark 17.

Wie lange hält ein angebrochener Heulageballen?

Eine allgemeingültige Frist ist nicht belegt; Forschung dazu gibt es kaum 2. Die LfL rät, geöffnete Ballen zügig zu verbrauchen 1. Eine Schweizer Beratungsstelle nennt als Orientierung 2 Tage, im Winter höchstens 5 Tage 4. Riecht oder fühlt sich das Futter warm, muffig oder schimmelig an, verfüttere es nicht.

Ist Heulage wegen Botulismus gefährlich?

Das Risiko hängt an der Futterhygiene. Eine US-Fachübersicht rät von sehr feuchten Heulagen und Silagen wegen Botulismus generell ab 5. Eine schwedische Doktorarbeit fand in der Literatur keinen klaren Zusammenhang mit Silage an sich; beschriebene Fälle betrafen schlecht vergorenes Futter oder Kadaverreste 3.

Bekommen Pferde von Heulage Kotwasser?

Manche Halter berichten weniger Kotwasser nach dem Wechsel auf Heu 8. Als allgemeine Ursache gilt Heulage nach heutigem Stand aber als unwahrscheinlich 7. Mehr dazu im Artikel zum Kotwasser.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (10)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  2. Müller CE (2018): Silage and haylage for horses. Grass and Forage Science 73(4):815–827Übersichtsarbeit (SLU Uppsala), Abstract geprüft am 30.09.2026: Silage < 500 g TS/kg, Heulage > 500–840 g TS/kg; Silage mit mehr Gärprodukten und niedrigerem pH. Unterschiede zwischen Silage, Heulage und Heu beeinflussen Verdauung und Dickdarmfunktion bisher nicht nachweislich unterschiedlich. Kaum Studien zur Haltbarkeit geöffneter Ballen. Hohe Hygienequalität entscheidend wegen Schimmelsporen, Mykotoxinen, Clostridium botulinum und Listerien.
  3. Müller CE (2007): Wrapped forages for horses. Doctoral thesis, Acta Universitatis Agriculturae Sueciae 2007:44, SLU Uppsala. ISBN 978-91-576-7343-5Geprüft am 30.09.2026. S. 3: Heu, Heulage und Silage vom selben Aufwuchs ohne Unterschied in mikrobieller und chemischer Zusammensetzung im Dickdarm und Kot (fistulierte Pferde, 21 Tage). S. 11–12: auch augenscheinlich gutes Heu enthielt mehr lungengängige Partikel als Heulage oder Silage (nach Vandenput et al. 1997). S. 14–15: C. botulinum selten in Silage; ein klarer Zusammenhang zwischen Silagefütterung und Botulismus in der Literatur nicht erkennbar; Fälle mit Silage betrafen schlecht vergorenes Futter mit hohem pH oder Kadaverreste. S. 30: Heulage kann sich nach dem Öffnen schnell erwärmen.
  4. Achermann L: Mythos oder Fakt? Heulage für Pferde. Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg (Kanton Aargau)Beratungsartikel ohne Datumsangabe, geprüft am 30.09.2026: angebrochene Heulageballen binnen 2 Tagen, im Winter binnen max. 5 Tagen verfüttern; Clostridium botulinum kann über Erdkontamination oder Kadaver ins Futter gelangen; Heulagemenge bei der Umstellung über mehrere Wochen langsam steigern. Praxisempfehlung, keine Studie.
  5. Liburt NR (2026): Feeding Practices in Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Raufutterbasis, Kraftfutter nach Bedarf, Kleie/Mash und Ca:P-Ausgleich, langsame Futterumstellung. Keine Wirksamkeitsstudie zu kommerziellen Mash-Produkten.
  6. Stämpfli HR (2026): Botulism in Horses. Merck Veterinary Manual, Horse OwnersFachübersicht, Stand Juli 2026, geprüft am 30.09.2026: Der Erreger vermehrt sich u. a. in verrottendem Pflanzenmaterial wie Gras, Heu, Getreide oder verdorbener Silage; Zeichen sind fortschreitende Lähmung, Kau- und Schluckstörungen und allgemeine Schwäche; Tod meist durch Lähmung von Atmung oder Herz.
  7. Lindroth K (2021): Free faecal liquid in horses – Faecal composition and associations with feeding and management. Doctoral Thesis No. 2020:65, Acta Universitatis agriculturae Sueciae, SLU Uppsala. ISBN 978-91-7760-649-9Geprüft am 30.09.2026. S. 17–18: Definition (fester Kot und freie Flüssigkeit), Hautreizungen; klinisch meist ohne Fieber, Austrocknung oder Gewichtsverlust. S. 24–26: vermutete Faktoren bisher nicht systematisch belegt; Zahnbefunde und Parasitenbefunde ohne Unterschied. S. 29–30: Pro- und Präbiotika mit mäßigem, vorübergehendem oder keinem Erfolg. S. 45–46: TS der gefütterten Folienballen 179–951 g/kg. S. 48–50: Folienballen als solche unwahrscheinlich eine allgemeine Ursache; nur die Hälfte der Halter hatte eine Futteranalyse; Analyse und Rationsberechnung als erster Schritt. S. 55: Ursachen weiter unbekannt.
  8. Lindroth KM, Johansen A, Båverud V, Dicksved J, Lindberg JE, Müller CE (2020): Differential Defecation of Solid and Liquid Phases in Horses – A Descriptive Survey. Animals 10(1):76Webbasierte Umfrage in Schweden und Norwegen mit 339 Kotwasserpferden, überwiegend mit Folienballen (Heulage/Silage) gefüttert. Halterangaben: weniger Kotwasser nach Wechsel von Folienballen auf Heu 58 % (n = 197), auf Weide 46 % (n = 156), nach Wechsel der Futtercharge 17 % (n = 58); frühere Kolik 23 %. Keine Kontrollgruppe, keine Kausalaussage. Abstract geprüft am 30.09.2026.
  9. LUFA Nord-West: Untersuchungsauftrag Pferdefutter 2026/27S. 1: Untersuchungspakete und Preise pro Probe zzgl. MwSt.; S. 2: Untersuchungsumfang, Probenmengen und Versand. Preisstand 2026/27, geprüft am 28.09.2026; kein Equivora-Angebot.
  10. LUFA Nord-West: Probenahme Pferdefutter – Wie gehe ich korrekt vor?Laboranleitung: repräsentative Proben aus mehreren Ballen und Schichten, identische Kennzeichnung von Probe und Auftrag. Online geprüft am 28.09.2026.