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Kotwasser beim Pferd: Ursachen, Abklärung und Fütterung
Was über die Ursachen von Kotwasser bekannt ist, was tierärztlich abgeklärt werden sollte und wie du Fütterung und Haltung mit einem Protokoll Schritt für Schritt prüfst.

Die kurze Antwort
Kotwasser heißt: Das Pferd setzt geformte Kotballen ab und zusätzlich freie Flüssigkeit, die Schweif und Hinterbeine verschmutzt. Die Ursache ist wissenschaftlich nicht geklärt. Studien fanden Zusammenhänge mit Rangordnung, Futterwechseln und Rationszusammensetzung, aber keinen einzelnen Auslöser 12. Lass zuerst tierärztlich abklären, was dahinterstecken kann, und ändere danach immer nur eine Sache in Fütterung oder Haltung.
Was ist Kotwasser – und wann ist es ein Notfall?
Bei Kotwasser setzt das Pferd zwei Phasen ab: normal geformte Kotballen und freie Flüssigkeit. Die Flüssigkeit kann vor, während, nach oder unabhängig vom Kotabsatz austreten und Schweif und Hinterbeine verschmutzen. Häufiges Säubern und die Nässe können die Haut reizen 2.
Typischerweise sind betroffene Pferde sonst in gutem Allgemeinzustand. In Untersuchungen zeigten sie meist weder Fieber noch Austrocknung oder Gewichtsverlust 32. Passt dein Pferd nicht in dieses Bild, geht es nicht mehr um ein Fütterungsthema.
Was ist über die Ursachen bekannt?
Ehrlich gesagt: wenig Gesichertes. Eine Übersichtsarbeit der Pferdeklinik der FU Berlin diskutiert geringgradige Darmentzündungen, Stress und Fütterung als mögliche Faktoren. Randomisierte Studien fehlen, gängige Therapieansätze sind nicht wissenschaftlich validiert 3.
Die Münchner Feldstudie verglich 42 Kotwasserpferde mit Stallgefährten und einer Verhaltenskontrollgruppe. Parasitenbefund und Serumproteine unterschieden sich nicht signifikant. Auffällig war der Rang in der Herde: 40 % der Kotwasserpferde standen nach Besitzereinschätzung am unteren Ende der Rangordnung, in der Vergleichsgruppe 4 % 51.
In der schwedisch-norwegischen Forschung waren Pferde aller Rassen, Altersgruppen und Nutzungen betroffen. Keine einzelne Fütterungs- oder Haltungspraxis war bei Kotwasserpferden überrepräsentiert 2.
Was sollte tierärztlich abgeklärt werden?
Flüssiger Kot kann viele Ursachen haben, etwa Sand, entzündliche Darmerkrankungen, Futterumstellungen oder eine veränderte Darmflora. Auch langfristige Herz- und Lebererkrankungen kommen als Ursache von chronischem Durchfall infrage 4. Diese Unterscheidung kann nur eine Untersuchung am Pferd leisten.
Zähne und Parasiten werden häufig als Ursache vermutet. In den bisherigen Studien fielen Kotwasserpferde dabei nicht systematisch auf 2. Das ist ein Gruppenbefund: Für dein einzelnes Pferd ersetzt er keine Zahnkontrolle und keine Kotuntersuchung.
- Allgemeinbefinden, Gewichtsverlauf und Futteraufnahme beschreiben.
- Zahnstatus und Kauverhalten prüfen lassen.
- Parasitenstatus mit der Tierarztpraxis klären, zum Beispiel über eine Kotprobe.
- Mit der Tierärztin oder dem Tierarzt besprechen, ob Blutwerte, Sand im Darm oder weitere Untersuchungen sinnvoll sind.
- Beginn, Dauer und jahreszeitliches Auftreten des Kotwassers notieren.
Welche Rolle spielen Heulage und Futterwechsel?
In einer Umfrage unter Haltern von 339 Kotwasserpferden berichteten 58 % von weniger Kotwasser nach dem Wechsel von Heulage oder Silage auf Heu, 46 % nach dem Wechsel auf Weide und 17 % nach einem Chargenwechsel. Das sind Halterangaben ohne Kontrollgruppe 6.
Gegen Heulage als allgemeine Ursache spricht: In der Münchner Studie bekamen alle Kotwasserpferde ganzjährig Heu, nur 7,3 % zusätzlich Silage oder Heulage 5. In der Fall-Kontroll-Studie fraßen betroffene und nicht betroffene Pferde auf demselben Hof dieselben Folienballen. Die Forscher vermuten eher, dass sich Chargen in Schnittzeitpunkt, Aufwuchs und Faseranteil unterscheiden 2.
Futterumstellungen selbst gelten als möglicher Auslöser von Verdauungsstörungen und flüssigem Kot 47. Die LfL empfiehlt, Futtermittel zu verschneiden und neue Futtermittel langsam über etwa ein bis zwei Wochen einzuführen 7.
Was zeigt die Ration: Kraftfutter, Stroh und Heuqualität?
In der Fall-Kontroll-Studie bekamen Kotwasserpferde je 100 kg Körpergewicht rund doppelt so viel Kraftfutter wie ihre Vergleichspferde, nahmen mehr Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate auf und fraßen weniger Stroh und Faser. Die Autoren bezeichnen die Unterschiede als klein; einen Beweis für eine Ursache liefern sie nicht 8.
Nur die Hälfte der befragten Halter kannte die Nährstoffgehalte ihres Raufutters aus einer Analyse. Die Forscherin nennt Futteranalyse und Rationsberechnung deshalb als ersten praktischen Schritt 2. Die LUFA Nord-West empfiehlt bei Kotwasser neben dem Inhaltsstoffpaket die Untersuchung von Pilz- und Bakterienkeimzahl. Eine Hygieneprobe ist erst nach 10–12 Wochen Lagerung sinnvoll 9.
Warum lohnt sich ein Blick auf die Rangordnung?
In der Münchner Studie hatten rangniedrige Pferde ein deutlich höheres Kotwasserrisiko (Odds Ratio 17,9). 62 % der Kotwasserpferde verteidigten ihr Futter nicht, in der Vergleichsgruppe 27 %. Die Autorin deutet das als Hinweis auf Sozialstress; der Rang beruhte allerdings auf Besitzereinschätzungen und die Stichprobe war klein 5.
Die Autorin verweist zudem auf Berichte aus der Praxis, nach denen Kotwasser häufig erstmals nach einer Veränderung der Haltung auftrat 5. Beobachte deshalb, ob dein Pferd am Heu verdrängt wird, lange Fresspausen hat oder nach einem Stallwechsel oder mit neuen Herdenmitgliedern Kotwasser entwickelt hat. Solche Beobachtungen gehören in dein Protokoll.
Wie gehst du systematisch vor?
Viele Halter probieren nacheinander mehrere Futtermittel und Zusätze. In der Münchner Studie traf das auf 69 % zu, meist mit mäßigem bis keinem Erfolg 5. Wer mehrere Dinge gleichzeitig ändert, kann danach nicht sagen, was geholfen oder geschadet hat.
Plane deshalb mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt eine Änderung nach der anderen. Für eine Rationsänderung nennt die LfL eine Umstellungszeit von etwa ein bis zwei Wochen und eine aussagekräftige Beurteilung erst nach weiteren vier Wochen 7.
- Täglich notieren: Kotwasser ja/nein, Menge grob einschätzen, Kotkonsistenz.
- Jede Änderung mit Datum festhalten: Heucharge, Heulage, Kraftfutter, Zusätze, Weidezeit.
- Haltungsereignisse dazuschreiben: Stallwechsel, neue Herdenmitglieder, Wetter, Transporte.
- Immer nur eine Sache ändern und lange genug beobachten.
- Raufutter analysieren lassen und die Ration auf dieser Grundlage prüfen.
Das kannst du mitnehmen
- Kotwasser ist ein Symptom ohne bekannte Einzelursache; Studien zeigen Zusammenhänge, keine gesicherten Auslöser 23.
- Wiederkehrender oder anhaltend flüssiger Kot gehört tierärztlich abgeklärt, bevor du an der Ration drehst 4.
- Ein Protokoll mit jeweils nur einer Änderung macht sichtbar, was sich tatsächlich verändert hat 7.
Häufige Fragen
Was füttern bei Kotwasser?
Ein Futter, das Kotwasser sicher beseitigt, ist nicht belegt. Die schwedische Forschergruppe hält es für vertretbar, eine raufutterreiche Ration, einen Wechsel von Raufutterart oder Charge und Weidezugang auszuprobieren. Diese Einschätzung stützt sich auf Halterberichte, nicht auf kontrollierte Versuche 2. Prüfe außerdem Kraftfuttermenge und Futterhygiene.
Kommt Kotwasser von Heulage?
Nicht generell. In einer Umfrage berichteten 58 % der Halter weniger Kotwasser nach dem Wechsel von Heulage oder Silage auf Heu 6. In der Münchner Studie bekamen aber alle Kotwasserpferde ganzjährig Heu 5. Die Forscher halten Folienballen deshalb nicht für eine allgemeine Ursache 2.
Was ist über Zusätze bei Kotwasser bekannt?
Das ist nicht belegt. In der Münchner Studie hatten 69 % der Halter bereits zahlreiche Fütterungs- und Zusatzversuche mit mäßigem bis keinem Erfolg unternommen 5. Für Pro- und Präbiotika beschreibt die Literatur mäßige, vorübergehende oder keine Effekte 2.
Wann muss ich mit Kotwasser zum Tierarzt?
Wenn das Problem wiederkehrt oder länger anhält, und sofort, wenn das Pferd matt ist, schlecht frisst, Kolikzeichen zeigt oder richtigen Durchfall hat. Durchfall, der länger als ein bis zwei Tage dauert oder wiederkehrt, sollte tierärztlich untersucht werden 4.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (9)
- Kienzle E, Zehnder C, Pfister K, Gerhards H, Sauter-Louis C, Harris P (2016): Field Study on Risk Factors for Free Fecal Water in Pleasure Horses. Journal of Equine Veterinary Science 44:32–36Peer-reviewte Veröffentlichung der Münchner Feldstudie (Datengrundlage: zehnder-kotwasser-2009). Keine Unterschiede bei Entwurmungsroutinen und Parasitenbefund; niedriger sozialer Rang und fehlende Futterverteidigung als Risikofaktoren. Volltext nicht frei zugänglich; bibliografische Daten per Crossref, Inhalte über die Dissertation und die Zusammenfassung bei Lindroth (2021, S. 24–26) geprüft am 30.09.2026.
- Lindroth K (2021): Free faecal liquid in horses – Faecal composition and associations with feeding and management. Doctoral Thesis No. 2020:65, Acta Universitatis agriculturae Sueciae, SLU Uppsala. ISBN 978-91-7760-649-9Geprüft am 30.09.2026. S. 17–18: Definition (fester Kot und freie Flüssigkeit), Hautreizungen; klinisch meist ohne Fieber, Austrocknung oder Gewichtsverlust. S. 24–26: vermutete Faktoren bisher nicht systematisch belegt; Zahnbefunde und Parasitenbefunde ohne Unterschied. S. 29–30: Pro- und Präbiotika mit mäßigem, vorübergehendem oder keinem Erfolg. S. 45–46: TS der gefütterten Folienballen 179–951 g/kg. S. 48–50: Folienballen als solche unwahrscheinlich eine allgemeine Ursache; nur die Hälfte der Halter hatte eine Futteranalyse; Analyse und Rationsberechnung als erster Schritt. S. 55: Ursachen weiter unbekannt.
- Ertelt A, Gehlen H (2015): Kotwasser beim Pferd – ein ungelöstes Problem. Pferdeheilkunde 31(3):261–268Übersichtsarbeit (Pferdeklinik FU Berlin). Betroffene Pferde meist in gutem Allgemeinzustand, Hautreizungen im Analbereich möglich; diskutiert werden geringgradige Darmentzündung, Stress und Fütterungsfaktoren; randomisierte Studien fehlen, Therapieansätze sind nicht wissenschaftlich validiert. Nur Abstract geprüft am 30.09.2026.
- Stewart AJ (2026): Intestinal Disorders Other than Colic in Horses. Merck Veterinary Manual, Horse OwnersFachübersicht, Stand Juni 2026, geprüft am 30.09.2026: chronischer Durchfall dauert einen Monat oder länger; Ursachen u. a. Sand, entzündliche Darmerkrankungen, Futterumstellungen, veränderte Darmflora sowie langfristige Herz- und Lebererkrankungen. Durchfall, der länger als ein bis zwei Tage anhält oder wiederkehrt, tierärztlich abklären; eine eindeutige Ursache findet sich in weniger als 50 % der Fälle.
- Zehnder C (2009): Feldstudie zu Risikofaktoren für den Absatz von freiem Kotwasser beim Freizeitpferd. Diss. med. vet., Tierärztliche Fakultät, LMU MünchenZusammenfassung S. 107–109, geprüft am 30.09.2026: 42 Kotwasserpferde, je ein Stallgefährte als Parasitenkontrolle, 37 Verhaltenskontrollen. Alle Kotwasserpferde erhielten ganzjährig Heu, nur 7,3 % zusätzlich Silage oder Heulage (meist im Winter). Ca. 30 % nur im Winter betroffen; bei 69 % zahlreiche Fütterungs- und Zusatzversuche mit mäßigem bis keinem Erfolg. Kein signifikanter Unterschied bei Parasitenbefund und Serumproteinelektrophorese. Rangniedrigste Position 40 % vs. 4 % (OR 17,9), kein Futterneid 62 % vs. 27 % (OR 4,4). Rang nach Besitzereinschätzung, kleine Stichprobe; Sozialstress als Hypothese der Autorin.
- Lindroth KM, Johansen A, Båverud V, Dicksved J, Lindberg JE, Müller CE (2020): Differential Defecation of Solid and Liquid Phases in Horses – A Descriptive Survey. Animals 10(1):76Webbasierte Umfrage in Schweden und Norwegen mit 339 Kotwasserpferden, überwiegend mit Folienballen (Heulage/Silage) gefüttert. Halterangaben: weniger Kotwasser nach Wechsel von Folienballen auf Heu 58 % (n = 197), auf Weide 46 % (n = 156), nach Wechsel der Futtercharge 17 % (n = 58); frühere Kolik 23 %. Keine Kontrollgruppe, keine Kausalaussage. Abstract geprüft am 30.09.2026.
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- Lindroth KM, Lindberg JE, Johansen A, Müller CE (2021): Feeding and Management of Horses with and without Free Faecal Liquid: A Case–Control Study. Animals 11(9):2552Fall-Kontroll-Studie auf 50 Privatbetrieben in Schweden und Norwegen: ähnliche Mengen Folienballen und ähnliches Management; Fallpferde mit höherem Kraftfutteranteil (rund doppelt so viel Kraftfutter je 100 kg KM und Tag), mehr Stärke und wasserlöslichen Kohlenhydraten, weniger Stroh, Luzerne, verdaulichem Rohprotein und NDF. Die Autoren bezeichnen die Unterschiede als klein; Halterangaben, keine Kausalaussage. Abstract geprüft am 30.09.2026.
- LUFA Nord-West: Untersuchungsauftrag Pferdefutter 2026/27S. 1: Untersuchungspakete und Preise pro Probe zzgl. MwSt.; S. 2: Untersuchungsumfang, Probenmengen und Versand. Preisstand 2026/27, geprüft am 28.09.2026; kein Equivora-Angebot.