Sicher ergänzen5 Min. Lesezeit
Redaktionelle Prüfung ausstehend

Dieser Artikel ist fachlich noch nicht freigegeben. Die Angaben beruhen auf den unten aufgeführten Quellen.

Mariendistel beim Pferd: Was die Studien zur Leber zeigen

Was über Mariendistel beim Pferd bekannt ist: schlechte Aufnahme von Silibinin, gute Verträglichkeit bei gesunden Pferden, keine Studien bei Lebererkrankung und was du vor Turnieren prüfst.

Gezeichneter Distelkopf mit Samen neben einer Futterschale und einem Laborblatt mit Kurve.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Mariendistel wird beim Pferd meist für die Leber gefüttert, ein solcher Nutzen ist aber nicht belegt. Ihr Inhaltsstoff Silibinin wurde in einer Studie aus dem Futter nur zu 0,6 Prozent aufgenommen 1. Studien an leberkranken Pferden fehlen. Auffällige Leberwerte gehören tierärztlich abgeklärt. Vor Turnieren prüfst du die Gabe in der ADMR-Datenbank 2.

Was in der Mariendistel steckt

In Pferdestudien wurde die Mariendistel (Silybum marianum) zum Beispiel als Presskuchen aus den Samen gefüttert 3. Ein Hauptinhaltsstoff ist Silibinin 1.

Beim Menschen führt die EU-Arzneimittelbehörde Mariendistel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden und zur Unterstützung der Leberfunktion, nachdem ernste Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen wurden 4. Das ist eine Einstufung für den Menschen und kein Nachweis beim Pferd.

Was beim Pferd untersucht ist

Am Pferd gibt es eine Studie zu Aufnahme und Verträglichkeit sowie kleine Fütterungsstudien mit Laborwerten.

  • Aufnahme: Aus dem Futter gelangten nur 0,6 Prozent des Silibinins ins Blut, per Nasenschlundsonde 2,9 Prozent 1.
  • Verträglichkeit: Bis 26 mg je kg Körpergewicht zweimal täglich über sieben Tage zeigten die Pferde keine dosislimitierende Giftwirkung; ein Leberenzym (GGT) lag bei drei von fünf Pferden leicht über dem Referenzbereich 1.
  • Fütterung: In einer tschechischen Studie mit zehn Pferden unterschieden sich nach Belastung einzelne Blutwerte wie AST und Cortisol. Die Gruppen waren sehr klein und unterschieden sich auch in Alter und Ration 3.
StudieErgebnis
9 Pferde, Aufnahme0,6 % aus dem Futter im Blut
5 Pferde, 7 Tagekeine dosislimitierende Giftwirkung
10 Pferde, 56 Tageeinzelne Blutwerte nach Belastung anders

Studien an gesunden Pferden; keine davon untersucht Pferde mit Lebererkrankung.

Wenn die Leberwerte auffällig sind

Erhöhte Leberwerte haben viele mögliche Ursachen. Eine davon sind Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut, deren Schäden sich über Wochen bis Monate entwickeln 5. Die Ursachensuche gehört in tierärztliche Hand, bevor du Futter oder Zusätze änderst.

Beim Menschen gilt eine Überempfindlichkeit gegen Korbblütler als Gegenanzeige 4. Ob das für Pferde gilt, ist nicht untersucht.

Mariendistel im Turniersport

Silibinin, Silymarin und Mariendistel stehen nicht namentlich auf der FEI-Liste 2025. Die Liste erfasst aber auch Stoffe mit ähnlicher Struktur oder Wirkung 6. Die FN verbietet im Wettkampf zudem Phytotherapeutika allgemein 7.

Prüfe Mariendistel deshalb vor jedem Turnier in der ADMR-Datenbank und sprich eine mögliche Absetzfrist mit deiner Tierarztpraxis ab 2.

Das kannst du mitnehmen

  • Silibinin gelangt aus dem Futter kaum ins Blut: 0,6 Prozent im Futter, 2,9 Prozent per Sonde 1.
  • Gesunde Pferde vertrugen in der Studie auch hohe Dosen über sieben Tage 1.
  • Für Pferde mit Lebererkrankung gibt es keine kontrollierte Studie.
  • Im Turniersport greift die allgemeine FN-Regel zu Phytotherapeutika 7.

Häufige Fragen

Hilft Mariendistel der Leber des Pferdes?

Belegt ist das nicht. Untersucht wurden gesunde Pferde; die Autoren fordern ausdrücklich Studien an Pferden mit Lebererkrankung 1. Erhöhte Leberwerte brauchen eine tierärztliche Ursachensuche.

Wie viel Mariendistel bekommt ein Pferd?

Eine belegte Dosierung gibt es nicht. In der Verträglichkeitsstudie erhielten gesunde Pferde 6,5 bis 26 mg Silibinin je kg Körpergewicht zweimal täglich über sieben Tage, ohne dosislimitierende Giftwirkung 1. Das ist keine Empfehlung.

Ist Mariendistel im Turniersport erlaubt?

Sie steht nicht namentlich auf der FEI-Liste 2025 6. Die FN verbietet aber Phytotherapeutika allgemein im Wettkampf 7. Prüfe die Gabe deshalb in der ADMR-Datenbank 2.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (7)
  1. Hackett ES, Mama KR, Twedt DC, Gustafson DL (2013): Pharmacokinetics and safety of silibinin in horses. American Journal of Veterinary Research 74(10):13279 gesunde Pferde: 6,5 mg Silibinin je kg Körpergewicht intravenös, oral im Futter und per Nasenschlundsonde. Anschließend 5 Pferde mit 6,5, 13 und 26 mg/kg zweimal täglich über je 7 Tage. Orale Bioverfügbarkeit 0,6 % im Futter und 2,9 % per Sonde, keine Anreicherung, keine dosislimitierende Toxizität. GGT bei 3 von 5 Pferden in hohen Dosen leicht über dem Referenzbereich. Gesunde Pferde – keine Wirksamkeitsdaten bei Lebererkrankung
  2. FN – Anti-Doping und Medikation (ADMR-Suchmaschine)Offizielle Datenbank der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu Substanzen und Karenzzeiten im Turniersport
  3. Dockalova H, Zeman L, Horky P (2021): Influence of Milk Thistle (Silybum marianum) Seed Cakes on Biochemical Values of Equine Plasma Subjected to Physical Exertion. Animals 11(1):21010 Tschechische Warmblüter (5 Versuch, 5 Kontrolle), 56 Tage bis 2 kg Gerstengranulat mit 20 % Mariendistel-Presskuchen (bis 16,6 g Silymarin/Tag), danach 2 h Fahrbelastung. Versuchsgruppe mit niedrigerer AST, NEFA und Cortisol nach Belastung. Sehr kleine Gruppen, Gruppen unterschieden sich auch in Protein, Fett, Alter und Geschlecht. Laborwerte – keine klinischen Endpunkte
  4. European Medicines Agency, HMPC (2018): European Union herbal monograph on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus. EMA/HMPC/294187/2013Humanarzneiliche Monographie, angenommen am 05.06.2018. Traditionelle Anwendung bei Verdauungsbeschwerden und zur Unterstützung der Leberfunktion, nachdem ernsthafte Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen wurden. Gegenanzeige: Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (Asteraceae). Bei Gelbsucht oder Verfärbung von Urin oder Kot sofort ärztliche Abklärung. Nebenwirkungen: leichte Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen. Nicht auf das Pferd übertragbar
  5. Bildfell R (2022): Pyrrolizidine Alkaloidosis in Animals. Merck Veterinary ManualFachübersicht, vollständige Prüfung April 2022, Aktualisierung September 2024: Rinder, Pferde, Zuchthirsche und Schweine sind am empfindlichsten. Die Leber zeigt die kumulativen, fortschreitenden Folgen wiederholter kleiner Dosen; die Hepatozytenvergrößerung (Megalozytose) ist irreversibel und beim Pferd deutlich. Vergiftung auch über Heu, Silage und Pellets, mindestens ein Teil der Giftstoffe übersteht die Trocknung. Symptome oft erst Wochen bis Monate nach Beginn der Aufnahme, auch nach deren Ende; beim Pferd vor allem hepatische Enzephalopathie (z. B. Kopfpressen). Tiere mit klinischen Zeichen erholen sich selten. Senecio jacobaea enthält Jacobin
  6. FEI (2024): 2025 Equine Prohibited Substances List. Fédération Équestre Internationale, Lausanne, Stand 25.11.2024Geprüfte Fassung 2025 (Fassung 2026 war am 18.10.2026 nicht abrufbar). Harpagosid ist als CONTROLLED (Analgetikum) geführt, Valerensäure als CONTROLLED, Capsaicin als BANNED. Silibinin/Silymarin, Vitex-Inhaltsstoffe (Agnusid, Casticin), Brennnessel, Hagebutte und Ascorbinsäure sind nicht namentlich gelistet. Auffangklausel: Verboten sind auch Stoffe mit ähnlicher chemischer Struktur oder ähnlicher biologischer Wirkung. Die Liste wird jährlich überarbeitet; maßgeblich ist immer die tagesaktuelle Fassung
  7. Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln für den Pferdesport (ADMR) mit Verbotsliste Anhang I–IIIRegelwerk mit eigener FN-Verbotsliste (Art. 4.1). Anhang II (unerlaubte Medikation, im Wettkampf verboten) nennt unter dem Muskel-Skelett-System ausdrücklich „Harpagophytum Procumbens (Teufelskralle)“ und listet unter „Darüber hinaus sind verboten“ allgemein „Phytotherapeutika, wie z.B. Arnika, Ingwer“. Auffangklausel für Stoffe mit ähnlicher Struktur oder Wirkung. Verantwortliche haften persönlich für alles, was dem Pferd verabreicht wird (Art. 2.1.1), auch bei verunreinigten Futterergänzungsmitteln (Kommentar zu Art. 10.4). Das Dokument trägt kein Stand-Datum