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Giftpflanzen für Pferde: Jakobskreuzkraut und Co. erkennen
Welche Giftpflanzen für Pferde auf Weide, Wegrand und im Heu am gefährlichsten sind, warum Jakobskreuzkraut im Heu tückisch ist und wie du vorbeugst.

Die kurze Antwort
Zu den gefährlichsten Giftpflanzen für Pferde zählen Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Eibe und Bergahorn 1. Jakobskreuzkraut bleibt auch im Heu und in der Silage giftig, schmeckt dort aber nicht mehr bitter 2. Die Leberschäden entstehen schleichend aus vielen kleinen Mengen 3. Kontrolliere Weide und Heu deshalb regelmäßig und ruf bei Verdacht sofort die Tierarztpraxis.
Die wichtigsten Giftpflanzen im Überblick
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft führt die häufigsten Giftpflanzen für Pferde mit Standort und Risikostufe auf 1. Eine Auswahl:
| Pflanze | Wo sie wächst | Risiko |
|---|---|---|
| Jakobskreuzkraut | Wegränder, trockene Weiden | sehr stark giftig |
| Herbstzeitlose | Wiesen in Mittelgebirge, Voralpen | sehr stark giftig |
| Eibe | Waldränder, Hecken, Gärten | sehr stark giftig |
| Thuja | Hecken und Gärten | sehr stark giftig |
| Bergahorn | Samen, Keimlinge auf feuchten Weiden | stark giftig |
| Adlerfarn | Waldwiesen, Waldränder | stark giftig |
| Scharfer Hahnenfuß | feuchte Wiesen, nur frisch giftig | giftig |
Auswahl aus der LfL-Übersicht nach Kamphues und Kollegen; Risikostufe wie dort angegeben 1.
Jakobskreuzkraut: warum es so tückisch ist
Jakobskreuzkraut enthält Pyrrolizidinalkaloide. Pferde reagieren auf diese Stoffe besonders empfindlich 34.
Gefährlich sind weniger einzelne große Mengen als viele kleine. Die Schäden an der Leber summieren sich mit jeder Aufnahme und sind nicht umkehrbar 3. Krankheitszeichen zeigen sich oft erst Wochen bis Monate später; beim Pferd stehen neurologische Ausfälle durch das Leberversagen im Vordergrund, etwa Kopfpressen 3.
Auch im Heu giftig
Bei der Heubereitung werden die Bitterstoffe abgebaut, die Giftstoffe bleiben aber erhalten. Auch Silieren senkt den Gehalt nicht 2. Weil Geruch und Bitterkeit fehlen, fressen Pferde die Pflanze im Heu mit 4.
Das gilt nicht nur für Jakobskreuzkraut. Herbstzeitlose und Sumpfschachtelhalm bleiben im Heu und in der Silage giftig. Scharfer Hahnenfuß ist dagegen nur frisch giftig 4.
Vorbeugen auf der Weide
Das Merkblatt des Bundesinstituts für Risikobewertung nennt diese Schritte gegen Jakobskreuzkraut 2:
- Eine geschlossene Grasnarbe erhalten und Lücken nachsäen.
- Flächen vor der Samenreife mähen.
- Einzelne Pflanzen mit der Wurzel ausstechen.
- Futtermangel auf der Weide vermeiden, weil Pferde dann auch Giftpflanzen fressen.
- Heu und Silage kontrollieren.
Wie groß ist das Risiko?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet das Risiko einer Vergiftung mit Pyrrolizidinalkaloiden für Nutz- und Heimtiere in der EU als allgemein gering 5. Die Folgen für ein betroffenes Pferd sind aber schwer 3.
Seit Juni 2026 empfiehlt die EU-Kommission, diese Stoffe in Futtermitteln zu überwachen, unter anderem in Heu, Grassilage, Luzerne und Kräutern. Pferde gelten wegen ihrer Luzerneaufnahme als möglicherweise stärker exponiert 6.
Bei Verdacht
Hat dein Pferd eine Giftpflanze gefressen oder zeigt es Krankheitszeichen, ruf sofort die Tierarztpraxis an. Nimm, wenn möglich, die verdächtige Pflanze oder eine Probe des Futters mit. Füttere bis zur Klärung kein Heu aus derselben Charge.
Das kannst du mitnehmen
- Pferde gehören zu den empfindlichsten Tierarten gegenüber den Giftstoffen des Jakobskreuzkrauts 34.
- Trocknen und Silieren bauen diese Giftstoffe nicht ab 2.
- Herbstzeitlose und Sumpfschachtelhalm bleiben ebenfalls im Heu giftig 4.
- Eine dichte Grasnarbe und ausreichend Futter senken das Risiko auf der Weide 2.
Häufige Fragen
Ist Jakobskreuzkraut im Heu giftig?
Ja. Beim Trocknen werden die Bitterstoffe abgebaut, die Giftstoffe bleiben erhalten 2. Pferde meiden die Pflanze im Heu deshalb nicht mehr 4.
Welche Pflanzen sind für Pferde am giftigsten?
In der LfL-Übersicht gehören unter anderem Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Eibe, Eisenhut, Fingerhut und Thuja zur höchsten Risikostufe 1.
Wie schnell zeigt sich eine Vergiftung mit Jakobskreuzkraut?
Oft erst Wochen bis Monate nach Beginn der Aufnahme, manchmal auch nachdem das Pferd keine Pflanzen mehr frisst. Pferde mit deutlichen Krankheitszeichen erholen sich selten 3.
Fressen Pferde Giftpflanzen freiwillig?
Auf der Weide meiden sie viele Giftpflanzen, aber nicht immer. Bei Futtermangel fressen Pferde auch Jakobskreuzkraut, und Tiere ohne Weideerfahrung meiden Giftpflanzen oft nicht 2.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (6)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Jakobskreuzkraut – Vorbeugung und Bekämpfung auf Pferdeweiden. MerkblattBehördenmerkblatt (undatiert, Bildnachweise bis 2014): Bei der Heubereitung werden die Bitterstoffe abgebaut, die Giftstoffe bleiben erhalten. Silieren senkt den PA-Gehalt nicht. Langfristige Aufnahme kann schwere Leberschäden verursachen. Tiere ohne Weideerfahrung meiden Giftpflanzen oft nicht; bei Futtermangel fressen Pferde Jakobskreuzkraut. Empfehlungen: geschlossene Grasnarbe, Nachsaat, Mahd vor der Samenreife, Einzelpflanzen mit Wurzel ausstechen, Heu und Silage kontrollieren
- Bildfell R (2022): Pyrrolizidine Alkaloidosis in Animals. Merck Veterinary ManualFachübersicht, vollständige Prüfung April 2022, Aktualisierung September 2024: Rinder, Pferde, Zuchthirsche und Schweine sind am empfindlichsten. Die Leber zeigt die kumulativen, fortschreitenden Folgen wiederholter kleiner Dosen; die Hepatozytenvergrößerung (Megalozytose) ist irreversibel und beim Pferd deutlich. Vergiftung auch über Heu, Silage und Pellets, mindestens ein Teil der Giftstoffe übersteht die Trocknung. Symptome oft erst Wochen bis Monate nach Beginn der Aufnahme, auch nach deren Ende; beim Pferd vor allem hepatische Enzephalopathie (z. B. Kopfpressen). Tiere mit klinischen Zeichen erholen sich selten. Senecio jacobaea enthält Jacobin
- Steilen C, Hergenröther K (2020): Giftpflanzen im Grünland. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel, Bitburg, September 2020Landesbehörde Rheinland-Pfalz. Jakobs-Kreuzkraut (S. 6–8): Pferde reagieren am empfindlichsten, gefolgt von Rindern. In Heu und Silage geht der abschreckende Geruch verloren, die Giftwirkung bleibt; die Alkaloide werden durch Trocknung oder Silierung nicht abgebaut. Chronische Vergiftung, weil sich die Giftstoffe in der Leber anreichern; schon geringe Mengen können tödlich sein; Heilungsaussichten gering. Herbstzeitlose (S. 13–14): Pferde sehr empfindlich, Giftwirkung in Heu und Silage nicht gemindert. Sumpfschachtelhalm (S. 16): bereits 1–3 Triebe/m² können bei Beweidung gesundheitsschädlich bis tödlich sein, Wirkung bleibt in Heu und Silage. Scharfer Hahnenfuß (S. 16–17): frisch giftig, im Heu nicht mehr
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM) (2011): Scientific Opinion on Pyrrolizidine alkaloids in food and feed. EFSA Journal 9(11):2406Risikobewertung der EFSA. Laut Abstract ist das Risiko einer PA-Vergiftung für Nutz- und Heimtiere in der EU allgemein gering; die meisten der zuletzt gemeldeten Vergiftungen gehen auf versehentliche Exposition zurück. Nur Abstract (DOAJ) geprüft
- Empfehlung (EU) 2026/1210 der Kommission vom 9. Juni 2026 zur Überwachung des Vorkommens von Pyrrolizidinalkaloiden in Futtermitteln. ABl. L 2026/1210 vom 10.06.2026Erwägungsgründe: Alle Tierarten sind für akute und chronische PA-Vergiftung empfindlich; Pferde und Kaninchen sind wegen hoher Luzerneaufnahme möglicherweise stärker exponiert; das Risiko gilt in der EU allgemein als gering. Die Mitgliedstaaten sollen u. a. Grassilage, Heu, Trockengrün (Luzerne, Esparsette), Kräuter und Kräuterextrakte aus PA-haltigen Pflanzen sowie Mischfutter mit Kräutern überwachen; 27 PA einschließlich Senecionin; Bestimmungsgrenze 10 µg/kg; Ergebnisse an die EFSA bis 30.06.2028. Inhalt über die BOE-Kopie des Amtsblatts (spanische Fassung) geprüft