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Mönchspfeffer beim Pferd mit PPID: Was die Leitlinie sagt
Wie die tierärztliche Leitlinie Mönchspfeffer bei PPID (Cushing) bewertet, warum Pergolid die Standardbehandlung bleibt, was zu Wechselwirkungen bekannt ist und was im Turniersport gilt.

Die kurze Antwort
Mönchspfeffer wird vor allem Pferden mit PPID (Cushing) gefüttert. Die britische Tierarzt-Leitlinie sieht keinen Effekt auf das Hormon ACTH und keinen Nutzen als Zusatz zu Pergolid; die Evidenz stuft sie als niedrig ein 1. Standardbehandlung ist tägliches Pergolid 2. Willst du Mönchspfeffer trotzdem füttern, stimme das vorher mit deiner Tierarztpraxis ab.
Was Mönchspfeffer ist
Mönchspfeffer ist die Frucht des Keuschlamms (Vitex agnus-castus). Beim Menschen beschreibt die EU-Arzneimittelbehörde mögliche dopaminerge und östrogene Wirkungen 3.
Bei Pferden wird Mönchspfeffer vor allem im Zusammenhang mit PPID gefüttert, einer altersbedingten, langsam fortschreitenden Erkrankung, die oft Cushing genannt wird 2.
Wie die Leitlinie die Studien bewertet
Die Leitlinie der British Equine Veterinary Association hat die vorhandenen Studien nach einem festen Schema bewertet 1.
- Die Studien sind klein und haben keine unbehandelte Kontrollgruppe 1.
- Bewertet wurde oft durch die Besitzer 1.
- In einer Studie verschlechterte sich der Zustand bei 13 von 14 mit Mönchspfeffer behandelten Pferden 1.
| Frage | Bewertung |
|---|---|
| Klinische Zeichen | möglich, Daten widersprüchlich |
| ACTH | kein Effekt |
| Zusatz zu Pergolid | kein Nutzen |
| Evidenz | niedrig, Empfehlung schwach |
Bewertung von Mönchspfeffer bei PPID in der BEVA-Leitlinie 1.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Beim Menschen schließt die EU-Monographie Wechselwirkungen mit Dopaminagonisten nicht aus 3. Pergolid ist ein Dopaminagonist 2. Ob sich das auf das Pferd übertragen lässt, ist nicht untersucht.
Bekommt dein Pferd Pergolid, sprich jede zusätzliche Kräutergabe vorher mit der Tierarztpraxis ab. Das gilt auch für Mischungen, in denen Mönchspfeffer nur eine Zutat ist.
Mönchspfeffer im Turniersport
Die Inhaltsstoffe des Mönchspfeffers stehen nicht namentlich auf der FEI-Liste 2025, die Liste erfasst aber auch Stoffe mit ähnlicher Wirkung 4. Die FN verbietet im Wettkampf Phytotherapeutika allgemein 5. Prüfe vor Turnieren die ADMR-Datenbank 6. Pergolid selbst ist ein Arzneimittel, dessen Turnierregeln du mit der Tierarztpraxis klärst.
Das kannst du mitnehmen
- Die BEVA-Leitlinie bewertet Mönchspfeffer bei PPID mit niedriger Evidenz und schwacher Empfehlung 1.
- Pergolid ist bisher das einzige Mittel mit nachgewiesener Senkung des ACTH 7.
- Für Ergänzungsfutter bei PPID fehlt laut Equine Endocrinology Group der Wirksamkeitsnachweis 2.
- Beim Menschen sind Wechselwirkungen mit Dopaminagonisten nicht ausgeschlossen; Pergolid ist einer 32.
Häufige Fragen
Hilft Mönchspfeffer bei Cushing?
Das ist nicht belegt. Die BEVA-Leitlinie findet keinen Effekt auf ACTH und keinen Nutzen zusätzlich zu Pergolid 1. PPID gehört in tierärztliche Behandlung.
Kann ich Mönchspfeffer statt Pergolid geben?
Nein, nicht als Ersatz. Pergolid ist das einzige Mittel mit nachgewiesener Senkung des ACTH bei PPID 7. Über die Behandlung entscheidet die Tierarztpraxis.
Hilft Mönchspfeffer bei Magenproblemen?
Dazu haben wir keine Studie am Pferd gefunden. Magenbeschwerden gehören tierärztlich abgeklärt, bevor du ein Kraut auswählst.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (7)
- Menzies-Gow NJ, Banse HE, Duff A, Hart N, Ireland JL, Knowles EJ, McFarlane D, Rendle D (2023): BEVA primary care clinical guidelines: Diagnosis and management of equine pituitary pars intermedia dysfunction. Equine Veterinary Journal, doi:10.1111/evj.14009Tierärztliche Leitlinie der British Equine Veterinary Association mit GRADE-Bewertung. Abschnitt 3.6.6 und Tabelle 10: Mönchspfeffer kann einzelne klinische Zeichen verbessern, hat aber keinen nachgewiesenen Effekt auf ACTH. Kein Nutzen als Zusatz zu Pergolid. Evidenz „Low“, Empfehlung „Weak“. Die Studien sind klein, ohne unbehandelte Kontrollgruppe und mit Besitzerbewertung; in einer dritten Studie verschlechterten sich 13 von 14 mit Vitex behandelten Pferden
- Hart K, Bamford N, Bertin FR, Durham A, Frank N, McGowan C, Schott H (Equine Endocrinology Group, 2025): Recommendations for the Diagnosis and Management of Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID). Revised October 2025Tierärztliche Expertenempfehlung, geprüft am 30.09.2026. Summary: altersbedingte, langsam fortschreitende Erkrankung; Prävalenz 20 % bei über 15-jährigen, 30 % bei über 30-jährigen Equiden; Hypertrichose als klassisches Zeichen; Diagnose über ACTH, saisonabhängig zu interpretieren; Behandlung mit täglicher Medikation plus Fütterungsmanagement und Wellness-Care. Tab. 1: klinisches Spektrum (u. a. Muskelabbau, Polyurie/Polydipsie, wiederkehrende Infekte, HAL). Tab. 4: Futterwahl nach Körperzustand und Insulinstatus; bei normalem Insulinstatus (dynamischer Test) keine Kohlenhydrat-Restriktion nötig; viele PPID-Pferde mager bzw. mit Muskelabbau – mehr Fett, Protein und Energie; häufige BCS-Kontrolle; Zahnpflege, Hufpflege, Parasitenkontrolle; gute Lebensqualität, Lebenserwartung nicht zwangsläufig verkürzt. Tab. 5: Wirksamkeit von Ergänzungsfuttern bei PPID wissenschaftlich nicht belegt. Empfehlung für Tierärzte, keine Halteranleitung.
- European Medicines Agency, HMPC (2018): European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus, Revision 1. EMA/HMPC/606742/2017Humanarzneiliche Monographie, angenommen am 27.03.2018. Wegen möglicher dopaminerger und östrogener Wirkung sind Wechselwirkungen mit Dopaminagonisten und Dopaminantagonisten nicht auszuschließen (4.5). Bei Hypophysenerkrankungen in der Vorgeschichte vorher ärztlich abklären (4.4). Nicht auf das Pferd übertragbar – Kontext für den Hinweis, eine Kombination mit Pergolid (Dopaminagonist) tierärztlich abzustimmen
- FEI (2024): 2025 Equine Prohibited Substances List. Fédération Équestre Internationale, Lausanne, Stand 25.11.2024Geprüfte Fassung 2025 (Fassung 2026 war am 18.10.2026 nicht abrufbar). Harpagosid ist als CONTROLLED (Analgetikum) geführt, Valerensäure als CONTROLLED, Capsaicin als BANNED. Silibinin/Silymarin, Vitex-Inhaltsstoffe (Agnusid, Casticin), Brennnessel, Hagebutte und Ascorbinsäure sind nicht namentlich gelistet. Auffangklausel: Verboten sind auch Stoffe mit ähnlicher chemischer Struktur oder ähnlicher biologischer Wirkung. Die Liste wird jährlich überarbeitet; maßgeblich ist immer die tagesaktuelle Fassung
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln für den Pferdesport (ADMR) mit Verbotsliste Anhang I–IIIRegelwerk mit eigener FN-Verbotsliste (Art. 4.1). Anhang II (unerlaubte Medikation, im Wettkampf verboten) nennt unter dem Muskel-Skelett-System ausdrücklich „Harpagophytum Procumbens (Teufelskralle)“ und listet unter „Darüber hinaus sind verboten“ allgemein „Phytotherapeutika, wie z.B. Arnika, Ingwer“. Auffangklausel für Stoffe mit ähnlicher Struktur oder Wirkung. Verantwortliche haften persönlich für alles, was dem Pferd verabreicht wird (Art. 2.1.1), auch bei verunreinigten Futterergänzungsmitteln (Kommentar zu Art. 10.4). Das Dokument trägt kein Stand-Datum
- FN – Anti-Doping und Medikation (ADMR-Suchmaschine)Offizielle Datenbank der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu Substanzen und Karenzzeiten im Turniersport
- Kritchevsky JE (2024): Hypertrichosis Associated with Adenomas of the Pars Intermedia. Merck Veterinary ManualFachübersicht, vollständige Prüfung September 2024, Aktualisierung Mai 2025: PPID wird mit oralem Pergolid kontrolliert. Pergolid ist derzeit das einzige Mittel mit nachgewiesener Senkung des endogenen ACTH bei PPID. Erwähnt Mönchspfeffer nicht