Sicher ergänzen7 Min. Lesezeit
Redaktionelle Prüfung ausstehend

Dieser Artikel ist fachlich noch nicht freigegeben. Die Angaben beruhen auf den unten aufgeführten Quellen.

Cushing beim Pferd (PPID): Was die Fütterung leisten kann

Warum PPID eine tierärztliche Diagnose bleibt, weshalb sich die Fütterung nach Insulinstatus und Körperzustand richtet und was Heuanalyse, Zähne und Mineralversorgung dabei klären.

Ein älteres Pferd mit dichtem Winterfell steht ruhig im Paddock neben einem engmaschigen Heunetz und einem Wassertrog; am Zaunpfahl hängt ein Beutel für eine Heuprobe.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Cushing beim Pferd, fachlich PPID, ist eine altersbedingte Erkrankung, die tierärztlich diagnostiziert und behandelt wird. Futter behandelt PPID nicht. Die Ration richtet sich nach Körperzustand und danach, ob zusätzlich eine Insulindysregulation vorliegt: Dann sind zucker- und stärkeärmere Futtermittel und begrenzter Weidegang angezeigt. Bei normalem Insulinstatus ist laut Leitlinie keine Kohlenhydrat-Restriktion nötig 1.

Was ist Cushing beim Pferd – und was kann Fütterung dabei leisten?

PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction), umgangssprachlich Cushing, ist eine langsam fortschreitende, altersbedingte Erkrankung: Nervenzellen im Hypothalamus gehen zugrunde, und ein Teil der Hirnanhangsdrüse schüttet vermehrt Hormone wie ACTH aus. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter und erreicht laut Leitlinie etwa 20 % bei Equiden über 15 Jahren und 30 % bei Tieren über 30 Jahren 1.

Diagnose und Behandlung sind tierärztliche Aufgaben. Die Leitlinie beschreibt als Basis der Behandlung eine tägliche Medikation, kombiniert mit passendem Fütterungsmanagement und allgemeiner Gesundheitsvorsorge 1. Die Fütterung behandelt PPID also nicht. Sie passt die Ration an Körperzustand und Stoffwechsellage an. Für Ergänzungsfutter zur Behandlung von PPID fehlt bislang ein Wirksamkeitsnachweis 1.

Warum entscheidet der Insulinstatus über Zucker und Stärke?

PPID geht häufig mit einer Insulindysregulation einher; die Leitlinie empfiehlt deshalb, den Insulinstatus zusammen mit PPID zu untersuchen 1. Die EMS-Empfehlungen derselben Fachgruppe nennen eine Insulindysregulation bei etwa 30 % der PPID-Pferde und raten, Pferde über zehn Jahren auf beide Störungen zu testen 2.

Für die Fütterung ist das der entscheidende Unterschied. Nichtstrukturkohlenhydrate (NSC), also Zucker, Fruktan und Stärke, sind der wichtigste Auslöser der Insulinausschüttung 2. Pferde mit PPID und Insulindysregulation brauchen deshalb NSC-ärmere Futtermittel und begrenzten Weidezugang. PPID-Pferde mit per Test bestätigtem normalem Insulinstatus benötigen laut Leitlinie keine kohlenhydratreduzierte Ration 1.

Die Jahreszeit spielt mit: Insulinwerte sind im Winter tendenziell höher. Die Leitlinie rät, in den Wintermonaten Überfütterung und zusätzliche NSC-reiche Futtermittel zu vermeiden 2.

AusgangslageSchwerpunkt der Fütterung
PPID, Insulinstatus normal, mager oder MuskelabbauKeine Kohlenhydrat-Restriktion nötig; mehr Fett, Protein und Energie, z. B. über Seniorfutter, Weide, Fettzulagen oder luzernebasierte Futtermittel 1
PPID mit InsulindysregulationNSC-ärmere Futtermittel und begrenzter Weidezugang 1
PPID mit Insulindysregulation und ÜbergewichtZusätzlich Energiezufuhr senken, Gewicht kontrolliert und begleitet reduzieren 2

Vereinfachte Zuordnung nach der Leitlinie; die Einordnung deines Pferdes trifft die Tierärztin oder der Tierarzt.

Welche Heuwerte brauchst du – und was zeigt die Heuanalyse?

Für Pferde mit Insulindysregulation empfehlen die Fachleitlinien Heu mit weniger als 10 % NSC 23. NSC wird dabei als Summe aus wasserlöslichen Kohlenhydraten und Stärke berechnet. Ältere Rechenwege per Differenz, die als NFC ausgewiesen werden, enthalten weitere Bestandteile ohne Einfluss auf das Insulin und werden dafür nicht mehr empfohlen 2.

Prüfe deshalb, was dein Befund tatsächlich enthält. Im geprüften Laborauftrag umfasst das Inhaltsstoffpaket Heu unter anderem Zucker, Fruktan und NFC; Stärke ist eine eigene Zusatzuntersuchung 4. Achte beim Vergleich auch darauf, ob sich ein Wert auf Frisch- oder Trockensubstanz bezieht 5.

Wässern kann den Zuckergehalt senken, aber nicht verlässlich: In einer Studie lag der mittlere Verlust bei 27 % mit einer Spanne von 6 bis 54 % 6. Gleichzeitig gehen Mineralstoffe verloren 7. Ein analysiertes Heu ist deshalb die belastbarere Grundlage als ein geschätzter Wässerungseffekt.

  • Die tatsächlich gefütterte Heucharge beproben und den Befund dieser Charge zuordnen.
  • Zucker, Fruktan und Stärke mit Einheit und Bezugsbasis notieren.
  • NFC nicht als NSC-Wert übernehmen.
  • Bei einem Chargenwechsel den alten Befund nicht einfach weiterverwenden.

Wie fütterst du ein älteres PPID-Pferd, das abbaut?

Viele Pferde mit PPID sind mager oder bauen Muskulatur ab. Sie können laut Leitlinie von mehr Fett, Protein und Energie profitieren, etwa über hochwertiges Seniorfutter, Weidegang, Fettzulagen oder luzernebasierte Futtermittel, sofern der Insulinstatus das zulässt 1. Liegt zugleich eine Insulindysregulation vor, sehen die EMS-Empfehlungen für magere Pferde eine NSC-arme Ration vor, die zusätzliche Energie über Fett und hochwertige Faser liefert, bei weiterhin begrenztem Weidezugang 2.

Der Bedarf älterer Pferde kann sich mit der Zeit ändern. Die Leitlinie empfiehlt Haltern deshalb, den Körperzustand häufig zu kontrollieren 1. Der Body Condition Score beurteilt Fettreserven anhand sicht- und fühlbarer Merkmale und ergänzt das Gewicht 8.

Auch die Zähne gehören dazu: Die Leitlinie hebt Zahnpflege neben Hufpflege und Parasitenkontrolle hervor 1. Kann ein Pferd Langheu nicht mehr gut kauen, gelten gehäckselte Raufutter, Cobs oder Pellets als Ersatz. Eingeweicht verringern sie bei manchen Pferden das Risiko einer Schlundverstopfung 9.

Braucht ein Cushing-Pferd besondere Mineralstoffe oder Zusätze?

Eine spezielle PPID-Mineralmischung lässt sich aus den geprüften Leitlinien nicht ableiten. Für Ergänzungsfutter zur Behandlung von PPID fehlt ein Wirksamkeitsnachweis 1. Zu Magnesium und Chrom beschreibt der EMS-Konsens einzelne Hinweise auf eine verbesserte Insulinregulation, die andere Studien nicht bestätigt haben 3. Das ist kein Beleg für eine Wirkung bei PPID.

Die Grundversorgung muss trotzdem stimmen. Wird die Ration eingeschränkt oder das Heu gewässert, können Protein, Mineralstoffe und Vitamine knapp werden. Diese Nährstoffe sollen dann gezielt ausgeglichen werden 3, laut Leitlinie mit einer zuckerarmen Mineral-, Vitamin- und Proteinergänzung 2.

Rechne dafür die Gesamtration: Heu, Weide, Kraftfutter und alle Zusätze zusammen. Erst die Bilanz gegen den Bedarf zeigt, ob eine Lücke besteht oder ob ein weiteres Produkt zu einer Doppelversorgung führt 5.

Was gehört ins Gespräch mit Tierärztin oder Tierarzt?

PPID ist eine Langzeitbegleitung. Die Fachgruppe empfiehlt, ältere Pferde regelmäßig erneut auf Insulinstatus und PPID zu untersuchen, weil Alter und PPID eine Insulindysregulation verstärken können 2. Gute Unterlagen machen Fütterungsentscheidungen nachvollziehbar.

  • Testergebnisse zu ACTH und Insulin mit Datum, denn die Jahreszeit beeinflusst die Auswertung 1.
  • Verlauf von Gewicht und Body Condition Score.
  • Heuanalyse mit Chargenbezeichnung sowie tägliche Heumenge.
  • Weidezeiten und Weidezustand.
  • Alle weiteren Futtermittel, Leckerli und Ergänzungen mit Tagesmengen.
  • Befunde von Zahn- und Hufkontrolle.

Das kannst du mitnehmen

  • Diagnose und Behandlung gehören in tierärztliche Hand; für Ergänzungsfutter bei PPID fehlt ein Wirksamkeitsnachweis 1.
  • Ob die Ration zucker- und stärkearm sein muss, entscheidet der getestete Insulinstatus, nicht die Diagnose PPID allein 12.
  • Viele PPID-Pferde sind mager oder bauen Muskeln ab; kontrolliere den Körperzustand regelmäßig 1.

Häufige Fragen

Was darf ein Pferd mit Cushing fressen?

Das hängt von Körperzustand und Insulinstatus ab. Pferde mit PPID und Insulindysregulation brauchen laut Leitlinie NSC-ärmere Futtermittel und begrenzten Weidezugang. Magere Pferde mit normalem Insulinstatus können dagegen von mehr Fett, Protein und Energie profitieren 1. Den Insulinstatus klärt ein tierärztlicher Test.

Braucht jedes Cushing-Pferd zuckerarmes Heu?

Nein. Die Leitlinie hält fest, dass PPID-Pferde mit per dynamischem Test bestätigtem normalem Insulinstatus keine kohlenhydratreduzierte Ration benötigen 1. Liegt eine Insulindysregulation vor, wird Heu mit weniger als 10 % NSC empfohlen 2.

Was ist zu Kräutern wie Mönchspfeffer bei PPID belegt?

Für Ergänzungsfutter zur Behandlung von PPID fehlt laut der tierärztlichen Leitlinie bislang ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis 1. Die Behandlung legt die Tierärztin oder der Tierarzt fest.

Wie alt wird ein Pferd mit Cushing?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Laut Leitlinie berichten die meisten Halter von einer guten Lebensqualität ihrer PPID-Pferde, und die Erkrankung verkürzt die Lebenserwartung nicht zwangsläufig. Weil die meisten Tiere alt sind, bleiben andere Alterserkrankungen ein Thema 1.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (9)
  1. Hart K, Bamford N, Bertin FR, Durham A, Frank N, McGowan C, Schott H (Equine Endocrinology Group, 2025): Recommendations for the Diagnosis and Management of Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID). Revised October 2025Tierärztliche Expertenempfehlung, geprüft am 30.09.2026. Summary: altersbedingte, langsam fortschreitende Erkrankung; Prävalenz 20 % bei über 15-jährigen, 30 % bei über 30-jährigen Equiden; Hypertrichose als klassisches Zeichen; Diagnose über ACTH, saisonabhängig zu interpretieren; Behandlung mit täglicher Medikation plus Fütterungsmanagement und Wellness-Care. Tab. 1: klinisches Spektrum (u. a. Muskelabbau, Polyurie/Polydipsie, wiederkehrende Infekte, HAL). Tab. 4: Futterwahl nach Körperzustand und Insulinstatus; bei normalem Insulinstatus (dynamischer Test) keine Kohlenhydrat-Restriktion nötig; viele PPID-Pferde mager bzw. mit Muskelabbau – mehr Fett, Protein und Energie; häufige BCS-Kontrolle; Zahnpflege, Hufpflege, Parasitenkontrolle; gute Lebensqualität, Lebenserwartung nicht zwangsläufig verkürzt. Tab. 5: Wirksamkeit von Ergänzungsfuttern bei PPID wissenschaftlich nicht belegt. Empfehlung für Tierärzte, keine Halteranleitung.
  2. Bertin FR, Bailey S, Burns T, de Laat M, Durham A, Frank N, Kritchevsky J, Menzies-Gow N (Equine Endocrinology Group, 2024): Recommendations for the Diagnosis and Management of Equine Metabolic Syndrome (EMS) and Insulin Dysregulation. Revised June 2024Tierärztliche Expertenempfehlung, geprüft am 30.09.2026. Tab. 1: HAL ist mit über 90 % die häufigste Hufreheform; NSC = wasserlösliche Kohlenhydrate plus Stärke, NFC-Subtraktionsformeln nicht mehr empfohlen; NSC als Hauptauslöser der Insulinausschüttung. Risikofaktoren: NSC-reiche Ration, Alter, PPID; Übergewicht verstärkend, aber nicht konstant. Tab. 5: Heu < 10 % NSC; zur Gewichtsabnahme 1,5 % der Körpermasse als Trockensubstanz (1,7 % wie gefüttert), Kontrolle alle 30 Tage, Untergrenze 1,2 %; Stress vermeiden wegen Hyperlipämierisiko; Stroh bis ca. 50 % schrittweise; Heu ≥ 60 Min. in kaltem Wasser wässern, wenn NSC > 10 % oder nicht analysiert; Heunetz/kleine Mahlzeiten; zuckerarmer Mineral-/Vitamin-/Proteinausgleich; Weide begrenzen, Wiederaufnahme erst nach abgeklungener Rehe und Insulintest; Weide-NSC schwankt mit Temperatur, Licht, Niederschlag, Düngung; höhere Insulinwerte im Winter; Bewegung nur ohne aktive Hufrehe. FAQ: Insulindysregulation bei etwa 30 % der PPID-Pferde; ab 10 Jahren auf PPID und ID testen. Empfehlung für Tierärzte, keine Halteranleitung.
  3. Durham AE et al. (2019): ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine 33:335–349Abschnitte 2–3 und 7: Übergewicht ist keine EMS-Diagnose; Rationsanpassung, Monitoring und Bewegung müssen bei Risikopferden tierärztlich begleitet werden. Klinische Restriktionsprotokolle werden nicht als allgemeine Halterempfehlung übernommen.
  4. LUFA Nord-West: Untersuchungsauftrag Pferdefutter 2026/27S. 1: Untersuchungspakete und Preise pro Probe zzgl. MwSt.; S. 2: Untersuchungsumfang, Probenmengen und Versand. Preisstand 2026/27, geprüft am 28.09.2026; kein Equivora-Angebot.
  5. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  6. Longland AC, Ince J, Harris PA (2011): Effects of soaking on the water-soluble carbohydrate and crude protein content of hay. Veterinary Record 168(23):618Wässern (bis 16 Std., ~8 °C) senkt wasserlösliche Kohlenhydrate im Mittel um 27 % (Bandbreite 6–54 %, Fruktan ~24 %), Rohprotein bleibt statistisch unverändert
  7. Martinson K, Jung H, Hathaway M, Sheaffer C (2012): The effect of soaking on protein and mineral loss in Orchardgrass and Alfalfa hay. Journal of Equine Veterinary Science 32(12):776–782Wässern (15–60 Min. bzw. 12 Std.) reduziert Kalium (bis 80 %), Phosphor (bis 65 %) und Magnesium (bis 45 %) je nach Dauer/Temperatur; Rohprotein-Effekt uneinheitlich/gering
  8. Henneke DR, Potter GD, Kreider JL, Yeates BF (1983): Relationship between condition score, physical measurements and body fat percentage in mares. Equine Veterinary Journal 15(4):371–372Originalpublikation zum Body Condition Score; bibliografisch geprüft. Die Anwendung und Grenzen werden ergänzend durch pferdespezifische Fachübersichten belegt.
  9. Liburt NR (2026): Feeding Practices in Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Raufutterbasis, Kraftfutter nach Bedarf, Kleie/Mash und Ca:P-Ausgleich, langsame Futterumstellung. Keine Wirksamkeitsstudie zu kommerziellen Mash-Produkten.