Nährstoffe im Detail7 Min. Lesezeit
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Magnesium beim Pferd: Bedarf, Heu und was Zufüttern bringt

Wie viel Magnesium ein Pferd je kg Körpergewicht braucht, wie viel davon schon im Heu steckt, wann Zufüttern nichts bringt und was an der beworbenen Beruhigung belegt ist.

Stillleben mit einem Bündel Wiesenheu mit Klee, einer Holzschaufel mit weißem Mineralpulver, einer Keramikschale mit hellen Körnchen, Kleeblättern und einem leeren Analyseblatt mit Linien und Pflanzenzeichnung; im Hintergrund eine Weide.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Nach GfE braucht ein erwachsenes Pferd für die Erhaltung 53 mg Magnesium je kg metabolischer Körpermasse, bei 500 kg rund 5,6 g am Tag. Das NRC rechnet mit 15 mg je kg Körpergewicht, also 7,5 g 12. Grasheu enthielt in einer bayerischen Untersuchung im Mittel 1,8 g je kg Trockensubstanz 3. Ob Zufüttern nötig ist, zeigt deshalb erst die Rechnung mit deinem Heu.

Wie viel Magnesium braucht ein Pferd pro kg Körpergewicht?

Die GfE gibt den Erhaltungsbedarf für Magnesium mit 53 mg je kg metabolischer Körpermasse (KM^0,75) und Tag an 45. Weil der Bedarf nicht linear mit dem Gewicht steigt, braucht ein doppelt so schweres Pferd nicht doppelt so viel. Die Gruber Tabelle rechnet das für gängige Gewichte aus 1.

Das NRC rechnet dagegen linear mit 15 mg je kg Körpergewicht und Tag 26. Je schwerer das Pferd, desto weiter liegen die beiden Referenzen auseinander. Wir nennen deshalb beide Werte, statt einen auszuwählen.

KörpergewichtGfENRC
200 kg2,8 g3,0 g
400 kg4,7 g6,0 g
500 kg5,6 g7,5 g
600 kg6,5 g9,0 g
800 kg7,9 g12,0 g

Magnesium-Erhaltungsbedarf je Tag. GfE-Werte aus der Gruber Tabelle; NRC-Spalte von uns aus 15 mg je kg Körpergewicht berechnet.

Wie sicher sind diese Bedarfswerte?

Weniger sicher, als die Tabellen wirken. Eine Metaanalyse aus 42 Studien fand bei Ponys geringere körpereigene Magnesiumverluste über den Kot als bei Pferden. Faktoriell gerechnet brauchten Ponys danach etwa die Hälfte, Pferde das 1,9-Fache der Vergleichsempfehlung von Kienzle und Burger; im Gesamtmittel passte das Ergebnis zu den bisherigen Werten 7.

Auch bei der Arbeit sind sich die Referenzen nicht einig. Die Gruber Tabelle führt für leichte bis schwere Arbeit dieselben Magnesiumwerte wie für die Erhaltung 1. Die tierärztliche Referenz nennt für wachsende, laktierende und arbeitende Pferde dagegen einen möglicherweise doppelten Bedarf 8. Die Tabellenwerte sind deshalb eine Orientierung für die Rationsrechnung, keine scharfe Grenze.

Wie viel Magnesium steckt im Heu?

In einer Untersuchung von Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungen lag der Mittelwert bei 1,8 g Magnesium je kg Trockensubstanz. Die Spanne reichte von 0,7 bis 5,3 g. Erste Schnitte enthielten im Mittel 1,5 g, spätere Schnitte 2,6 g je kg Trockensubstanz 3. Proben überwiegend grasbetonten Heus aus einem kommerziellen Futtermittellabor lagen laut der tierärztlichen Referenz bei 0,15–0,31 % Magnesium 2.

Ein frei gewähltes Rechenbeispiel, keine reale Probe: Ein 500-kg-Pferd frisst 10 kg Heu mit 85 % Trockensubstanz, also 8,5 kg Trockensubstanz. Beim Mittelwert von 1,8 g/kg sind das rund 15,3 g Magnesium am Tag. Beim niedrigsten gemessenen Wert von 0,7 g/kg wären es knapp 6,0 g. Das läge noch über dem GfE-Wert von 5,6 g, aber unter dem NRC-Wert von 7,5 g 312.

Das Beispiel zeigt beides: Mit ausreichend Heu ist der Bedarf häufig gedeckt. Bei knapper Heumenge, magerem ersten Schnitt oder Heuersatz kann es knapper werden. Welcher Fall bei dir vorliegt, sagt nur die Analyse deiner Charge.

Woran erkennst du einen Magnesiummangel?

Ein fütterungsbedingter Magnesiummangel ist beim Pferd sehr selten. Die tierärztliche Referenz nennt als Ausnahme extreme Situationen, in denen verringerte Aufnahme und erhöhter Bedarf zusammenkommen, etwa lange Transporte laktierender Stuten ohne Futter oder eine längere magnesiumarme Infusionstherapie 8.

Aus Schreckhaftigkeit, Nervosität oder Verspannungen lässt sich deshalb kein Magnesiummangel ableiten. Tierärztlich kann die Versorgung unter anderem über den Anteil des ausgeschiedenen Magnesiums im Harn beurteilt werden; bei gesunden Pferden an Grasheu liegt er bei 15–35 %, Werte unter 6 % sprechen für eine zu geringe Aufnahme 8.

Beruhigt Magnesium ein nervöses Pferd?

Magnesium wird oft zur Beruhigung beworben; genau dieser Einsatz ist am schlechtesten belegt. Die tierärztliche Referenz hält es für unwahrscheinlich, dass niedrig dosierte Magnesiumzusätze das Verhalten beeinflussen. Für die üblicherweise empfohlenen 3–10 g erwartet sie keinen nennenswerten klinischen Nutzen 8.

Die oft angeführte Studie ist ein Kongressabstract mit sechs Wallachen. Sie bekamen zu einer bereits bedarfsdeckenden Ration 10 g Magnesiumaspartat; gemessen wurde die Reaktionsgeschwindigkeit, nicht Ruhe oder Rittigkeit 9. Daraus folgt keine Beruhigungswirkung im Stallalltag.

Für Kombinationsprodukte, etwa Magnesium mit Tryptophan, gilt dieselbe Prüfung: Rechne den Magnesiumgehalt mit der Tagesmenge in die Ration ein und lies Beruhigungsversprechen nicht als Beleg. Futtermittel dürfen keine krankheitsbezogenen Heilversprechen tragen 10.

Kläre die Ursache von Nervosität mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt und im Training, statt sie mit einem Zusatz zu überdecken.

Wie rechnest du eine Magnesium-Dosierung richtig?

Auf der Packung steht oft die Menge einer Verbindung, im Bedarf zählt aber das enthaltene Magnesium. Wie groß der Unterschied ist, zeigt die tierärztliche Referenz: Den gesamten Erhaltungsbedarf eines 500-kg-Pferdes liefern etwa 16 g Magnesiumoxid, 32 g Magnesiumcarbonat oder 47 g Magnesiumsulfat 8. Das ist ein Umrechnungsbeispiel, keine Zufütterungsempfehlung, denn das Heu liefert bereits Magnesium.

Ein frei gewähltes Beispiel, keine Produktdeklaration: Enthält ein Ergänzungsfutter 100 g Magnesium je kg und fütterst du 30 g täglich, sind das 0,03 kg × 100 g/kg = 3 g Magnesium. Die analytischen Bestandteile der Deklaration geben dir den Gehalt 10. Addiere den Beitrag zu Heu, Kraftfutter und Mineralfutter, bevor du ihn mit dem Bedarf vergleichst.

  • Magnesiumgehalt aus den analytischen Bestandteilen ablesen, nicht die Menge der Verbindung.
  • Mit der tatsächlich gefütterten Tagesmenge multiplizieren.
  • Beiträge aller Produkte und des Grundfutters addieren.
  • Erst dann mit dem Bedarf deines Pferdes vergleichen.

Kann zu viel Magnesium schaden?

Bei gesunder Nierenfunktion wird ein Magnesiumüberschuss gut über die Nieren ausgeschieden. Das heißt nicht, dass mehr folgenlos bleibt: Die tierärztliche Referenz weist darauf hin, dass eine übermäßige Langzeitergänzung das Risiko für Darmsteine (Enterolithen) erhöhen kann 8.

Ein Überschuss kann auch ohne ein einzelnes hoch dosiertes Produkt entstehen, nämlich aus der Summe von Mineralfutter, mineralisiertem Müsli und einem zusätzlichen Magnesiumprodukt. Prüfe deshalb zuerst, was deine Ration schon liefert, und ergänze nur eine berechnete Lücke.

Das kannst du mitnehmen

  • Ein fütterungsbedingter Magnesiummangel ist beim Pferd sehr selten 8.
  • Das Heu liefert meist den größten Teil, streut aber stark: In einer Untersuchung lagen die Proben zwischen 0,7 und 5,3 g je kg Trockensubstanz 3.
  • Für eine beruhigende Wirkung üblicher Magnesiumgaben gibt es keinen belastbaren Beleg 89.

Häufige Fragen

Wie viel Magnesium braucht ein Pferd pro Tag?

Für ein erwachsenes 500-kg-Pferd in Erhaltung nennt die Gruber Tabelle nach GfE 5,6 g, für 600 kg 6,5 g täglich 1. Das NRC rechnet mit 15 mg je kg Körpergewicht; das ergibt 7,5 g bzw. 9 g 2. Beide Werte meinen die Gesamtaufnahme aus allen Futtermitteln, nicht die Menge eines Zusatzes.

Beruhigt Magnesium mein Pferd?

Belastbar belegt ist das nicht. Die tierärztliche Referenz hält es für unwahrscheinlich, dass niedrig dosierte Magnesiumzusätze das Verhalten beeinflussen, und erwartet von 3–10 g keinen nennenswerten Nutzen 8. Die oft zitierte Studie umfasst sechs Pferde und maß die Reaktionsgeschwindigkeit, nicht Ruhe 9.

Wie erkenne ich einen Magnesiummangel beim Pferd?

Nicht am Verhalten. Ein Mangel über das Futter ist sehr selten und entsteht vor allem, wenn verringerte Aufnahme und erhöhter Bedarf zusammenkommen 8. Tierärztlich lässt sich die Versorgung unter anderem über die Magnesiumausscheidung im Harn beurteilen 8. Unruhe oder Muskelzittern gehören tierärztlich abgeklärt, nicht mit einem Zusatz behandelt.

Kann ein Pferd zu viel Magnesium bekommen?

Bei gesunden Nieren wird ein Überschuss gut ausgeschieden. Die tierärztliche Referenz weist aber darauf hin, dass eine übermäßige Langzeitergänzung das Risiko für Darmsteine (Enterolithen) erhöhen kann 8. Mehr als die Ration braucht, ist also kein Sicherheitspuffer.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (11)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  2. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
  3. Möllmann F (2007): Analysen und Abschätzung des Mineralstoffgehaltes in Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungsbetrieben. Diss. med. vet., LMU MünchenGrasheu-Proben aus oberbayerischen Pferdehaltungen; empirische Datenbasis für die Mineralstoffgehalte (Ca, P, Mg u. a.) von deutschem Grasheu mit großer Streuung nach Standort, Boden und Aufwuchs. Open Access.
  4. Kienzle, Pankratz & Zeyner (2023) – Kompendium zur Rationsberechnung für PferdeAutorengemeinschaft Pferdewissen (Kienzle/Pankratz, LMU München; Zeyner, Univ. Halle-Wittenberg); Eigenverlag Oberschleißheim, ISBN 978-3-00-075668-9. Kein Link – Eigenverlag, nicht frei zugänglich.
  5. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  6. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  7. Maier I, Kienzle E (2024): A Meta-Analysis on Quantitative Calcium, Phosphorus and Magnesium Metabolism in Horses and Ponies. Animals 14(19):2765 (LMU München)Meta-Analyse: Schweißverluste von Ca, P und Mg sind so gering, dass kein zusätzlicher arbeitsbedingter Bedarf angesetzt wird. Zum Mg rechnet sie den Ersatz endogener Kotverluste und trennt nach Gewicht (Pferde > 300 kg: 37, Ponys < 300 kg: 11 mg/kg metabolische Körpermasse; ein zeitweise schwereres Pony blieb der Ponygruppe zugeordnet); die Vergleichsfaktoren (Pferde rund 1,9×, Ponys rund ½) beziehen sich auf Kienzle & Burger (20 mg/kg), nicht auf die GfE
  8. Merck Veterinary Manual: Magnesium as an Equine Dietary SupplementTierärztliches Standardnachschlagewerk: Absorption des Futter-Magnesiums 30–60 %; weidend bzw. heugefütterte Pferde sind selten Mg-defizitär; geringdosierte Mg-Gaben beeinflussen das Verhalten wahrscheinlich nicht, eine Sedierung tritt erst bei sehr hohen Dosen auf.
  9. Dodd J, Doran G, Harris P, Noble G (2015): Magnesium aspartate supplementation and reaction speed response in horses. Journal of Equine Veterinary Science 35(5):401–402Kongressabstract, 6 Standardbred-Wallache: 10 g Magnesiumaspartat zusätzlich zu einer bereits bedarfsdeckenden Ration verkürzte eine gemessene Reaktionsgeschwindigkeit von 5,3 auf 3,1 m/s. Sehr kleine Tierzahl, Endpunkt Reaktionstempo (nicht „Ruhe“) — schwache Evidenz.
  10. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  11. FN – Anti-Doping und Medikation (ADMR-Suchmaschine)Offizielle Datenbank der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu Substanzen und Karenzzeiten im Turniersport