Nährstoffe im Detail9 Min. Lesezeit
Redaktionelle Prüfung ausstehend

Dieser Artikel ist fachlich noch nicht freigegeben. Die Angaben beruhen auf den unten aufgeführten Quellen.

Calcium, Phosphor und Magnesium beim Pferd

Die drei Mengenelemente aus dem Grundfutter. Was GfE und NRC an Bedarf nennen, warum eine ausreichende Grasheu-Ration sie meist schon deckt, weshalb das Ca:P-Verhältnis wichtiger ist als der Einzelwert und was an der viel beworbenen Magnesium-Ergänzung wirklich belegt ist.

Gräser, Heu und drei Schalen mit Mineralgranulaten neben einem leeren Analyseblatt.
Erklärende Illustration · Equivora

Calcium, Phosphor und Magnesium sind die drei Mengenelemente, die eng zusammengehören – und über die im Stall die meisten Halbwahrheiten kursieren. Anders als bei Natrium und Chlorid, die eine eigene Logik und einen eigenen Artikel haben, kommen diese drei überwiegend aus demselben Ort: dem Raufutter.

Calcium und Phosphor sind die mengenmäßig dominierenden Knochenmineralien; Calcium steuert daneben Muskel- und Nervenreizung sowie die Blutgerinnung, Phosphor ist Baustein der Energieträger (ATP) und der Zellmembranen 12. Magnesium ist Kofaktor zahlreicher Enzyme und an der Muskel- und Nervenfunktion beteiligt; rund 60 % des Körper-Magnesiums sitzen im Skelett 32.

Wie viel braucht das Pferd?

Wie schon bei Zink und Kupfer lohnt der Blick auf beide Referenzwerke, weil sie unterschiedlich rechnen. Die GfE bezieht den Bedarf auf das metabolische Körpergewicht (KM^0,75) und nennt für die Erhaltung 0,164 g Calcium, 0,113 g Phosphor und 0,053 g Magnesium je kg KM^0,75 und Tag 45. Tabelliert in der Gruber Tabelle ergibt das für gängige Gewichte 67:

MengenelementGfE 500 kgGfE 600 kgNRC 500 kgNRC 600 kg
Calcium17,5 g20,1 g20 g24 g
Phosphor12,1 g13,9 g14 g16,8 g
Magnesium5,6 g6,5 g7,5 g9,0 g

Erhaltungsbedarf je Tag. GfE nach metabolischem Körpergewicht, NRC linear je kg Körpermasse.

Das NRC rechnet linear pro Kilogramm Körpergewicht: 40 mg Calcium, 28 mg Phosphor und 15 mg Magnesium je kg Körpermasse und Tag 18. Für ein 500-kg-Pferd sind das 20 g Calcium, 14 g Phosphor und 7,5 g Magnesium.

Das NRC liegt bei allen drei Mineralien höher als die GfE, und die Differenz wächst mit dem Körpergewicht – weil NRC linear, die GfE aber metabolisch skaliert. Beim Magnesium eines 600-kg-Pferdes stehen 6,5 g (GfE) gegen 9,0 g (NRC), rund 38 % Unterschied. Wir nennen deshalb beide Werte, statt einen auszuwählen oder zu mitteln.

Das Ca:P-Verhältnis schlägt den Einzelwert

Bei Calcium und Phosphor zählt nicht nur, wie viel von jedem in der Ration steckt, sondern ihr Verhältnis zueinander. Empfohlen ist ein Ca:P in der Gesamtration von etwa 1,5:1 bis 2:1; es soll 1:1 nicht unterschreiten 18. Der GfE-Bedarf selbst liegt bei rund 1,45:1 – wer beide Bedarfe deckt, landet automatisch im Zielband 5.

Nach oben ist das Pferd erstaunlich tolerant, solange der Phosphor-Mindestbedarf gedeckt bleibt: Erwachsene Pferde vertragen deutlich weitere Verhältnisse 81. Der kritische Fall ist das umgekehrte Verhältnis – mehr Phosphor als Calcium. Ein Phosphorüberschuss hemmt die Calciumaufnahme im Darm und kann Skelettveränderungen begünstigen 81. Physiologisch dahinter: Phosphor wird beim Pferd nur zu einem kleineren Anteil wahr verdaulich absorbiert als Calcium, sodass eine hohe Phosphorzufuhr Calcium bindet und den Regelkreis verschiebt 52.

Was das Grundfutter liefert

Grasheu enthält der Größenordnung nach 3–6 g Calcium, 2–3,5 g Phosphor und 1–2,5 g Magnesium je kg Trockensubstanz, mit erheblicher Streuung nach Standort, Boden, Aufwuchs und Botanik 9. Rechnet man das für ein 500-kg-Pferd mit rund 10 kg Heu-Trockensubstanz durch, ergibt sich ein klares Bild: Selbst am unteren Rand der plausiblen Gehalte ist der Erhaltungsbedarf an allen drei Mineralien gedeckt – bei Calcium mit deutlicher Reserve.

Grassilage und Heulage unterscheiden sich auf Trockensubstanz-Basis kaum von Heu; die Konservierung verändert die Mineralkonzentration nur mäßig 9. Luzerne dagegen ist als Leguminose ausgesprochen calciumreich – ein Mehrfaches von Grasheu bei ähnlichem Phosphorgehalt – und weitet das Ca:P entsprechend 21.

Magnesium: meist gedeckt, „beruhigend" nicht belegt

Magnesium ist der Nährstoff mit der größten Lücke zwischen Werbung und Beleglage. Bei Pferden, die ausreichend Weide, Heu und Kraftfutter aufnehmen, ist ein Magnesiummangel unwahrscheinlich – Raufutter liefert in aller Regel genug, und das Pferd absorbiert 30–60 % des Futter-Magnesiums 35.

Die beworbene beruhigende Wirkung ist beim ausreichend versorgten Pferd nicht belastbar belegt. Die tierärztliche Referenz stuft geringdosierte Magnesiumgaben als wahrscheinlich verhaltensunwirksam ein; eine echte Sedierung tritt erst bei sehr hohen Dosen auf, die über normale Ergänzung nicht erreichbar sind 3. Die Studienlage ist dünn: Eine kleine Untersuchung an sechs Wallachen, die zusätzlich zu einer bereits bedarfsdeckenden Ration 10 g Magnesiumaspartat bekamen, verkürzte eine gemessene Reaktionsgeschwindigkeit von 5,3 auf 3,1 m/s – ein Kongressabstract mit sehr kleiner Tierzahl, das Reaktionstempo misst, nicht „Ruhe" 12.

Wie viel ist zu viel?

Anders als für Selen, Jod, Kupfer, Zink und Mangan gibt es für Calcium, Phosphor und Magnesium keinen EU-rechtlichen Höchstgehalt in Allein- oder Ergänzungsfutter – diese Mengenelemente stehen nicht auf der Liste der zulassungspflichtigen Zusatzstoffe mit festgelegtem Höchstgehalt 1314. Die Obergrenze ist physiologisch, nicht rechtlich: Das NRC nennt als tolerierbare Höchstkonzentration in der Gesamtration rund 2 % Calcium und 1 % Phosphor der Trockensubstanz 1. Für Magnesium ist die Sicherheitsspanne breit; ein moderater Überschuss wird bei gesunden Nieren gut ausgeschieden 3.

Der typische Ungleichgewichtsfall ist deshalb kein einzelnes zu hoch dosiertes Produkt, sondern die Summe: mineralisiertes Müsli plus Mineralfutter plus Spezialpräparat, das dabei nebenbei das Ca:P verschiebt. Erst die Ration entrümpeln, dann ergänzen.

Warum der Blutwert hier wenig hilft

Der Serum-Calciumspiegel wird eng hormonell reguliert und spiegelt die Calciumzufuhr der Ration nicht zuverlässig; er kann trotz Fehlversorgung normal bleiben 28. Zuverlässig steuern lässt sich die Zufuhr – und die belegt eine Futter- oder Heuanalyse, keine Blutprobe 1011.

In fachliche oder tierärztliche Hand gehören Fohlen und Jungpferde in der Aufzucht sowie tragende und laktierende Stuten: Dort steigt der Bedarf stark, und Fehler im Ca:P wiegen am schwersten. Dasselbe gilt bei Verdacht auf Skelett- oder Knochenprobleme und bei bekannten Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen 82.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (14)
  1. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  2. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  3. Merck Veterinary Manual: Magnesium as an Equine Dietary SupplementTierärztliches Standardnachschlagewerk: Absorption des Futter-Magnesiums 30–60 %; weidend bzw. heugefütterte Pferde sind selten Mg-defizitär; geringdosierte Mg-Gaben beeinflussen das Verhalten wahrscheinlich nicht, eine Sedierung tritt erst bei sehr hohen Dosen auf.
  4. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  5. Maier I, Kienzle E (2024): A Meta-Analysis on Quantitative Calcium, Phosphorus and Magnesium Metabolism in Horses and Ponies. Animals 14(19):2765 (LMU München)Meta-Analyse: Schweißverluste von Ca, P und Mg sind so gering, dass kein zusätzlicher arbeitsbedingter Bedarf angesetzt wird. Zum Mg rechnet sie den Ersatz endogener Kotverluste und trennt nach Gewicht (Pferde > 300 kg: 37, Ponys < 300 kg: 11 mg/kg metabolische Körpermasse; ein zeitweise schwereres Pony blieb der Ponygruppe zugeordnet); die Vergleichsfaktoren (Pferde rund 1,9×, Ponys rund ½) beziehen sich auf Kienzle & Burger (20 mg/kg), nicht auf die GfE
  6. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  7. Verein Futtermitteltest (VFT) e.V.: Neuerungen zum Mineralstoff- und Vitaminbedarf und zur Versorgung in der Pferdefütterung (Merkblatt MB 287)Zusammenfassung der GfE-2014-Änderungen; enthält den Mineralstoffbedarf je Arbeitsstufe (600 kg) nach Coenen/Vervuert 6. Aufl. und GfE 2014, die Schweiß-Elektrolytverluste (3,1 g Na und 5,5 g Cl je Liter) sowie die GfE-2014-Vitaminversorgung je Tag (600-kg-Warmblut: Vitamin E 610–1.220 mg Erhaltung, 1.220–2.420 mg Arbeit) und den Hinweis, dass Grundfutter v. a. nach längerer Lagerung nur geringe Vitamingehalte aufweist. Sekundärquelle; Primärwerke sind gesondert im Quellenverzeichnis hinterlegt.
  8. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
  9. Möllmann F (2007): Analysen und Abschätzung des Mineralstoffgehaltes in Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungsbetrieben. Diss. med. vet., LMU MünchenGrasheu-Proben aus oberbayerischen Pferdehaltungen; empirische Datenbasis für die Mineralstoffgehalte (Ca, P, Mg u. a.) von deutschem Grasheu mit großer Streuung nach Standort, Boden und Aufwuchs. Open Access.
  10. Weender Futtermittelanalyse (Weender Analysensystem)Standardverfahren zur Bestimmung von Rohnährstoffen (Rohprotein, Rohfaser, Rohfett, Rohasche) als Basis von Futter- und Heuanalysen
  11. VDLUFA – Methodenbuch III (Futtermittel)Referenzmethoden landwirtschaftlicher Untersuchungslabore (LUFA) für die Analytik von Futter- und Raufuttermitteln
  12. Dodd J, Doran G, Harris P, Noble G (2015): Magnesium aspartate supplementation and reaction speed response in horses. Journal of Equine Veterinary Science 35(5):401–402Kongressabstract, 6 Standardbred-Wallache: 10 g Magnesiumaspartat zusätzlich zu einer bereits bedarfsdeckenden Ration verkürzte eine gemessene Reaktionsgeschwindigkeit von 5,3 auf 3,1 m/s. Sehr kleine Tierzahl, Endpunkt Reaktionstempo (nicht „Ruhe“) — schwache Evidenz.
  13. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1095Zulassung von Zinkacetat, Zinkchlorid, Zinkoxid, Zinksulfat und Zink-Chelaten (3b601 ff.); Gesamt-Höchstgehalt Zink 120 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) für „Andere Arten und Kategorien“, in denen Pferde nicht gesondert genannt sind. Konsolidierung 25.09.2022 (einschließlich DVO (EU) 2022/1458); Zulassungsende laut Anhang 27.07.2026; Erneuerungsverfahren laufen bei der EFSA. Laut EU-Register der Futtermittelzusatzstoffe (Stand 15.10.2026) ist ein Erneuerungsantrag nach Art. 14 VO (EG) 1831/2003 gestellt (geprüft für Zinkacetat-Dihydrat, 3b601); die Zulassung gilt fort. Ergänzend DVO (EU) 2024/265 (Zink(II)-Betain-Komplex, 120 für andere Arten).
  14. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).