Sicher ergänzen6 Min. Lesezeit
Redaktionelle Prüfung ausstehend

Dieser Artikel ist fachlich noch nicht freigegeben. Die Angaben beruhen auf den unten aufgeführten Quellen.

Zusatzfutter fürs Pferd: Arten, Nutzen und Auswahl

Mineralfutter, Kräuter, Öle, Huf- und Gelenkzusätze: Welche Arten von Zusatzfutter es gibt, wann eines sinnvoll ist und wie du ein Produkt anhand der Deklaration und deiner Ration auswählst.

Gezeichneter Heuballen in der Mitte, umgeben von fünf kleinen unbeschrifteten Gefäßen für Pulver, Öl, Pellets, Kräuter und Granulat.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Zusatzfutter heißt rechtlich Ergänzungsfuttermittel: Es deckt den Tagesbedarf nur zusammen mit dem übrigen Futter 1. Sinnvoll ist es, wenn die Ration einen Nährstoff nicht ausreichend liefert oder ein erhöhter Bedarf besteht 2. Welches Produkt passt, zeigt deshalb nicht die Werbung, sondern der Vergleich der Deklaration mit der Gesamtration aus Heu, Weide und Kraftfutter 3.

Was zählt als Zusatzfutter?

Umgangssprachlich ist Zusatzfutter alles, was neben Heu, Weide und Kraftfutter in den Trog kommt. Rechtlich unterscheidet das Futtermittelrecht Einzelfuttermittel wie Leinsamen oder Bierhefe und Mischfuttermittel. Ergänzungsfuttermittel sind Mischfuttermittel mit einem hohen Gehalt an bestimmten Stoffen; sie decken den Tagesbedarf erst zusammen mit anderen Futtermitteln 1.

Mineralfuttermittel sind eine besondere Gruppe der Ergänzungsfuttermittel mit hohem Rohascheanteil 1. Vitamine und Spurenelemente kommen als zugelassene Zusatzstoffe in diese Produkte 4.

Die häufigsten Arten im Überblick

ArtTypischer ZweckWas du prüfst
MineralfutterMengen- und Spurenelemente, VitaminePasst die Zusammensetzung zu deinem Heu?
Einzelfuttermittel wie Leinsamen, Öl, BierhefeEnergie, Fettsäuren, ProteinMenge und Beitrag zur Gesamtration
Spezialzusätze für Huf, Fell oder GelenkeEinzelne Stoffe in höherer MengeÜberschneidung mit dem Mineralfutter
ElektrolyteAusgleich von SchweißverlustenSchwitzt das Pferd tatsächlich deutlich?
KräutermischungenErgänzung der RationVersteckte Spurenelemente, Doping-Relevanz

Grobe Einordnung nach Zweck; keine Bewertung einzelner Produkte.

Wann ist Zusatzfutter sinnvoll?

Die Basis der Fütterung sind ausreichend Raufutter, Wasser und eine Salzquelle 53. Eine Ergänzung ist sinnvoll, wenn die Ration einzelne Nährstoffe nicht ausreichend liefert oder ein erhöhter Bedarf besteht, etwa durch Arbeit, Zucht oder Alter 2.

Ein Wirkungsversprechen auf der Packung ist dagegen kein Grund. Futtermittel dürfen keine krankheitsbezogenen Heilversprechen tragen 1. Wenn dein Pferd Beschwerden zeigt, steht die tierärztliche Abklärung vor der Produktwahl.

So wählst du ein Produkt aus

  • Lies die Zusammensetzung, die analytischen Bestandteile und die Zusatzstoffe je kg 1.
  • Rechne jeden Gehalt mit der geplanten Tagesmenge in Kilogramm um.
  • Addiere die Beiträge aller Produkte, die das Pferd schon bekommt.
  • Vergleiche die Summe mit dem Bedarf und den Höchstgehalten für die Gesamtration 4.
  • Halte fest, welche Lücke das Produkt schließen soll, damit du es später überprüfen kannst.

Warum mehr nicht besser ist

Viele Pferde bekommen mehrere Produkte gleichzeitig. Dabei summieren sich dieselben Spurenelemente aus verschiedenen Quellen, und manche haben eine enge Spanne zwischen Bedarf und Überschuss 25. Eine Überversorgung zeigt sich am Pferd oft unspezifisch und lässt sich nicht aus der Ferne erkennen 6.

Eine Mischung statt vieler Dosen

Wer mehrere Zusätze füttert, kann die rechnerisch fehlenden Stoffe auch in einer einzigen Ergänzung bündeln. Bei Equivora entsteht eine solche Pelletmischung aus der Rationsanalyse eines einzelnen Pferdes: Ein Stoff kommt nur hinein, wenn die Rechnung eine Lücke zeigt. Selen und Jod nehmen wir nur mit Laborwert auf; ohne Heuanalyse gibt es keine gezielte Zugabe von Selen und Jod.

Das kannst du mitnehmen

  • Zusatzfutter ergänzt Raufutter, ersetzt es aber nie 15.
  • Erst prüfen, ob eine Lücke besteht, dann ein Produkt wählen 2.
  • Gehalte immer mit der tatsächlichen Tagesmenge umrechnen 1.
  • Futtermittel dürfen keine Heilversprechen tragen; Beschwerden gehören tierärztlich abgeklärt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Zusatzfutter und Ergänzungsfutter?

Im Alltag meinen beide Wörter dasselbe. Der rechtliche Begriff ist Ergänzungsfuttermittel: ein Mischfuttermittel mit hohem Gehalt an bestimmten Stoffen, das den Tagesbedarf nur zusammen mit anderen Futtermitteln deckt 1.

Welches Zusatzfutter braucht mein Pferd?

Das lässt sich ohne Blick auf die Ration nicht pauschal sagen. Viele Pferde brauchen vor allem ein passendes Mineralfutter, weil Heu Mengen- und Spurenelemente in sehr unterschiedlicher Menge liefert. Welche Stoffe fehlen, zeigt eine Rationsberechnung mit Heuanalyse 53.

Kann Zusatzfutter schaden?

Ja, wenn es eine Überversorgung erzeugt. Anzeichen sind oft unspezifisch 6. Die zulässigen Höchstgehalte für Zusatzstoffe beziehen sich auf die gesamte Ration einschließlich der natürlichen Gehalte im Grundfutter 4.

Muss ich Zusatzfutter im Turniersport besonders prüfen?

Ja. Für Pferde im Sport gelten Listen verbotener und kontrollierter Substanzen. Prüfe Zutaten und Hinweise des Herstellers vor jedem Turnier 7.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (7)
  1. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  2. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  3. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  4. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  5. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  6. Liburt NR (2026): Nutritional Diseases of Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Energieüberschuss, unspezifische Mangelzeichen und Risiken von Übersupplementierung; keine Grundlage für eine Ferndiagnose.
  7. FEI Clean SportInternationale Regeln zu verbotenen Substanzen im Pferdesport