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Zusatzfutter kombinieren: Passen mehrere Produkte zusammen?

Mineralfutter, Müsli, Leckmasse und Spezialzusatz: So erkennst du, wo sich Produkte überschneiden, und entscheidest nachvollziehbar, was bleiben und was ersetzt werden kann.

Vier gezeichnete Futterdosen ohne Beschriftung, deren Pfeile in einer gemeinsamen Schale zusammenlaufen, daneben ein Heuballen.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Ob mehrere Zusatzfutter zusammenpassen, zeigt die Summe ihrer Beiträge. Rechne für jedes Produkt die deklarierten Gehalte mit der tatsächlichen Tagesmenge um, addiere Heu und Kraftfutter und vergleiche das Ergebnis mit dem Bedarf 12. Kritisch sind vor allem Spurenelemente, die in mehreren Produkten stecken; die zulässigen Höchstgehalte beziehen sich auf die gesamte Ration 3.

Warum sich Zusatzfutter überschneiden

Mineralfutter, mineralisiertes Müsli, Leckmassen und viele Spezialzusätze enthalten dieselben Spurenelemente. Jedes Produkt ist für sich rechtlich korrekt deklariert; die Höchstgehalte für Zusatzstoffe beziehen sich aber auf die gesamte Tagesration einschließlich der natürlichen Gehalte im Grundfutter 31.

Wer mehrere Produkte füttert, muss die Beiträge deshalb selbst zusammenzählen. Auf keiner Packung steht, was das Pferd schon aus anderen Quellen bekommt 4.

Schritt 1: Bestandsaufnahme mit echten Tagesmengen

Schreibe jedes Produkt auf, das dein Pferd regelmäßig bekommt, auch Leckmassen, Kräuter und Leckerlis in größeren Mengen. Wiege die Tagesmenge ab, statt sie aus Messlöffel oder Packungsempfehlung abzuleiten. Die Deklaration nennt Zusatzstoffe und analytische Bestandteile je Kilogramm 1.

  • Produktname und Art (Mineralfutter, Müsli, Spezialzusatz)
  • Gewogene Tagesmenge in Gramm
  • Deklarierte Gehalte je kg, vor allem Spurenelemente
  • Seit wann und mit welchem Ziel es gefüttert wird

Schritt 2: Beiträge je Nährstoff zusammenzählen

Multipliziere jeden deklarierten Gehalt mit der Tagesmenge in Kilogramm und addiere alle Produkte sowie Heu und Kraftfutter. Die Summe vergleichst du mit dem Bedarf deines Pferdes 2.

QuelleGehaltTagesmengeBeitrag pro Tag
Mineralfutter2.000 mg/kg50 g100 mg
Hufzusatz3.000 mg/kg30 g90 mg
Mineralisiertes Müsli150 mg/kg1 kg150 mg
Summe Zusätze340 mg plus Zink aus dem Heu

Frei gewähltes Beispiel für Zink, keine Produktdeklarationen und keine Dosierempfehlung.

Wo Überschneidungen kritisch werden

Selen hat einen engen Bereich zwischen Bedarf und Überschuss; der zulässige Gesamtgehalt liegt bei 0,50 mg je kg Alleinfutter mit 12 % Feuchte 5. Chronischer Überschuss ist mit Schäden an Mähne, Schweif und Hufen beschrieben 6.

Jod kommt neben Mineralfutter auch über jodiertes Salz und Seealge in die Ration. Große Mengen getrockneter Seealge sind mit Kropffällen bei Stuten und Fohlen in Verbindung gebracht worden 78.

Eisen liefert das Raufutter in der Regel reichlich; ein Eisenmangel ist beim erwachsenen Pferd selten, eine zusätzliche Eisenquelle braucht eine konkrete Begründung 9.

Was bleibt, was kann entfallen?

Gehe jedes Produkt mit derselben Frage durch: Welche rechnerische Lücke schließt es, die kein anderes Futter schon schließt? Ein Produkt ohne nachvollziehbare Aufgabe ist ein Kandidat zum Weglassen; zwei Produkte für dieselbe Lücke lassen sich oft zusammenfassen.

  • Bleibt: schließt eine belegte Lücke, die sonst offen wäre.
  • Prüfen: überschneidet sich mit einem anderen Produkt bei denselben Stoffen.
  • Kann entfallen: keine rechnerische Aufgabe oder nur ein Wirkungsversprechen.
  • Nicht eigenmächtig ändern: tierärztlich verordnete Produkte.

Wie stellst du sinnvoll um?

Futterumstellungen sollten schrittweise erfolgen 10. Ändere möglichst eine Sache nach der anderen und notiere, was du wann umgestellt hast. So lässt sich später nachvollziehen, welche Änderung welche Beobachtung begleitet hat.

Wann lohnt sich eine fachliche Prüfung?

Bei Stoffwechselerkrankungen, wiederkehrenden Koliken, im Wachstum, bei Sportpferden im hohen Training und bei älteren Pferden ist eine fachliche Fütterungsberatung besonders sinnvoll. Ein Warnsignal ist eine kostenlose Beratung, die ausschließlich ein bestimmtes Sortiment empfiehlt 11.

Das kannst du mitnehmen

  • Jedes Produkt mit gewogener Tagesmenge erfassen, nicht nur das Mineralfutter 1.
  • Gleiche Stoffe aus verschiedenen Produkten addieren sich 412.
  • Selen und Jod haben den engsten Spielraum; Seealge kann eine versteckte Jodquelle sein 78.
  • Tierärztlich verordnete Produkte nicht eigenmächtig absetzen, sondern die Rechnung mit der Praxis besprechen.

Häufige Fragen

Darf ich zwei Mineralfutter gleichzeitig füttern?

Verboten ist es nicht, aber es ist selten nötig. Zwei vollständige Mineralfutter liefern viele Stoffe doppelt. Ob die Kombination passt, zeigt nur die Bilanz aus beiden Tagesmengen, dem Heu und den übrigen Futtermitteln 43.

Woran merke ich eine Überversorgung?

Anzeichen einer Überversorgung sind oft unspezifisch und erlauben keine Ferndiagnose 13. Verlässlicher ist die Rechnung: Sie zeigt, ob die Zufuhr über Bedarf oder Höchstgehalten liegt. Bei Auffälligkeiten am Pferd gehört die Abklärung in tierärztliche Hand.

Muss ich Huf-, Fell- oder Kräuterzusätze mitrechnen?

Ja. Viele Spezialzusätze enthalten Spurenelemente wie Zink oder Kupfer, Kräutermischungen mitunter Seealge als Jodquelle. Maßgeblich sind die Angaben auf der Deklaration und die gefütterte Menge 18.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (13)
  1. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  2. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  3. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  4. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  5. Durchführungsverordnung (EU) 2019/49Zulassung von Natriumselenit (3b801), umhülltem Natriumselenit-Granulat (3b802) und Zink-L-Selenomethionin (3b818) für alle Tierarten; Gesamt-Höchstgehalt Selen 0,50 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte), für 3b818 höchstens 0,2 mg/kg Zusatz an organischem Selen. Zulassungsende laut Anhang 03.02.2029.
  6. Merck Veterinary Manual: Selenium Toxicosis in AnimalsTierärztliches Standardnachschlagewerk (Toxikologie): chronische Selenose/Alkali-Krankheit mit Haarausfall und -bruch an Mähne, Schweif und Nacken sowie Kronsaumschwellung, Ablösung der Hufwand und quer verlaufenden Hufrissen; Hinweis, dass die historisch dem Selen zugeschriebene neurologische Erkrankung „blind staggers“ eher eine Polioenzephalomalazie bei hoher Schwefelaufnahme ist. Die pferdespezifische akute Einzeldosis ist über die Primärstudie Miller und Williams (1940) belegt.
  7. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
  8. Merck Veterinary Manual: Goiter in AnimalsTierärztliches Standardnachschlagewerk (Endokrinologie): Kropf (Struma) entsteht sowohl bei Jodmangel (niedrige Hormonspiegel → erhöhtes TSH → Hyperplasie) als auch bei Jodüberschuss (hohe Jodkonzentrationen hemmen Organifikation und Hormonausschüttung); die fetale Schilddrüse reagiert empfindlicher als die adulte; Fohlen erhalten überschüssiges Jod im Mutterleib und über die Milch, weil Stuten an jodreicher Ration mehr Jod in die Milch abgeben; Kelp-haltige Mineralergänzungen sind eine häufige Quelle für Jodüberschuss; goitrogene Pflanzen (Kohl, Raps, Grünkohl, Rüben, Soja) können Kropf begünstigen. Der Kropf ist damit kein eindeutiger Indikator der Jodversorgung.
  9. Merck Veterinary Manual: Nutritional Diseases of Horses (Eisen)Eisenmangel ist bei erwachsenen Pferden selten; Raufutter liefert praktisch immer reichlich Eisen, eine Ergänzung ist nur bei konkreter Indikation angezeigt
  10. Liburt NR (2026): Feeding Practices in Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Raufutterbasis, Kraftfutter nach Bedarf, Kleie/Mash und Ca:P-Ausgleich, langsame Futterumstellung. Keine Wirksamkeitsstudie zu kommerziellen Mash-Produkten.
  11. Go4Vet: Futterberatung fürs Pferd – Ablauf, Kosten & NutzenRatgeber einer Tierarzt-Plattform: „Futterberater“ ist in Deutschland und Österreich keine geschützte Berufsbezeichnung; Beratung besonders sinnvoll bei Stoffwechselerkrankungen (EMS, Cushing), wiederkehrenden Koliken, im Wachstum, bei Sportpferden im hohen Training und bei älteren Pferden; Warnsignal ist eine kostenlose Beratung, die nur ein bestimmtes Produktsortiment empfiehlt
  12. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  13. Liburt NR (2026): Nutritional Diseases of Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Energieüberschuss, unspezifische Mangelzeichen und Risiken von Übersupplementierung; keine Grundlage für eine Ferndiagnose.