Raufutter & Heuanalyse7 Min. Lesezeit
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Heuanalyse auswerten: Welches Mineralfutter passt zu deinem Heu?

Dein Laborbericht ist da. So prüfst du Untersuchungsumfang und Einheiten, rechnest die Werte auf die Tagesration um und leitest daraus ab, welche Ergänzung zu deinem Heu passt.

Gezeichnetes Laborblatt mit Wertezeilen zwischen einem Heuballen und einer Futterschale; Pfeile führen vom Heu über das Blatt zur Schale.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Ein Laborbericht beschreibt Gehalte je Kilogramm Heu, noch keine Versorgung. Rechne die Werte mit der tatsächlich gefütterten Heumenge auf eine Tageszufuhr um, ergänze die übrigen Futtermittel und vergleiche die Summe mit dem Bedarf deines Pferdes 12. Ein passendes Mineralfutter schließt dann die rechnerischen Lücken, ohne Stoffe zu erhöhen, die bereits reichen. Prüfe vorher, welche Werte überhaupt untersucht wurden: Spurenelemente, Selen und Jod sind oft eigene Auftragspunkte 3.

Was brauchst du außer dem Laborbericht?

Der Befund liefert die Zusammensetzung deiner Heuprobe. Für eine Aussage über dein Pferd fehlen noch drei Angaben: wie viel Heu es tatsächlich frisst, was es sonst bekommt und wofür sein Bedarf berechnet werden soll. Gewicht, Arbeit, Alter und Zuchtstatus verändern die Bedarfswerte 12.

  • Laborbericht mit Probenbezeichnung und Datum
  • Tägliche Heumenge, möglichst gewogen
  • Alle weiteren Futtermittel und Ergänzungen mit Tagesmenge
  • Gewicht oder Gewichtsschätzung sowie Nutzung des Pferdes

Schritt 1: Welche Werte wurden überhaupt untersucht?

Labore trennen ihre Untersuchungen in Pakete. Bei der LUFA Nord-West umfasst das Inhaltsstoffpaket Heu unter anderem Trockensubstanz, Rohnährstoffe, Zucker und Fruktan; Mineralstoffe und Spurenelemente sind ein eigener Auftragspunkt, Selen und Jod werden getrennt beauftragt 3.

Markiere deshalb zuerst, welche Werte gemessen sind und welche fehlen. Für die Frage nach einem passenden Mineralfutter brauchst du mindestens Mengenelemente und Spurenelemente. Ein fehlender Wert bleibt fehlend und wird nicht still durch einen Durchschnitt ersetzt.

Schritt 2: Laborwerte auf die Tagesration umrechnen

Prüfe Einheit und Bezugsbasis: Werte je kg Trockensubstanz multiplizierst du mit der Trockenmasse der gefütterten Heumenge, Werte je kg Frischsubstanz direkt mit der Heumenge 1.

Ein frei gewähltes Rechenbeispiel, keine reale Probe: 10 kg Heu mit 86 % Trockensubstanz ergeben 8,6 kg Trockensubstanz. Steht im Befund ein Kupfergehalt von 5 mg je kg Trockensubstanz, liefert dieses Heu 8,6 × 5 = 43 mg Kupfer am Tag. Laborstatistiken deutscher Heuproben zeigen Kupfermittelwerte in dieser Größenordnung, aber mit erheblicher Streuung zwischen einzelnen Proben 4.

  • Trockensubstanz aus dem Befund übernehmen.
  • Heumenge × Trockensubstanz = Trockenmasse pro Tag.
  • Gehalt je kg Trockensubstanz × Trockenmasse = Zufuhr aus dem Heu.
  • Für jeden gemessenen Nährstoff wiederholen und mit Einheit notieren.

Schritt 3: Mit dem Bedarf deines Pferdes vergleichen

Bedarfswerte für Mengen- und Spurenelemente sind in den Empfehlungen der GfE und des NRC tabelliert; die Gruber Tabelle gibt sie für die Praxis nach Gewicht und Leistung wieder 251. Vergleiche je Nährstoff die Zufuhr aus dem Heu mit dem Tagesbedarf. Der Unterschied ist die rechnerische Lücke oder der Überhang.

NährstoffWas du aus dem Befund brauchstTypische Stolperstelle
Calcium, PhosphorBeide GehalteDas Verhältnis zueinander zählt, nicht nur der Einzelwert
MagnesiumGehalt je kg TSHeu deckt oft schon viel; mehr ist nicht automatisch besser
Zink, KupferSpurenelementuntersuchungNicht im reinen Inhaltsstoffpaket enthalten
SelenEigener MesswertEnger Bereich zwischen Bedarf und Höchstgehalt
JodEigener MesswertWird häufig nicht untersucht

Worauf du je Nährstoffgruppe achtest; keine Bewertung einer konkreten Probe.

Schritt 4: Alle anderen Futtermittel dazurechnen

Kraftfutter, mineralisiertes Müsli, Leckmassen und Spezialzusätze liefern ebenfalls Mineralstoffe. Rechne ihre deklarierten Gehalte mit der jeweils gefütterten Tagesmenge um und addiere sie zur Zufuhr aus dem Heu. Erst diese Summe entscheidet über die Versorgung 65.

Die zulässigen Höchstgehalte für Spurenelemente beziehen sich ebenfalls auf die gesamte Tagesration einschließlich der natürlichen Gehalte, nicht auf ein einzelnes Produkt 7.

Schritt 5: Aus der Lücke das passende Mineralfutter ableiten

Jetzt hast du ein Profil: Welche Stoffe fehlen rechnerisch, welche sind gedeckt, welche liegen schon hoch? Ein passendes Mineralfutter bringt die fehlenden Stoffe in einer Menge, die zur Lücke passt, und erhöht die bereits gedeckten nicht unnötig.

Bei Selen ist diese Abwägung besonders eng: Der zulässige Gesamtgehalt liegt bei 0,50 mg je kg Alleinfutter mit 12 % Feuchte, und der Gehalt im Grundfutter schwankt stark je nach Standort 89. Ohne Selenmesswert ist ein Produkt ohne Selen deshalb die vorsichtigere Wahl, bis die Analyse vorliegt.

  • Fehlende Stoffe: Deckt das Produkt sie mit der empfohlenen Tagesmenge?
  • Gedeckte Stoffe: Kommt durch das Produkt viel Überflüssiges dazu?
  • Hohe Werte im Heu: Enthält das Produkt genau diese Stoffe zusätzlich?
  • Offene Werte: Welche Aussage hängt noch an einer fehlenden Messung?

Was ist, wenn das Heu wechselt?

Ein Befund gilt für die beprobte Partie. Heuproben unterscheiden sich in ihrer Mineralzusammensetzung erheblich, daher lässt sich ein alter Befund nicht ohne Weiteres auf eine neue Lieferung übertragen 1011. Notiere zu jedem Befund die Charge und prüfe beim Wechsel, ob die Ergänzung noch passt.

Wann solltest du die Auswertung fachlich begleiten lassen?

Bei tragenden oder laktierenden Stuten, Fohlen, Jungpferden und Pferden mit Erkrankungen gehört die Rationsplanung in tierärztliche oder fachtierärztliche Begleitung. Für Tierernährung gibt es eine eigene Weiterbildung zur Fachtierärztin oder zum Fachtierarzt 12.

Das kannst du mitnehmen

  • Nicht untersuchte Werte bleiben offen; ein fehlender Wert ist kein unauffälliger Befund 3.
  • Erst Einheit und Bezugsbasis prüfen, dann mit der Heumenge multiplizieren 1.
  • Die Summe aus Heu und allen anderen Futtermitteln zählt, nicht der Heuwert allein 6.
  • Selen gehört wegen des engen Bereichs zwischen Bedarf und Höchstgehalt nur mit Messwert in die Planung 89.

Häufige Fragen

Kann ich jede vorhandene Heuanalyse verwenden?

Verwendbar ist ein Befund, wenn er zur aktuell gefütterten Charge gehört, repräsentativ beprobt wurde und die Werte enthält, die deine Frage braucht. Ein reines Inhaltsstoffpaket beantwortet zum Beispiel keine Frage zu Zink oder Kupfer 113.

Was mache ich, wenn Selen nicht untersucht wurde?

Dann bleibt der Selenwert offen. Der Gehalt im Grasfutter streut je nach Standort von nahezu null bis deutlich über dem Bedarf; ein Tabellenwert ersetzt die Messung deshalb nicht 9. Lass Selen nachuntersuchen oder plane die Ergänzung zunächst ohne Selen.

Muss ich mein bisheriges Mineralfutter absetzen?

Nicht automatisch. Rechne es mit seiner Tagesmenge in die Bilanz ein. Erst der Vergleich zeigt, ob es zur Lücke deines Heus passt, ob einzelne Stoffe doppelt kommen oder ob ein anderes Profil besser geeignet ist 61.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (12)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  2. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  3. LUFA Nord-West: Untersuchungsauftrag Pferdefutter 2026/27S. 1: Untersuchungspakete und Preise pro Probe zzgl. MwSt.; S. 2: Untersuchungsumfang, Probenmengen und Versand. Preisstand 2026/27, geprüft am 28.09.2026; kein Equivora-Angebot.
  4. LUFA Nord-West, Institut für Futtermittel (2025): Statistik Heu 2025Laborstatistik deutscher Heuproben: Kupfer im Mittel rund 4,5–5,3 mg/kg TS, Zink im Mittel rund 24–33 mg/kg TS, mit erheblicher Streuung je Auswertungsperiode. Analysenstatistik, keine peer-reviewte Studie – Mittelwert und Spanne gelten nur für den jeweils angegebenen Auswertungszeitraum
  5. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  6. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  7. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  8. Durchführungsverordnung (EU) 2019/49Zulassung von Natriumselenit (3b801), umhülltem Natriumselenit-Granulat (3b802) und Zink-L-Selenomethionin (3b818) für alle Tierarten; Gesamt-Höchstgehalt Selen 0,50 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte), für 3b818 höchstens 0,2 mg/kg Zusatz an organischem Selen. Zulassungsende laut Anhang 03.02.2029.
  9. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
  10. Möllmann F (2007): Analysen und Abschätzung des Mineralstoffgehaltes in Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungsbetrieben. Diss. med. vet., LMU MünchenGrasheu-Proben aus oberbayerischen Pferdehaltungen; empirische Datenbasis für die Mineralstoffgehalte (Ca, P, Mg u. a.) von deutschem Grasheu mit großer Streuung nach Standort, Boden und Aufwuchs. Open Access.
  11. LUFA Nord-West: Probenahme Pferdefutter – Wie gehe ich korrekt vor?Laboranleitung: repräsentative Proben aus mehreren Ballen und Schichten, identische Kennzeichnung von Probe und Auftrag. Online geprüft am 28.09.2026.
  12. Bundestierärztekammer: Fachtierarzt/-tierärztin für Tierernährung und DiätetikMusterweiterbildung: vierjährige Weiterbildung an anerkannten Einrichtungen über Futtermittelkunde, Ernährungsphysiologie, Rationsgestaltung für Einzeltier und Bestand sowie Diätetik; die Bezeichnung vergibt die zuständige Landestierärztekammer nach bestandener Prüfung