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Übergewicht beim Pferd: Ration und Raufutter einordnen

Körperzustand und Futteraufnahme nachvollziehbar dokumentieren, zusätzliche Energiequellen prüfen und Fütterungsänderungen fachlich begleiten lassen.

Ein einzelnes Pferd neben Heu, einer leeren Futterschaufel und einem schematischen Fütterungsprotokoll ohne Messwerte.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Bei einem zu hohen Körperzustand gehören tatsächliche Futteraufnahme, Energiezufuhr und Verlauf zusammen betrachtet. Körpergewicht und Fettdepots sind unterschiedliche Angaben. Übergewicht allein beweist kein EMS; bei Hufrehe-Vorgeschichte, unklaren Fettdepots oder gesundheitlichen Auffälligkeiten ist tierärztliche Abklärung nötig 12.

Woran erkennst du, dass eine fachliche Beurteilung nötig ist?

Ein hohes Waagengewicht kann nicht allein den Fettanteil beschreiben. Körperbau und Größe gehören zur Einordnung; der Body Condition Score bewertet den Körperzustand anhand sicht- und fühlbarer Merkmale 1. Dokumentiere deshalb Gewicht und Körperzustand getrennt.

Der EMS-Konsens unterscheidet Übergewicht von Insulindysregulation: Es gibt Tiere mit Fettdepots ohne EMS und Tiere mit EMS ohne ausgeprägtes Übergewicht. Eine Diagnose erfordert tierärztliche Beurteilung und passende Untersuchungen 2.

Welche Futterdaten solltest du zuerst sammeln?

Energieüberschuss im Verhältnis zum Bedarf begünstigt einen zu hohen Körperzustand 3. Die praktische Bestandsaufnahme sollte deshalb auch kleine, häufig vergessene Futtermengen enthalten. Halte mehrere gewöhnliche Tage fest und bespreche die Unsicherheit, wenn Weideaufnahme oder Gruppenfütterung nicht individuell messbar sind.

  • Raufutterarten, abgewogene Mengen und Futterreste dokumentieren.
  • Weidezeiten, Aufwuchs und Zugang zu gemeinsamem Futter notieren.
  • Kraftfutter, Mash, Öl, Leckerli und Ergänzungen mit Tagesmengen erfassen.
  • Arbeit, Haltungsänderungen und bisherigen Gewichtsverlauf festhalten.

Warum ist einfach weniger Heu keine allgemeine Anleitung?

Raufutter erfüllt neben seiner Nährstofffunktion wichtige Aufgaben in der Fütterung. Die Gruber Tabelle behandelt Raufuttermenge und Fütterungsmanagement deshalb als feste Bestandteile der Rationsplanung 4. Eine Energieanpassung muss diese Anforderungen mit berücksichtigen.

Klinische Programme zur Gewichtsreduktion im EMS-Konsens enthalten Monitoring und eine individuelle Anpassung. Sie werden hier nicht als allgemeine Heu-Kürzungsformel übernommen. Lass Menge, Futterwahl und Vorgehen fachlich planen; eine Online-Rechnung ersetzt diese Begleitung nicht 2.

Braucht ein übergewichtiges Pferd noch Ergänzungsfutter?

Weniger gewünschte Energiezufuhr bedeutet nicht automatisch, dass jeder andere Nährstoff ausreichend vorhanden ist. Mineralversorgung und Energie werden in der Rationsbewertung getrennt betrachtet 5. Prüfe vorhandene Produkte und vermeide zusätzliche Energie oder doppelte Ergänzungen ohne Rationsbegründung.

  • Welche Produkte sind vor allem zusätzliche Energiequellen?
  • Welche deklarierten Mineralstoffe werden bereits zugeführt?
  • Welche Werte sind tatsächlich gemessen, welche nur geschätzt?
  • Welche Entscheidung muss die Fachberatung mit dir treffen?

Wie hältst du Verlauf und offene Risiken fest?

Gewicht, Körperzustand und die vereinbarte Fütterung sollten gemeinsam im Verlauf beobachtet werden. Der EMS-Konsens betont die langfristige Zusammenarbeit mit dem Tierarzt sowie ein passendes Bewegungsmanagement; ein Bewegungsplan muss insbesondere bei Hufrehe individuell abgestimmt sein 2.

  • Lege mit der Fachperson Zeitpunkt und Methode der Verlaufskontrolle fest.
  • Vergleiche wiederholte Messungen unter ähnlichen Bedingungen.
  • Notiere jede Änderung an Weide, Raufutter oder Kraftfutter.
  • Bei Schmerzen, Futterverweigerung oder rascher ungeklärter Gewichtsänderung tierärztlich abklären lassen.

Das kannst du mitnehmen

  • Gewicht und Körperzustand beantworten unterschiedliche Fragen 1.
  • Übergewicht ist kein Beweis für EMS 2.
  • Eine vollständige Futterliste ist die Grundlage für fachlich begleitete Änderungen.

Häufige Fragen

Ist ein dickes Pferd automatisch an EMS erkrankt?

Nein. Übergewicht und EMS sind nicht gleichzusetzen. Die Diagnose wird anhand der tierärztlichen Beurteilung und geeigneter Untersuchungen gestellt 2.

Soll ich einfach die Heumenge halbieren?

Dieser Artikel empfiehlt keine pauschale Raufutterkürzung. Energieanpassung und ausreichende Raufutterversorgung müssen zusammen geplant werden 4.

Kann eine Rationsanalyse einen tierärztlichen Plan ersetzen?

Nein. Eine Rechnung ordnet Futterangaben gegen Referenzbedarfe ein. Sie ist keine Diagnose und keine individuelle Therapie; Risikofälle gehören tierärztlich begleitet.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (5)
  1. Henneke DR, Potter GD, Kreider JL, Yeates BF (1983): Relationship between condition score, physical measurements and body fat percentage in mares. Equine Veterinary Journal 15(4):371–372Originalpublikation zum Body Condition Score; bibliografisch geprüft. Die Anwendung und Grenzen werden ergänzend durch pferdespezifische Fachübersichten belegt.
  2. Durham AE et al. (2019): ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine 33:335–349Abschnitte 2–3 und 7: Übergewicht ist keine EMS-Diagnose; Rationsanpassung, Monitoring und Bewegung müssen bei Risikopferden tierärztlich begleitet werden. Klinische Restriktionsprotokolle werden nicht als allgemeine Halterempfehlung übernommen.
  3. Liburt NR (2026): Nutritional Diseases of Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Energieüberschuss, unspezifische Mangelzeichen und Risiken von Übersupplementierung; keine Grundlage für eine Ferndiagnose.
  4. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  5. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist