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Natürliches Mineralfutter: Was „natürlich“ und „organisch“ bedeuten

Was hinter natürlichem Mineralfutter, organisch gebundenen Spurenelementen und Kräutermischungen steckt, wo die Form wirklich zählt und warum die Menge wichtiger ist als die Herkunft.

Gezeichnete Schale mit Kräutern und Blättern neben einem Messlöffel mit feinem Pulver und einem Heuballen.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Ein Mineralstoff bleibt derselbe Stoff, egal ob er aus Pflanzen oder einer zugelassenen Verbindung stammt. Organisch gebunden heißt, das Spurenelement ist etwa an Aminosäuren gebunden; auch diese Formen sind Zusatzstoffe mit denselben Höchstgehalten 12. Wo die Form klar zählt, ist Vitamin E: Die natürliche Form wird besser genutzt 3. Entscheidend bleibt die Menge passend zum Heu.

Was „natürlich“ bei Mineralstoffen heißt

Mineralstoffe sind chemische Elemente wie Calcium, Zink oder Kupfer. Ein Zinkatom aus einer Pflanze und eines aus einer zugelassenen Verbindung sind im Körper dasselbe Element. Unterschiede gibt es bei der Verbindung, in der es vorliegt, und damit bei Löslichkeit und Aufnahme.

Die natürlichste Quelle ist das Grundfutter. Heu und Gras liefern den Großteil der Mengenelemente, ihr Gehalt hängt aber von Boden, Pflanzenbestand und Schnitt ab 4. Was fehlt, zeigt die Heuanalyse.

Organisch oder anorganisch gebunden

Anorganische Formen sind zum Beispiel Zinkoxid oder Kupfersulfat. Organisch gebundene Formen, oft als Chelate bezeichnet, binden das Spurenelement an Aminosäuren oder ähnliche Moleküle. Beide Gruppen sind Zusatzstoffe, die EU-weit zugelassen sein müssen 12.

Die Höchstgehalte gelten für das Element, nicht für die Verbindung. 120 mg Zink je kg Alleinfutter sind die Grenze, egal ob als Oxid oder Chelat 2. Eine bessere Aufnahme wäre also ein Grund, eher weniger zu dosieren, nicht mehr.

Wo die Form wirklich zählt: Vitamin E

Bei Vitamin E ist der Unterschied gut belegt. Die natürliche Form RRR-α-Tocopherol (oft als „d“ deklariert) wird vom Pferd wirksamer genutzt als die synthetische all-rac-Form („dl“) 3. 1.000 IE natürliches Vitamin E entsprechen grob 1.340 IE der synthetischen Form 5.

Kräuter- und Pflanzenmischungen

Mischungen aus Kräutern, Blättern und Rinden liefern Mineralstoffe, aber in Mengen, die je nach Charge schwanken. Ohne Analyse weißt du nicht, wie viel Zink, Kupfer oder Selen dein Pferd damit bekommt.

Wer bewusst natürlich füttern möchte, kann das tun und trotzdem rechnen: Heuwerte und eine bekannte Ergänzung zeigen, ob die Ration passt. Eine Fütterung ohne Bezug zum Bedarf riskiert sowohl Lücken als auch Überschüsse 6.

Das kannst du mitnehmen

  • Die natürlichste Mineralquelle ist das Grundfutter; sein Gehalt zeigt die Heuanalyse.
  • Organisch gebundene Spurenelemente sind zugelassene Zusatzstoffe, keine Pflanzenmineralien 1.
  • Höchstgehalte gelten unabhängig von der Verbindung 2.
  • Bei Vitamin E ist die natürliche RRR-Form wirksamer als die synthetische 3.

Häufige Fragen

Sind organisch gebundene Mineralstoffe besser?

Für Pferde ist ein klinischer Vorteil kaum belegt. Die einzige kontrollierte Untersuchung zu Zink-Methionin am Huf umfasst sieben Pferde und zeigt dichteres Hornmaterial, aber keine klinischen Endpunkte 8. Wichtiger ist, dass die Menge zur Ration passt.

Was sind Chelate im Mineralfutter?

Chelate sind Verbindungen, in denen ein Spurenelement wie Zink oder Kupfer an Aminosäuren oder ähnliche Moleküle gebunden ist. Sie stehen als zugelassene Formen in den EU-Verordnungen zu den Spurenelementen 2. In der Kennzeichnung erscheinen sie unter den Zusatzstoffen 7.

Reicht eine Kräutermischung statt Mineralfutter?

Kräuter und Blätter enthalten Mineralstoffe, aber in schwankenden Mengen, die ohne Analyse unbekannt sind. Ob eine solche Mischung die Lücken deines Heus schließt, lässt sich nur mit Werten prüfen. Ohne Werte bleibt es eine Vermutung.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (8)
  1. Verordnung (EG) Nr. 1831/2003Futtermittelzusatzstoffe – Zulassung und Verwendung; „tägliche Ration“ auf 12 % Feuchte bezogen (Art. 2 Abs. 2 Buchst. f), Verlängerung der Zulassung und automatische Fortgeltung (Art. 14 Abs. 4), allgemeine Verwendungsbedingungen (Anhang IV: natürliche plus zugesetzte Menge, Ergänzungsfuttermittel wie angegeben verdünnt höchstens mit dem Gehalt für Alleinfuttermittel). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 27.03.2021).
  2. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1095Zulassung von Zinkacetat, Zinkchlorid, Zinkoxid, Zinksulfat und Zink-Chelaten (3b601 ff.); Gesamt-Höchstgehalt Zink 120 mg/kg Alleinfutter (12 % Feuchte) für „Andere Arten und Kategorien“, in denen Pferde nicht gesondert genannt sind. Konsolidierung 25.09.2022 (einschließlich DVO (EU) 2022/1458); Zulassungsende laut Anhang 27.07.2026; Erneuerungsverfahren laufen bei der EFSA. Laut EU-Register der Futtermittelzusatzstoffe (Stand 15.10.2026) ist ein Erneuerungsantrag nach Art. 14 VO (EG) 1831/2003 gestellt (geprüft für Zinkacetat-Dihydrat, 3b601); die Zulassung gilt fort. Ergänzend DVO (EU) 2024/265 (Zink(II)-Betain-Komplex, 120 für andere Arten).
  3. Finno CJ, Valberg SJ (2012): A Comparative Review of Vitamin E and Associated Equine Disorders. Journal of Veterinary Internal Medicine 26(6):1251–1266Peer-reviewte Übersichtsarbeit (PMID 22925200): Struktur, Absorption und Metabolismus von Vitamin E beim Pferd, höhere Bioverfügbarkeit der natürlichen (RRR-)Form, Antioxidans-Funktion bei Belastung, Notwendigkeit der Ergänzung bei weidearmer Haltung sowie die mit anhaltendem Vitamin-E-Mangel assoziierten neuromuskulären Erkrankungen (u. a. eNAD/EDM, EMND, Vitamin-E-abhängige Myopathie).
  4. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  5. Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
  6. NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
  7. Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
  8. Neri Basurto R, et al. (2008): Effect of zinc methionine on the equine hoof – an evaluation by environmental scanning electron microscopy. Veterinaria México 39(3):247–2537 Pferde, 5,4 g Zink-Methionin täglich über 6 Monate: dichteres Röhrchen- und Zwischenröhrchenhorn, mehr Zink und Schwefel im Horn. Sehr kleine Tierzahl, keine klinischen Endpunkte – schwache Evidenz