Dieser Artikel ist fachlich noch nicht freigegeben. Die Angaben beruhen auf den unten aufgeführten Quellen.
Vitamin E beim Pferd
Das Antioxidans aus dem Weidegras. Warum frisches Gras die eigentliche Quelle ist und Heu nach der Lagerung fast leer, wie viel GfE und NRC nennen, was natürliches von synthetischem Vitamin E unterscheidet und warum bei diesem Nährstoff – anders als bei den Mengenelementen – Arbeit und Winter tatsächlich zählen.

Vitamin E ist der Nährstoff, bei dem die Haltung mehr entscheidet als das Produkt. Ein Pferd auf gutem Weidegras bekommt in der Regel genug; dasselbe Pferd im Winter am Heu kann knapp werden – ohne dass sich an der Futtermenge etwas geändert hätte.
Vitamin E ist ein fettlösliches Antioxidans: Es baut sich in die Zellmembranen ein und schützt sie vor oxidativem Schaden. Dabei arbeitet es mit Selen zusammen, das an derselben Front im Antioxidans-System steht 12. Selen ist knapp, hat ein enges Sicherheitsfenster und einen eigenen Artikel – hier geht es um Vitamin E.
Wie viel braucht das Pferd?
Die GfE 2014 gibt den Bedarf in Milligramm α-Tocopherol pro Tag an. Für ein 600-kg-Warmblut sind das in der Erhaltung 610–1.220 mg und unter Arbeit 1.220–2.420 mg täglich 34. Das NRC rechnet je Kilogramm Körpergewicht: 1 IE je kg für die Erhaltung, 2 IE je kg für Arbeit, Zucht und Fohlen 51.
| Situation | GfE 2014 (600 kg) | NRC 500 kg | NRC 600 kg |
|---|---|---|---|
| Erhaltung | 610–1.220 mg | 500 IE | 600 IE |
| Arbeit | 1.220–2.420 mg | 1.000 IE | 1.200 IE |
Vitamin-E-Bedarf je Tag. GfE 2014 in mg α-Tocopherol, NRC in IE je kg Körpermasse. 1 mg der synthetischen Standardform entspricht rund 1 IE.
Beide Referenzen landen in derselben Größenordnung: Der untere GfE-Erhaltungswert entspricht ungefähr dem NRC-Erhaltungsbedarf, der obere dem Arbeitsniveau.
Die Quelle ist das Weidegras, nicht das Heu
Frisches grünes Weidegras ist reich an Vitamin E. Der Haken: Vitamin E ist empfindlich. Beim Anwelken, Trocknen und vor allem bei längerer Lagerung geht der Löwenanteil verloren, sodass Heu am Ende nur noch geringe Gehalte aufweist 32.
Daraus folgt die eigentliche Zielgruppe einer Ergänzung: Pferde mit wenig oder keinem Weidegang – reine Heufütterung, Winterhalbjahr, Stehtage, Boxenhaltung. Die GfE-Zusammenfassung nennt genau das als Prüfpunkt: Die Vitaminversorgung sollte vor allem im Winter bei Stallhaltung und Heufütterung überprüft und gesichert werden 3.
Natürlich oder synthetisch?
Bei kaum einem Nährstoff ist die Form so relevant wie hier. Natürliches Vitamin E (RRR-α-Tocopherol, oft als „d"-Form deklariert) wird vom Pferd wirksamer genutzt als die synthetische all-rac-Form („dl") 2. In Einheiten ausgedrückt: 1.000 IE natürliches Vitamin E entsprechen grob 1.340 IE der synthetischen Form 1.
Das ist keine Produktempfehlung, sondern eine Rechengröße: Wer über die Deklaration vergleicht, muss auf die Form achten, nicht nur auf die Zahl. Bei einem nachgewiesenen oder wahrscheinlichen Defizit – etwa neurologischen Fragestellungen – ist die natürliche Form die wirksamere Wahl; das gehört dann ohnehin in tierärztliche Hand.
Wie viel ist zu viel?
Vitamin E gilt als breit verträglich – die Sicherheitsspanne ist deutlich größer als etwa bei Selen. Das NRC setzt die tolerierbare Obergrenze bei rund 20 IE je kg Körpergewicht an 5. Trotzdem ist mehr nicht besser: Als praktische Leitplanke gilt, dauerhaft über etwa 5.000 IE pro Tag beim ausgewachsenen Pferd zu vermeiden 1.
Die GfE-Zusammenfassung formuliert es grundsätzlicher: Übermäßig hohe Vitamingaben, wie sie früher üblich waren, sind zu vermeiden – höhere Gehalte können auch nachteilig sein 3. Das „viel hilft viel" gilt auch hier nicht.
Wenn aus Mangel Krankheit wird
Ein einmal knapper Winter macht kein krankes Pferd. Anhaltender, ausgeprägter Vitamin-E-Mangel wird beim Pferd aber mit bestimmten neuromuskulären Erkrankungen in Verbindung gebracht – dazu zählen Formen der neuroaxonalen Dystrophie beziehungsweise degenerativen Myeloenzephalopathie, die equine Motoneuronerkrankung und eine Vitamin-E-abhängige Myopathie 2.
Das ist ausdrücklich kein Behandlungsversprechen: Solche Bilder – Muskelschwäche, Muskelschwund, Bewegungsstörungen, neurologische Auffälligkeiten – gehören tierärztlich abgeklärt, samt Bestimmung des Vitamin-E-Status im Blut (Serum-α-Tocopherol) 2. Der Nährstoffartikel ordnet die Versorgung ein; die Diagnose stellt er nicht.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (5)
- Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other EquidsWiedergabe der NRC-Empfehlungen: Wasserbedarf 5 Liter je 100 kg Körpermasse und Tag in Erhaltung, Schweißverluste rund 3,1 g Natrium, 5,3 g Chlorid und 1,6 g Kalium je Liter, Salzempfehlung 1,6–1,8 g je kg Futtertrockenmasse bei maximal 6 % der Ration; ab 50 % Raufutteranteil ist Kalium ausreichend gedeckt. Deckt außerdem den Selenbedarf ab (0,1 mg/kg Futtertrockenmasse bzw. mindestens 1 mg/Tag beim 500-kg-Pferd, Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase gemeinsam mit Vitamin E) sowie die starke standortabhängige Streuung des Grundfutter-Selens (Grasfutter im Mittel 0,194 ppm, Spanne 0–1,2 ppm); einzelne Regionen sind ausgeprägt selenarm und können Ergänzungsbedarf haben. Nennt zudem den Jodbedarf (0,35 mg/kg Futtertrockenmasse, hochtragende Stuten 0,4), die Jodvergiftung tragender Stuten schon ab rund 40 mg/Tag, dokumentierte Kropffälle bei Stuten und ihren Fohlen im Zusammenhang mit großen Mengen getrockneter Seealge (Kelp), dass jodiertes Salz den Bedarf leicht deckt und dass außer in stark jodarmen Regionen eine Jod-Ergänzung meist nicht nötig ist
- Finno CJ, Valberg SJ (2012): A Comparative Review of Vitamin E and Associated Equine Disorders. Journal of Veterinary Internal Medicine 26(6):1251–1266Peer-reviewte Übersichtsarbeit (PMID 22925200): Struktur, Absorption und Metabolismus von Vitamin E beim Pferd, höhere Bioverfügbarkeit der natürlichen (RRR-)Form, Antioxidans-Funktion bei Belastung, Notwendigkeit der Ergänzung bei weidearmer Haltung sowie die mit anhaltendem Vitamin-E-Mangel assoziierten neuromuskulären Erkrankungen (u. a. eNAD/EDM, EMND, Vitamin-E-abhängige Myopathie).
- Verein Futtermitteltest (VFT) e.V.: Neuerungen zum Mineralstoff- und Vitaminbedarf und zur Versorgung in der Pferdefütterung (Merkblatt MB 287)Zusammenfassung der GfE-2014-Änderungen; enthält den Mineralstoffbedarf je Arbeitsstufe (600 kg) nach Coenen/Vervuert 6. Aufl. und GfE 2014, die Schweiß-Elektrolytverluste (3,1 g Na und 5,5 g Cl je Liter) sowie die GfE-2014-Vitaminversorgung je Tag (600-kg-Warmblut: Vitamin E 610–1.220 mg Erhaltung, 1.220–2.420 mg Arbeit) und den Hinweis, dass Grundfutter v. a. nach längerer Lagerung nur geringe Vitamingehalte aufweist. Sekundärquelle; Primärwerke sind gesondert im Quellenverzeichnis hinterlegt.
- GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
- NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)