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Leichtfuttrige und schwerfuttrige Pferde richtig füttern
Was leichtfuttrig und schwerfuttrig bedeuten, warum die Einstufung Energiezufuhr, Bedarf und Körperzustand zusammen braucht und wie du die Ration in beide Richtungen anpasst.

Die kurze Antwort
Leichtfuttrig heißt, ein Pferd hält oder steigert sein Gewicht mit wenig Energie; schwerfuttrig, es braucht viel. Eine Einstufung braucht Energiezufuhr, geschätzten Bedarf und Body Condition Score zusammen 12. Leichtfuttrige bekommen energieärmeres Heu bei gleicher Mindestmenge, schwerfuttrige mehr Energie. Bei Abbau trotz Futter zuerst die Gesundheit abklären 3.
Was die Begriffe bedeuten
Im Stall heißen Pferde leichtfuttrig, wenn sie schon von wenig Futter zunehmen, und schwerfuttrig, wenn sie trotz reichlich Futter schlank bleiben. Für eine belastbare Einstufung reicht das Gefühl nicht. Die Equine Keeper Status Scale verbindet deshalb Energieaufnahme, geschätzten Energiebedarf und Body Condition Score 1.
Der Energiebedarf hängt vor allem von Körpergewicht und Arbeit ab 4. Erst wenn du Zufuhr und Bedarf nebeneinanderlegst, siehst du, ob dein Pferd wirklich auffällig ist oder einfach mehr oder weniger frisst, als du denkst.
Leichtfuttrige Pferde
- Energieärmeres, strukturreiches Heu statt weniger Heu wählen; die Untergrenze von 1,5 kg Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht halten 56.
- Fresszeit verlängern, etwa mit engmaschigen Heunetzen.
- Weidegang begrenzen; eine Fressbremse senkt die Aufnahme, individuell aber sehr unterschiedlich 78.
- Kraftfutter weglassen, wenn die Energie nicht gebraucht wird, und Mineralstoffe gezielt ergänzen.
Schwerfuttrige Pferde
Nimmt ein Pferd trotz ausreichender Ration ab, steht die Ursachenklärung vor der Futtererhöhung. Zahnprobleme, Parasiten oder Erkrankungen können die Futteraufnahme oder -verwertung stören 3.
Ist das Pferd gesund, kommt mehr Energie zuerst über gutes Raufutter in ausreichender Menge, danach über Kraftfutter oder Öl. Plane Kraftfutter in mehreren kleinen Mahlzeiten ein; die Leitlinie nennt eine praktische Obergrenze von 1 bis 2 kg je Mahlzeit 5.
Verlauf festhalten
Notiere alle zwei bis vier Wochen Body Condition Score, Maßband-Gewicht und die gewogenen Futtermengen 2. So siehst du, ob eine Änderung wirkt, und hast Unterlagen für Tierarzt oder Fütterungsberatung.
Das kannst du mitnehmen
- Die Einstufung ergibt sich aus Energiezufuhr, Bedarf und Körperzustand, nicht aus einem Gefühl 1.
- Leichtfuttrig ist nicht dasselbe wie EMS; eine Insulindysregulation klärt die Tierarztpraxis 9.
- Die Raufutter-Untergrenze gilt auch für leichtfuttrige Pferde 5.
- Schwerfuttrige Pferde erst untersuchen lassen, dann mehr Energie einplanen 3.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein leichtfuttriges Pferd?
Es hält oder steigert seinen Körperzustand mit einer Energiezufuhr, die unter dem geschätzten Bedarf liegt. Dafür brauchst du gewogene Futtermengen und einen regelmäßig erhobenen Body Condition Score 12.
Hat jedes leichtfuttrige Pferd EMS?
Nein. Übergewicht und EMS sind nicht dasselbe; es gibt Pferde mit Fettdepots ohne EMS 9. Bei Fettpolstern am Mähnenkamm oder einer Hufrehe-Vorgeschichte lohnt sich eine tierärztliche Abklärung.
Wie bekommt ein schwerfuttriges Pferd mehr Energie?
Zuerst über besseres Raufutter in ausreichender Menge, dann bei Bedarf über Kraftfutter oder Öl. Vorher sollten Zähne, Parasiten und mögliche Erkrankungen abgeklärt sein 3. Die Menge folgt aus der Rationsrechnung.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (9)
- Johnson & Biddle (2021): A Standard Scale to Measure Equine Keeper Status and the Effect of Metabolic Tendency on Gut Microbiome StructureDie Equine Keeper Status Scale verbindet Energieaufnahme, geschätzten Energiebedarf und Body Condition Score; sie ist keine einzelne Selbsteinstufung.
- Henneke DR, Potter GD, Kreider JL, Yeates BF (1983): Relationship between condition score, physical measurements and body fat percentage in mares. Equine Veterinary Journal 15(4):371–372Originalpublikation zum Body Condition Score; bibliografisch geprüft. Die Anwendung und Grenzen werden ergänzend durch pferdespezifische Fachübersichten belegt.
- University of Minnesota Extension: Caring for the underweight horseInstitutioneller Praxisleitfaden, geprüft am 29.09.2026: Ursachenklärung mit Tierarzt und Fütterungsberatung, Körperzustand, Futterzugang und Zahnprobleme; stark abgemagerte Pferde brauchen einen betreuten Wiederanfütterungsplan. Amerikanische Rationsbeispiele werden nicht als deutsche Standarddosis übernommen.
- GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
- Sykes BW, Hewetson M, Hepburn RJ, Luthersson N, Tamzali Y (2015): European College of Equine Internal Medicine Consensus Statement – Equine Gastric Ulcer Syndrome in Adult Horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 29(5):1288–1299Europäische Fachleitlinie: Untergrenze 1,5 kg Raufutter-Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht und Tag, Fresspausen über 6 Stunden vermeiden, Stärke unter 2 g/kg KM/Tag und unter 1 g/kg KM/Mahlzeit; Gastroskopie als einzige verlässliche Diagnose am lebenden Pferd; Wirkdauer oraler Antazida ≤ 2 Stunden
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- Longland AC, Barfoot C, Harris PA (2011): The effect of wearing a grazing muzzle vs not wearing a grazing muzzle on pasture dry matter intake by ponies. Journal of Equine Veterinary Science 31(5–6):282–283Fressbremse senkte die Weideaufnahme von Ponys bei 8–15 cm Aufwuchshöhe um rund 83 %; gemessen über wenige Stunden, ohne Erfassung der Tagesaufnahme oder des Gewichtsverlaufs
- Glunk EC, Sheaffer CC, Hathaway MR, Martinson KL (2014): Interaction of Grazing Muzzle Use and Grass Species on Forage Intake of Horses. Journal of Equine Veterinary Science 34(7):930–933Fressbremse senkte die Weideaufnahme bei 15–20 cm Aufwuchshöhe um im Mittel rund 30 % – deutlich weniger als bei Longland et al. (2011). Die Spanne zwischen beiden Studien ist zu groß für einen belastbaren Rechenfaktor
- Durham AE et al. (2019): ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine 33:335–349Abschnitte 2–3 und 7: Übergewicht ist keine EMS-Diagnose; Rationsanpassung, Monitoring und Bewegung müssen bei Risikopferden tierärztlich begleitet werden. Klinische Restriktionsprotokolle werden nicht als allgemeine Halterempfehlung übernommen.