Raufutter & Heuanalyse5 Min. Lesezeit
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Wie viel Heu braucht ein Pferd am Tag?

Die Heumenge hängt von Gewicht, Arbeit und Heuqualität ab. Welche Unter- und Orientierungswerte gelten, wie du von Trockensubstanz auf Frischmasse rechnest und warum du Heu wiegen solltest.

Gezeichnete Hängewaage mit einem Heunetz, daneben ein Heuballen und ein Blatt mit einer kurzen Rechnung.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Als Untergrenze gelten 1,5 kg Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht und Tag, bei üblichem Heu mindestens rund 1,7 kg Heu je 100 kg 12. Für ein 500-kg-Pferd sind das mindestens etwa 8,5 kg Heu. Wie viel darüber passt, hängt von Arbeit, Körperzustand und Energiegehalt des Heus ab. Wiege das Heu, statt die Menge zu schätzen.

Die Untergrenze

Für Grobfutter nennen die europäische Fachleitlinie und die Gruber Tabelle dieselbe Untergrenze: mindestens 1,5 kg Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht und Tag 21. Bei Heu entspricht das mindestens rund 1,7 kg Frischmasse je 100 kg, bei Heulage mit 70 % Trockensubstanz mindestens 2 kg 1.

PferdHeu pro Tag
300 kgrund 5 kg
400 kgrund 7 kg
500 kgrund 8,5 kg
600 kgrund 10 kg
700 kgrund 12 kg

Mindestmengen nach der Faustzahl 1,7 kg Heu je 100 kg Körpergewicht; keine Bedarfsdeckung für jedes Pferd 1.

Wie viel insgesamt gefressen wird

Die mittlere Trockensubstanzaufnahme liegt nach GfE in der Erhaltung bei rund 20 g je kg Körpergewicht und Tag, bei Arbeit bei rund 27 g 13. Für ein 500-kg-Pferd in Erhaltung sind das etwa 10 kg Trockensubstanz aus allen Futtermitteln zusammen, also rund 11,5 kg Heu, wenn es nur Heu bekommt.

Diese Werte sind Mittelwerte. Leichtfuttrige Pferde mit energiereichem Heu nehmen damit schnell zu, schwerfuttrige brauchen mehr oder energiereicheres Futter. Den Ausschlag gibt der Körperzustand im Verlauf 4.

Von Trockensubstanz zu Frischmasse

Heu enthält meist um 85 bis 90 % Trockensubstanz. Rechne die Trockensubstanz-Menge durch den Anteil: 7,5 kg Trockensubstanz ÷ 0,88 ergeben rund 8,5 kg Heu. Steht im Laborbefund ein anderer Trockensubstanzgehalt, setze diesen ein.

Über den Tag verteilen

Die Tagesmenge allein reicht nicht. Zwischen den Raufuttergaben sollten keine Pausen über sechs Stunden entstehen; längere Intervalle waren in einer Studie mit Befunden an der drüsenlosen Magenschleimhaut assoziiert 52. Engmaschige Heunetze verlängern die Fresszeit.

Heu wiegen

Ballen, Gabeln und Netze sind unterschiedlich dicht. Wiege die Tagesration ein paar Mal mit einer Hängewaage und notiere, was ein volles Netz wiegt. Die Gruber Tabelle enthält dafür praktische Messhilfen 1.

Das kannst du mitnehmen

  • Untergrenze: 1,5 kg Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht und Tag 2.
  • Das entspricht mindestens rund 1,7 kg Heu je 100 kg 1.
  • Mehr Heu nach Arbeit und Körperzustand, nicht nach Gefühl 34.
  • Heu über den Tag verteilen; Pausen über sechs Stunden vermeiden 2.

Häufige Fragen

Wie viel Heu braucht ein 600-kg-Pferd?

Mindestens rund 10 kg Heu pro Tag, gerechnet mit der Untergrenze von 1,7 kg Heu je 100 kg Körpergewicht 1. Ob mehr nötig ist, zeigen Arbeit, Körperzustand und der Energiegehalt deines Heus.

Darf ich bei einem dicken Pferd das Heu stark kürzen?

Nicht unter die Untergrenze von 1,5 kg Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht 2. Bei Übergewicht steuerst du besser über energieärmeres Heu, Fresszeit und Bewegung und lässt das Vorgehen fachlich begleiten.

Kann ich Heu nach Augenmaß füttern?

Das ist ungenau, weil Ballen und Portionen unterschiedlich dicht sind. Wiege die Tagesration einige Male mit einer Hängewaage ab und merke dir, wie viel ein Netz oder eine Gabel wiegt 1.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (6)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  2. Sykes BW, Hewetson M, Hepburn RJ, Luthersson N, Tamzali Y (2015): European College of Equine Internal Medicine Consensus Statement – Equine Gastric Ulcer Syndrome in Adult Horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 29(5):1288–1299Europäische Fachleitlinie: Untergrenze 1,5 kg Raufutter-Trockensubstanz je 100 kg Körpergewicht und Tag, Fresspausen über 6 Stunden vermeiden, Stärke unter 2 g/kg KM/Tag und unter 1 g/kg KM/Mahlzeit; Gastroskopie als einzige verlässliche Diagnose am lebenden Pferd; Wirkdauer oraler Antazida ≤ 2 Stunden
  3. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  4. Henneke DR, Potter GD, Kreider JL, Yeates BF (1983): Relationship between condition score, physical measurements and body fat percentage in mares. Equine Veterinary Journal 15(4):371–372Originalpublikation zum Body Condition Score; bibliografisch geprüft. Die Anwendung und Grenzen werden ergänzend durch pferdespezifische Fachübersichten belegt.
  5. Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TDH (2009): Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Veterinary Journal 41(7):625–630Querschnittsstudie an 201 Pferden aus 23 dänischen Ställen. Signifikante Risikofaktoren: Stroh als einziges Raufutter, Stärkeaufnahme über 2 g/kg KM/Tag bzw. über 1 g/kg KM/Mahlzeit, fehlender Wasserzugang im Auslauf; für die drüsenlose Schleimhaut zusätzlich ein Fütterungsintervall über 6 Stunden. Assoziationen, keine Kausalnachweise
  6. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)