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Heu bedampfen: Wann ein Heubedampfer sinnvoll ist
Bedampfen senkt vor allem Staub, Keime und Pilzsporen, Wässern vor allem den Zucker. Was die Studien zu beiden Verfahren zeigen und welches zu welchem Ziel passt.

Die kurze Antwort
Ein Heubedampfer verbessert vor allem die Hygiene: In einer Studie sanken Keim- und Pilzbelastung deutlich, während Zucker-, Protein- und Mineralstoffgehalte nicht signifikant zurückgingen 1. Wer den Zuckergehalt senken will, muss wässern; das reduziert wasserlösliche Kohlenhydrate im Mittel um rund ein Viertel, mit großer Spanne 2. Welches Verfahren passt, hängt also vom Ziel ab.
Was Bedampfen bewirkt
In einer Vergleichsstudie mit fünf Behandlungen veränderte Bedampfen die Gehalte an Zucker, Stickstoff und Mineralstoffen wie Natrium, Calcium, Magnesium, Phosphor und Kalium nicht signifikant. Der Effekt war im Wesentlichen hygienisch: weniger Keime und Pilze 1.
Was Wässern bewirkt
Wässern bis zu 16 Stunden senkte die wasserlöslichen Kohlenhydrate im Mittel um 27 %, mit einer Spanne von 6 bis 54 %; das Rohprotein blieb unverändert 2. Mit längerer Dauer gehen aber auch Phosphor, Kalium und Magnesium verloren 3. Die Keimbelastung kann durch Wässern steigen 1.
Welches Verfahren für welches Ziel?
| Ziel | Bedampfen | Wässern |
|---|---|---|
| Weniger Staub, Keime, Sporen | Ja | Staub ja, Keime eher mehr |
| Weniger Zucker | Kaum | Ja, mit großer Spanne |
| Mineralstoffe erhalten | Ja | Verluste mit der Dauer |
Zusammenfassung der zitierten Studien; keine Empfehlung für ein bestimmtes Gerät.
Erst die Heuqualität klären
Weder Bedampfen noch Wässern macht verdorbenes Heu gut. Die Sinnenprüfung nach Geruch, Farbe, Struktur und Verunreinigungen gibt einen ersten Eindruck; Heu mit Schimmelbefall ist nicht zu verfüttern 4. Die mikrobiologische Qualität lässt sich im Labor nach VDLUFA-Methode untersuchen 5.
Hustet dein Pferd oder zeigt es Atemprobleme, gehört die Ursache tierärztlich geklärt. Bedampftes Heu kann dann Teil des Managements sein, ersetzt aber keine Behandlung.
Das kannst du mitnehmen
Häufige Fragen
Senkt Bedampfen den Zuckergehalt im Heu?
Kaum. In der Vergleichsstudie veränderten sich Zucker, Stickstoff und Mineralstoffe durch Bedampfen nicht signifikant 1. Zum Senken des Zuckers ist Wässern das passende Verfahren 2.
Ist bedampftes Heu besser als gewässertes?
Für die Hygiene ja: Wässern kann die Keimbelastung sogar erhöhen, Bedampfen senkt sie 1. Für den Zucker nein. Wer beides braucht, bespricht die Kombination am besten mit der Tierarztpraxis.
Kann ich schimmeliges Heu bedampfen und verfüttern?
Nein. Heu mit Schimmelbefall ist nach der Sinnenprüfung nicht zu verfüttern 4. Bedampfen ist eine Hygienemaßnahme für einwandfreies Heu, keine Rettung für verdorbenes.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (5)
- Moore-Colyer MJS, Lumbis K, Longland A, Harris P (2014): The Effect of Five Different Wetting Treatments on the Nutrient Content and Microbial Concentration in Hay for Horses. PLOS ONE 9(11):e114079Bedampfen verändert Zucker-, Stickstoff- und Mineralstoffgehalte (u. a. Na, Ca, Mg, P, K) nicht signifikant – Effekt ist im Wesentlichen hygienisch (Staub, Keime)
- Longland AC, Ince J, Harris PA (2011): Effects of soaking on the water-soluble carbohydrate and crude protein content of hay. Veterinary Record 168(23):618Wässern (bis 16 Std., ~8 °C) senkt wasserlösliche Kohlenhydrate im Mittel um 27 % (Bandbreite 6–54 %, Fruktan ~24 %), Rohprotein bleibt statistisch unverändert
- Martinson K, Jung H, Hathaway M, Sheaffer C (2012): The effect of soaking on protein and mineral loss in Orchardgrass and Alfalfa hay. Journal of Equine Veterinary Science 32(12):776–782Wässern (15–60 Min. bzw. 12 Std.) reduziert Kalium (bis 80 %), Phosphor (bis 65 %) und Magnesium (bis 45 %) je nach Dauer/Temperatur; Rohprotein-Effekt uneinheitlich/gering
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- VDLUFA – Methodenbuch III (Futtermittel)Referenzmethoden landwirtschaftlicher Untersuchungslabore (LUFA) für die Analytik von Futter- und Raufuttermitteln