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Sojaschrot beim Pferd: Eiweiß gezielt ergänzen

Sojaextraktionsschrot ist eine klassische Eiweißquelle mit viel Lysin. Wann eine Proteinergänzung überhaupt nötig ist, warum die Menge aus der Rechnung kommt und worauf du bei Qualität und Turnier achtest.

Gezeichnete Schale mit hellem Schrot neben einer Sojapflanze mit Hülsen und einem Blatt mit drei Balken.
Erklärende Illustration · Equivora

Die kurze Antwort

Sojaextraktionsschrot ist ein Proteinfuttermittel mit viel essenziellen Aminosäuren; thermisch behandelt ist es gut verdaulich und schmackhaft 1. Sinnvoll ist es nur, wenn die Ration zu wenig verdauliches Protein oder Lysin liefert, etwa bei spätem Heu. Eine feste Menge gibt es nicht: Die Gruber Tabelle richtet die Einsatzmenge nach den Leistungsanforderungen.

Was Sojaschrot liefert

Sojaextraktionsschrot entsteht bei der Ölgewinnung. Sojafuttermittel sind Proteinfuttermittel und reich an essenziellen Aminosäuren. Thermisch behandelt, also getoastet, geflockt oder als Extraktionsschrot, sind sie gut verdaulich und schmackhaft 1.

Unter den Aminosäuren ist beim Pferd vor allem Lysin quantitativ gut belegt; in den Versuchen, aus denen diese Evidenz stammt, wurde Lysin häufig über Sojaschrot ergänzt 2.

Braucht dein Pferd überhaupt mehr Eiweiß?

Grasheu deckt den Erhaltungsbedarf an Protein bei erwachsenen Pferden in der Regel. Knapp wird es vor allem bei spätem, stängeligem Heu, bei hoher Arbeit, im Wachstum und in der Laktation 34. Überschüssiges Protein wird nicht gespeichert, sondern abgebaut und ausgeschieden 3.

  • Heu analysieren lassen oder zumindest Schnittzeitpunkt und Aufwuchs kennen
  • Proteinbedarf aus Gewicht, Arbeit und Lebensphase ableiten
  • Verdauliches Protein und Lysin der Ration bilanzieren
  • Nur die Lücke ergänzen

Sojaschrot im Vergleich

FuttermittelEinordnungHinweis
SojaschrotProteinfutter, reich an essenziellen AminosäurenNur thermisch behandelt
LuzerneProtein, Lysin, viel CalciumCa:P der Ration beachten
RapsschrotProteinfutter, reich an essenziellen AminosäurenNur neue, glucosinolatarme Sorten
Getrocknete BierhefeSehr proteinreichAb 150 g pro Tag dopingrelevant

Qualitative Einordnung nach Gruber Tabelle; Gehalte schwanken je nach Produkt 1.

Qualität, Umstellung und Turnier

Achte auf thermisch behandelte Ware und eine einwandfreie Futterhygiene 1. Neue Futtermittel solltest du schrittweise einführen 5.

Für Turnierpferde gilt: Prüfe jedes Ergänzungsfuttermittel vor dem Einsatz gegen die aktuelle ADMR-Datenbank 6.

Das kannst du mitnehmen

  • Erst die Proteinbilanz prüfen; Grasheu deckt den Erhaltungsbedarf oft schon 3.
  • Lysin ist beim Pferd die einzige quantitativ gut belegte Aminosäure 2.
  • Nur thermisch behandeltes Soja verwenden 1.
  • Neue Eiweißquellen schrittweise einführen 5.

Häufige Fragen

Wie viel Sojaschrot braucht ein Pferd?

Das hängt davon ab, wie groß die Proteinlücke ist. Die Gruber Tabelle gibt keine feste Menge an, sondern richtet sie nach den Leistungsanforderungen 1. Rechne zuerst die Ration und ergänze dann nur die fehlende Menge an verdaulichem Protein.

Ist Sojaschrot gut für den Muskelaufbau?

Muskeln entstehen durch Training bei ausreichender Energie- und Proteinversorgung. Sojaschrot kann eine Lücke bei Protein und Lysin schließen; bei bereits gedecktem Bedarf bringt es keinen zusätzlichen Muskelaufbau 24.

Gibt es Alternativen zu Soja?

Ja, zum Beispiel Luzerne, Raps- oder Sonnenblumenextraktionsschrot und getrocknete Bierhefe. 1 kg Trockenhefe entspricht nach Energie und Protein etwa 1 kg Sojaextraktionsschrot 1. Bei Turnierpferden ist getrocknete Bierhefe ab 150 g pro Tag dopingrelevant.

Quellen & Studien

Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

Quellenliste anzeigen (6)
  1. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
  2. Mok CH, Urschel KL (2020): Amino acid requirements in horses (Invited Review). Asian-Australasian Journal of Animal Sciences 33(5):679–695Übersicht zum Aminosäurebedarf: quantitativ etabliert ist beim Pferd im Wesentlichen nur Lysin; für Methionin/Threonin liegen keine belastbaren Bedarfszahlen vor
  3. Coenen M, Vervuert I (2020): Pferdefütterung. Begründet von H. Meyer. 6., aktualisierte Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart. ISBN 978-3-13-241778-6Standardreferenzwerk der Pferdeernährung im deutschsprachigen Raum; Tab. 4.17 Mineralstoffempfehlungen (Versorgungsempfehlung und Minimalbedarf), Tab. 4.18 abgeleitete Schweißmengen je Arbeitsstufe und Gewichtsklasse, Tab. 4.19 Elektrolyt-Leistungsbedarf je Schweißmenge (zusätzlich zum Erhaltungsbedarf)
  4. GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
  5. Liburt NR (2026): Feeding Practices in Horses and Other Equids. Merck Veterinary ManualFachübersicht, Stand Februar 2026: Raufutterbasis, Kraftfutter nach Bedarf, Kleie/Mash und Ca:P-Ausgleich, langsame Futterumstellung. Keine Wirksamkeitsstudie zu kommerziellen Mash-Produkten.
  6. FN – Anti-Doping und Medikation (ADMR-Suchmaschine)Offizielle Datenbank der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu Substanzen und Karenzzeiten im Turniersport