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Mineralfutter für ältere Pferde: Was sich im Alter ändert
Warum „Senior“ auf dem Etikett keine Bedarfsstufe ist, was sich bei alten Pferden wirklich ändert (Kauen, Körperzustand, PPID) und wie du die Ration für ein älteres Pferd prüfst.

Die kurze Antwort
Die Bedarfswerte von GfE und NRC unterscheiden nach Gewicht, Arbeit, Trächtigkeit, Laktation und Wachstum, nicht nach Alter 12. Ein älteres Pferd braucht daher nicht automatisch ein Senior-Mineralfutter. Was sich ändert, sind oft Kauen, Futteraufnahme und Körperzustand, dazu Erkrankungen wie PPID 3. Prüfe die Ration, wenn dein Pferd abbaut.
„Senior“ ist keine Bedarfsstufe
Die Bedarfsempfehlungen von GfE und NRC leiten den Bedarf aus Körpergewicht, Arbeit und Lebensphasen wie Trächtigkeit, Laktation und Wachstum ab 12. Eine eigene Stufe mit anderen Mineralstoffwerten für ältere Pferde enthalten sie nicht.
Für die Bezeichnung „Senior“ legt das Kennzeichnungsrecht keine Nährstoffwerte fest 4. Was ein Senior-Mineralfutter enthält, steht deshalb nur in seiner Deklaration. Prüfe es wie jedes andere Produkt gegen deine Ration.
Was sich im Alter wirklich ändert
- Kauen: Abgenutzte oder fehlende Zähne erschweren das Zerkleinern von Heu.
- Futteraufnahme: Bei spät geschnittenem, überständigem Aufwuchs können besonders alte Pferde zu wenig fressen 5.
- Körperzustand: Gewichtsverlust und Muskelabbau erkennst du am besten mit einer regelmäßigen Beurteilung nach Body Condition Score 6.
- Erkrankungen: PPID (Cushing) ist bei älteren Pferden häufig und geht oft mit einer Insulindysregulation einher 3.
Wenn das Heu nicht mehr geht
Kann ein Pferd Heu nicht mehr ausreichend kauen, ersetzen eingeweichte Heucobs oder Häcksel einen Teil des Raufutters. Trockene Cobs sollten gierigen Pferden wegen der Gefahr einer Schlundverstopfung nicht gefüttert werden 5.
Mit dem Wechsel ändert sich die Ration. Cobs haben andere Gehalte als dein Heu, und die Mengen in Kilogramm sind nicht direkt vergleichbar. Rechne die neue Ration deshalb neu, bevor du das Mineralfutter beibehältst oder wechselst.
PPID und Insulinstatus zuerst klären
Ob ein älteres Pferd zucker- und stärkearm gefüttert werden muss, entscheidet der getestete Insulinstatus 37. Ein mageres PPID-Pferd mit normalem Insulinstatus kann von mehr Fett, Protein und Energie profitieren. Liegt zugleich eine Insulindysregulation vor, kommt die zusätzliche Energie aus Fett und hochwertiger Faser statt aus Getreide 7.
Für Ergänzungsfutter zur Behandlung von PPID fehlt ein Wirksamkeitsnachweis 3. Wichtig ist die Grundversorgung der gesamten Ration.
Das kannst du mitnehmen
- „Senior“ auf dem Etikett ist keine festgelegte Nährstoffstufe 4.
- Körperzustand regelmäßig beurteilen; Abbau ist ein Signal für eine Prüfung 6.
- Bei Zahnproblemen helfen eingeweichte Heucobs oder Häcksel als Raufutterersatz 5.
- Pferde über zehn Jahren auf PPID und Insulinstatus untersuchen lassen, bevor die Ration umgestellt wird 7.
Häufige Fragen
Ab wann ist ein Pferd ein Senior?
Eine feste Altersgrenze gibt es für die Fütterung nicht. Entscheidend ist, ob das Pferd sein Futter noch gut kaut, sein Gewicht hält und gesund ist. Für Pferde über zehn Jahren empfiehlt die Fachgruppe, auf PPID und Insulindysregulation zu achten 7.
Braucht ein altes Pferd mehr Mineralstoffe?
Die gängigen Bedarfswerte sehen keine eigene Altersstufe vor 12. Ändert sich aber die Ration, etwa durch weniger Heu und mehr Cobs, ändert sich auch, was ergänzt werden muss. Rechne die neue Ration neu.
Was füttere ich einem alten Pferd, das abnimmt?
Zuerst Zähne und Gesundheit tierärztlich prüfen lassen. Für magere Pferde mit PPID und normalem Insulinstatus nennt die Leitlinie mehr Fett, Protein und Energie, etwa über Seniorfutter, Fett oder luzernebasierte Futtermittel 3. Die Menge folgt aus der Rationsrechnung.
Quellen & Studien
Die Inhalte basieren auf den unten genannten Referenzen. Sie ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.
Quellenliste anzeigen (7)
- GfE (2014) – Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von PferdenFachreferenz im deutschsprachigen Raum (Gesellschaft für Ernährungsphysiologie), Ausschuss für Bedarfsnormen
- NRC – Nutrient Requirements of Horses, 6th ed.Internationale Referenz für Nährstoffbedarfe von Pferden (National Research Council)
- Hart K, Bamford N, Bertin FR, Durham A, Frank N, McGowan C, Schott H (Equine Endocrinology Group, 2025): Recommendations for the Diagnosis and Management of Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID). Revised October 2025Tierärztliche Expertenempfehlung, geprüft am 30.09.2026. Summary: altersbedingte, langsam fortschreitende Erkrankung; Prävalenz 20 % bei über 15-jährigen, 30 % bei über 30-jährigen Equiden; Hypertrichose als klassisches Zeichen; Diagnose über ACTH, saisonabhängig zu interpretieren; Behandlung mit täglicher Medikation plus Fütterungsmanagement und Wellness-Care. Tab. 1: klinisches Spektrum (u. a. Muskelabbau, Polyurie/Polydipsie, wiederkehrende Infekte, HAL). Tab. 4: Futterwahl nach Körperzustand und Insulinstatus; bei normalem Insulinstatus (dynamischer Test) keine Kohlenhydrat-Restriktion nötig; viele PPID-Pferde mager bzw. mit Muskelabbau – mehr Fett, Protein und Energie; häufige BCS-Kontrolle; Zahnpflege, Hufpflege, Parasitenkontrolle; gute Lebensqualität, Lebenserwartung nicht zwangsläufig verkürzt. Tab. 5: Wirksamkeit von Ergänzungsfuttern bei PPID wissenschaftlich nicht belegt. Empfehlung für Tierärzte, keine Halteranleitung.
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009Inverkehrbringen und Verwendung von Futtermitteln, Kennzeichnung und Claims; Begriffe Alleinfuttermittel (Art. 3 Abs. 2 Buchst. i) und Ergänzungsfuttermittel (Buchst. j), Gehalt an Futtermittelzusatzstoffen (Art. 8), Fütterungshinweise (Anhang II Nr. 4). Link auf die aktuelle EUR-Lex-Konsolidierung (Stand 26.12.2018).
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Gruber Tabelle zur PferdefütterungPraxis-Referenztabelle mit Bedarfs- und Futterwerten auf Basis der GfE-Empfehlungen; Grundlage vieler Rationsberechnungen im deutschsprachigen Raum. Kapitel 9.3, Tab. 39: häufigste Giftpflanzen für Pferde mit Standort, Toxizität und Risikostufe (nach Kamphues et al. 2014)
- Henneke DR, Potter GD, Kreider JL, Yeates BF (1983): Relationship between condition score, physical measurements and body fat percentage in mares. Equine Veterinary Journal 15(4):371–372Originalpublikation zum Body Condition Score; bibliografisch geprüft. Die Anwendung und Grenzen werden ergänzend durch pferdespezifische Fachübersichten belegt.
- Bertin FR, Bailey S, Burns T, de Laat M, Durham A, Frank N, Kritchevsky J, Menzies-Gow N (Equine Endocrinology Group, 2024): Recommendations for the Diagnosis and Management of Equine Metabolic Syndrome (EMS) and Insulin Dysregulation. Revised June 2024Tierärztliche Expertenempfehlung, geprüft am 30.09.2026. Tab. 1: HAL ist mit über 90 % die häufigste Hufreheform; NSC = wasserlösliche Kohlenhydrate plus Stärke, NFC-Subtraktionsformeln nicht mehr empfohlen; NSC als Hauptauslöser der Insulinausschüttung. Risikofaktoren: NSC-reiche Ration, Alter, PPID; Übergewicht verstärkend, aber nicht konstant. Tab. 5: Heu < 10 % NSC; zur Gewichtsabnahme 1,5 % der Körpermasse als Trockensubstanz (1,7 % wie gefüttert), Kontrolle alle 30 Tage, Untergrenze 1,2 %; Stress vermeiden wegen Hyperlipämierisiko; Stroh bis ca. 50 % schrittweise; Heu ≥ 60 Min. in kaltem Wasser wässern, wenn NSC > 10 % oder nicht analysiert; Heunetz/kleine Mahlzeiten; zuckerarmer Mineral-/Vitamin-/Proteinausgleich; Weide begrenzen, Wiederaufnahme erst nach abgeklungener Rehe und Insulintest; Weide-NSC schwankt mit Temperatur, Licht, Niederschlag, Düngung; höhere Insulinwerte im Winter; Bewegung nur ohne aktive Hufrehe. FAQ: Insulindysregulation bei etwa 30 % der PPID-Pferde; ab 10 Jahren auf PPID und ID testen. Empfehlung für Tierärzte, keine Halteranleitung.